Aktionäre vor Gericht
Chancen und Risiken von Anlegerprozessen

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Lehman-Zertifikate - Schlechte Aussichten für Anleger

Der Skandal: Etliche Banken haben Zertifikate der US-Investmentbank Lehman Brothers als sichere Alternative zu Sparkonten verkauft. Der Vorteil für sie: Anders als für Sparkonten gab’s dafür Provisionen. Als die Papiere mit der Lehman-Pleite im September 2008 wertlos wurden, fiel mancher Anleger aus allen Wolken.

Nach Schätzungen von Verbraucherschützern haben 40 000 bis 50 000 Sparer in Lehman-Zertifikate investiert. Darunter sind etliche ältere, sicherheitsorientierte Anleger, die risikofreie Anlagen suchten. Mehrere Tausend haben Vergleichsangebote ihrer Bank angenommen. Andere kämpfen vor Gericht um Schadensersatz.

Die Chancen: Deutlich gesunken, seit der BGH zwei Klagen im September 2011 in letzter Instanz abwies. Es ist kein Beratungsfehler, dass Banken Gewinnmargen verschwiegen haben, die sie beim Verkauf der Zertifikate als Provision einstrichen, so der BGH. Anders als bei Rückvergütungen („Kickbacks“), die Banken für den Verkauf von Fonds direkt vom jeweiligen Anbieter erhalten, bestehe keine Aufklärungspflicht.

Das Risiko: Damit ist es schwieriger geworden, eine Falschberatung zu beweisen. Denn jetzt müssen Anleger vor Gericht beweisen, dass ihr Berater im Gespräch Risiken verharmlost hat oder dass sie ein absolut sicheres Produkt verlangt haben. Ohne Zeugen ist das häufig aussichtslos.

In einigen Fällen bestehen aber weiterhin gute Chancen. Das Landgericht Essen zum Beispiel verurteilte im Oktober 2011 die Commerzbank zu Schadensersatz (11 O 293/10). Ein Produktflyer des Instituts habe den Eindruck vermittelt, dass eine Kapitalrückzahlung am Laufzeitende garantiert sei, so die Richter.

Daniel Schönwitz
Wirtschaftswoche / Redakteur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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