Altersdiskriminierung
Auch Manager dürfen nicht diskriminiert werden

Wenn sie wegen ihres Alters diskriminiert wurden, haben auch Geschäftsführer Anspruch auf Schadenersatz. Einem Urteil des Bundesgerichtshofes zufolge müssen Unternehmen ebenfalls den immateriellen Schaden ersetzen.
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KarlsruheAuch Geschäftsführer haben bei Diskriminierung wegen ihres Alters Anspruch auf Schadenersatz. Werden ihre befristeten Verträge aus Altersgründen nicht verlängert, steht ihnen Ersatz für entgangene Gehälter sowie für immaterielle Schäden zu, wie der Bundesgerichtshof (BGH) in einem am Montag verkündeten Urteil entschied. Für andere Beschäftigungsverhältnisse ist das Bundesarbeitsgericht oder Bundesverwaltungsgericht zuständig. (AZ: II ZR 163/10)

Ein Stellenbewerber auf einen Geschäftsführerposten muss laut Urteil nur nachvollziehbar darlegen, dass er aus Altersgründen nicht eingestellt worden ist. Das Unternehmen habe dann zu beweisen, dass der Bewerber nicht wegen seines Alters oder aus anderen unzulässigen Gründen benachteiligt wurde.

Im aktuellen Fall hatte der klagende Geschäftsführer der Kölner Kliniken mit der Stadt als Träger der GmbH einen Fünfjahresvertrag geschlossen. Darin war vereinbart, dass beide Seiten ein Jahr vor Vertragsende über dessen Neuauflage verhandeln. Die Stadt ließ den Vertrag des 62-Jährigen auslaufen und stellte stattdessen einen 41-jährigen Mitbewerber ein. In der Presse begründete der Aufsichtsratsvorsitzende diesen Schritt mit dem fortgeschrittenen Alter des Klägers, das bei einer Vertragsverlängerung um weitere fünf Jahre der Forderung nach „Führungskontinuität“ entgegenstehe.

Laut Urteil ist damit der Tatbestand der Altersdiskriminierung erfüllt; der Kläger hat Anspruch auf Ersatz seins Vermögensschadens wegen nicht erhaltener Gehälter sowie auf eine Geldentschädigung für Persönlichkeitsrechtsverletzung.

Die Höhe dieser Entschädigung muss nun die Vorinstanz bestimmen. Der Kläger hatte 110.000 Euro gefordert. Für zahlreiche Berufsgruppen - von Verkäuferinnen bis Piloten - haben Gerichte bereits den Anspruch auf Schadenersatz wegen Altersdiskriminierung bejaht.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • der aufsichtsratsvorsitzende ,ein niedergalassener arzt,der auf dem spd ticket reist is eben doof

  • Die Entscheidung des BGH ist konsequent und folgt der Rechtsprechung des EuGH und des Bundesarbeitsgerichts, nachdem sich die Einsicht durchgesetzt hat, dass Altersdiskriminierung nach europäischem Grundrecht unionsrechtswidrig ist. Noch immer wird versucht, dieses Tatsache zu ignorieren. Das wird wegen der Konsequenz des EuGH erfolglos bleiben. Im Grunde gibt es keine verbindliche Altersgrenze mehr, auch nicht die mit 65. Denn nach der Rechstprechung des EuGH darf ein Arbeitnehmer, der sich nach Ablauf des Vertargsalters von 65 wieder bewirbt, nicht wegen des Alters abgelehnt werden. Es gibt also eine großartige Chance, eine neue Kultur im Umgang mit dem Alter und der Wertigkeit der Leistungsfähigkeit im Alter umzugehen.

  • Immer wieder erstaunlich, was Personen in Führungspositionen alles so von sich geben. Der Vertrag war ausgelaufen und Ende.

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