Anlageberatung Banker verheimlichen ihre Provisionen

Eine Studie der Verbraucherzentralen stellt den Banken ein vernichtendes Zeugnis aus. Bei Anfragen verschweigen sie Provisionen – und verstoßen damit gegen geltendes Recht. Wie die Berater Kunden abblitzen lassen.
Update: 16.09.2011 - 07:05 Uhr 40 Kommentare
Viele Anleger kennen die wahren Kosten ihrer Anlagen nicht. Auch weil viele Banken wenig auskunftsfreudig sind. Quelle: gms

Viele Anleger kennen die wahren Kosten ihrer Anlagen nicht. Auch weil viele Banken wenig auskunftsfreudig sind.

(Foto: gms)

DüsseldorfViele Bankkunden bemerken bei ihrem Beratungsgespräch ein erstaunliches Phänomen. Bei der Kaufempfehlung zeigt sich der Banker noch eloquent und wortgewandt. Auf die Frage nach seiner Provision zeigt sich der Berater jedoch verschlossen und abweisend.

Wie groß die Mängel bei der Transparenz der Geldhäuser bei ihren Kick-Backs, laufenden Vergütungen oder Vertriebsanreizen tatsächlich sind, belegt jetzt eine Untersuchung der Verbraucherzentralen. Zwei von drei Banken und Sparkassen missachten demnach gegenüber ihren Kunden die Pflicht zur Offenlegung von Provisionen.

Laut Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) verweigert die Mehrzahl der Institute die Auskunft gänzlich oder informiert unzureichend. Nur in zwei Prozent der Antworten auf Kundenanfragen legten die Banken ihre Provisionen vollständig offen. „Die Argumentation der Banken, die Anfragen abweisen, ist oft fadenscheinig und juristisch haltlos“, sagt Gerd Billen, Vorsitzender des Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV).

Der Zentralen Kreditausschuss (ZKA) erklärt dagegen, dass Banken und Sparkassen bereits bei Geschäftsabschluss alle Zuwendungen offenlegen würden. Entgegen der Auffassung des VZBV könne nicht ohne weiteres von einem Auskunftsanspruch nach Geschäftsabschluss ausgegangen werden.

Das Provisionsgeschäft ist für die Banken durchaus einträglich. In der Untersuchung wurden pro Jahr und Kunde Provisionen in Höhe von durchschnittlich 667 Euro ausgewiesen.

Die Verbraucherzentralen werteten 280 Kundenanfragen an die Banken und 172 Antwortschreiben der Institute aus. Zuvor hatten sie mit der Initiative „Finanzmarktwächter“ Bankkunden dazu aufgerufen, von ihren Instituten eine Auflistung der Provisionen für ihre Wertpapiere zu verlangen.

Die Auswertung zeigt: Bei Anfragen zu Provisionen wimmeln Banken ihre Kunden ab. In 79 der 172 Schreiben verweigerten die Banken explizit eine Offenlegung der Provisionen. In 15 Fällen gingen die Antworten an den Fragen der Verbraucher vorbei. Vier Sparkassen und Volksbanken wiesen die Anfragen ohne jede Begründung zurück. Andere Institute verlangen ohne rechtliche Grundlage eine Gebühr für die Beantwortung der Fragen.

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40 Kommentare zu "Anlageberatung: Banker verheimlichen ihre Provisionen"

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  • An den Schalthebeln der Macht sitzen die Notenbanker.
    Hier legt man fest, wer regiert
    oder wie die Wirtschaft läuft.

    Schulden??
    Was istd as

    Das Geld komtm von den Notenbanken, die (eigentlich) dem Staat unterliegen. Über den Umweg der Banken leiht sich also der Staat das Geld bei sich selbst.

    Man muss schon echt "alternativ begabt" sein, wenn man den ganzen Unsinn um die Schuldenkrise glaubt.

    Fact ist, eine Krise muss her, damit man:

    unsere Gesetze verschärfen kann
    kleine Banken immer mehr reguliert
    das blöde Volk endlich wieder schreit, "gebt uns das europäische Finanz-Ministerium"

    Die werden uns so lange mit Krisen weich klopfen, bis endlich alle schreien

    Frau Merkel: "Wollt Ihr die TOTALE EU-DIKTATUR ?"
    Das gut informierte Volk: "Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa"

  • Wer schützt eigentlich die Verbraucher vor den Verbraucherschützern? Es gibt eine gestzliche Grundlage während des Beratungsgesprächs alle Back-Up´s offen zu legen und der folgen wir Banker auch, sonst gefährden wir die Grundlage unseres Geschäfts. Also einmal wieder alles Schwachsinn, was die angeblichen Schützer uns vorwerfen. Die suchen nur Einnahmequellen und alle fallen drauf rein!

  • gut gesagt!
    wem keine Beratung etwas wert ist, kann sich auf eigenes Risiko (Thema: Haftung / Dokumentation) gern im WWW etwas suchen. am besten etwas was 15% Rendite verspricht:)

  • Jeder Bäcker verkauft seine Brötchen für mehr als den Einkaufspreis. Im Saturn fragt auch keiner was der TV im Einkauf gekostet hat. Aber sobald einer einen Anzug trägt fragt der geBILDete Bürger nach oder was? Dann muss auch am T-Shirt der Einkaufspreis stehen... Gleiches Recht für alle!

  • Mit welcher Marge arbeitet mein Friseur, mein Bäcker,mein Metzger, mein Autotandler? Warum soll ausgerechnet die Bank als einzige Branche ihre Kalkulation offenlegen? Offenbar suchen die sog Verbraucherschützer ein neues Geschäftsmodell: die staatlich regulierte Finanz-"Beratung" gegen Honorar, das notfalls vom Sozialamt kommt...Wetten wir, daß dann immer die Empfehlung raus-kommen wird, Bundesanleihen zu kaufen?

  • Ich weise in diesem Zusammenhang auf das Urteil des OLG Stuttgart vom 16.3.2011 hin, in dem eine Kreissparkasse in Baden-Württemberg m.W. wegen sog. "Kick-Back-Zahlungen" zu Schadenersatzleistungen verurteilt wurde. Es ist seltsam, dass Verbraucherschützer bei der Vorstellung ihrer Untersuchungsergebnisse Verbraucher nicht auf das Vorhandensein eines solchen Urteils hinweisen. Damals wurde in vielen Zeitungen über den Prozess und das o.g. Urteil berichtet.

  • @ missionpossible
    Vielleicht sollten die Leute dann vorher mal überlegen, ob sie überhaupt eine Lebensversicherung brauche.
    "Versicherung" stellt immer auf ein eventuell eintretendes Ereignis ab.
    Wer eine Lebensversicherung als "Sparvertrag" abschließt oder abgeschlossen hat - hat halt bei Kündigung mit Zitronen gehandelt.

  • Ich muss H. Steinbrück beipflichten:

    Beim Onlinebroker kostet mich eine Order 6 EUR, bei meiner Hausbank das Dreifache, dafür bezahle ich hier auch noch ca. 60 EUR Depotgebühren. Ersparnis bei 10 Orders/ Jahr: 180 EUR! Alleine das frisst schon mal 0,2% von der Performance auf.
    Dann kommen noch Ausgabeaufschlag, Verwaltungs- und Vertriebskosten usf. dazu. Das führt zu einem Nachteil von etwa 2,5% p.A.. Deshalb muss nicht einmal besser als der Markt sein, um eine Fonds zu schlagen.

  • Tut mir für Sie leid, dass Sie so leichtgläubig sind. Politiker oder besser Demagogen u. Populisten brauchen im Nachhinein immer Schuldige für die eigenen Fehler.
    Die aktuelle Wirtschaftskrise ist ein Resultat fehlender Staatsbudgetdisziplin und der Aufweichung der EURO-Kriterien für die PIIGS Staaten. Die vorhergehende Krise wurde verursacht durch die Politik in Zusammenarbeit mit den Notenbanken. Die Privatbanken reagieren auf deren Vorgaben. Zu niedrige Zinsen bilden immer Blasen im Immobilienmarkt. Denken Sie mal nach, die staatlichen Fannie Mae u. Freddie Mac hatten die Aufgabe einkommensschwache Immobilienkäufer zu finanzieren. Das war der wesentliche Teil des Geschäftsmodells. Deshalb haben Fannie u. Freddie wissentlich auch die risikobehafteten Papiere der anderen Banken aufgekauft.

  • Gut gesagt! Diese Modelle bietet übrigens nicht nur die der Quirin-Bank an, sondern auch anderen Banken in ganz Deutschland. Solang der Kunde aber immer nur die Festgeld- oder Geldmarktkonditionen der z.B. Postbank mit der Sparkasse & Co. vergleicht, wird er diese Banken eh nicht finden. Qualität hat halt seinen Preis!
    Die meisten Anleger wollen aber täglich fällige, absolut sichere, steuerfreie und renditestarke Anlagen. Und es darf natürlich alles nix kosten.

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