Anlegerrecht: Das Schweigen der Banker

Anlegerrecht
Das Schweigen der Banker

Wenn es um die Provisionen geht, werden viele Banker erfinderisch. Viele Institute gliedern Kundenberater in Firmentöchter aus und verweigern die Auskunft über die Höhe der Kick-backs. Was Kunden besser wissen sollten.
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Warum tun Banker etwas, was sie selber für völlig sinnlos halten? Bereits im Jahre 2008 fragte das Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim bei einer großangelegten Untersuchung, ob es durch eine Ausgliederung der Kundenberater Vorteile gebe. Die Antwort einer deutlichen Mehrheit der Banker: Nein.

Und dafür konnten sie überzeugende Gründe nennen: Die Beratung sei nicht standardisierbar. Auch Effizienzvorteile gäbe es keine. Kundenberatung sei zudem eine Kernkompetenz, mit der sich viele Kreditinstitute „strategische Vorteile“ erhofften. Diese Meinung hat sich seither kaum geändert. Michaela Roth, Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV), betont: „Sparkassen bieten allen Kunden eine ganzheitliche und hochwertige Beratung an. Das findet für die Breite des Marktes statt, und zwar durch eigene Mitarbeiter in eigenen Filialen.“

Doch in der Praxis zählen solche guten Vorsätze wenig. „Es gibt eine Reihe prominenter Beispiele von Banken die ihre Berater ausgegliedert haben“, sagt Julius Reiter, Professor für Banking & Finance an Hochschule für Oekonomie & Management in Essen. Darunter: Die Postbank, Comdirect oder die Deutsche Bank. Der Verdacht zahlreicher Anwälte und Verbraucherschützer: Ein Grund für die Auslagerung sei, dass die Institute ihre versteckten Provisionen so besser im Verborgenen halten könnten.

Fakt ist: Wenn die Banken ihre Kundenbetreuung ausschließlich selbst durchführen würden, dann hätten Anwälte und Gerichte zurzeit deutlich weniger Arbeit. Vor allem würde es dann ein Urteil des Oberlandesgerichts München nicht geben. Hier ging es exakt um die Ausweitung der Haftung auf ausgelagerte Berater. Die Richter haben in der Entscheidung vom 29. März 2011 (Az. 5 U 4680/10) die sogenannte „Kick-back-Rechtsprechung“, die von den Banken eine konkrete Aufklärung über erhaltene Provisionen fordert, auf von Banken ausgelagerte Anlageberater übertragen.

Bisher war es nämlich so, dass die Kick-back-Rechtsprechung nur für Mitarbeiter der Banken selbst gilt. Freie Anlageberater dagegen blieben von ihr verschont. Und genau das könnte vielleicht ein guter Grund gewesen sein, warum plötzlich Berater am Schalter stehen, die der Bank nicht wirklich angehören.

Der Münchener Anlegeranwalt Klaus Rotter glaubt, dass die Rechtsunsicherheit aufgrund der ergangen Urteile zu groß ist. Darum geht er davon aus, dass viele Banken aus dem Anlageberatungsgeschäft komplett aussteigen, weil es aufgrund der Anforderungen zu kostenintensiv wird. Allerdings gibt es immer noch kein klares, höchstrichterliches Urteil, dass für alles ausgliederten Berater gilt. Bisher sind es Einzelurteile. Auch ein klares Gesetz fehlt.

Die Bank berät jetzt nicht mehr selbst, so kümmert sich nun ein eingeschalteter Dritter um Kunden. Wenn also Anlegerin Amelie in einen Immobilienfonds investieren möchte und deswegen mal bei ihrer Sparkasse nachfragt, dann redet sie dort mit einem netten Mann, der ihr einige Tipps gibt, aber gar nicht zur Sparkasse gehört. Amelie vertraut ihrer Sparkasse schon lang. Aber dass dieser Mann gar nicht dazu gehört, das weiß sie nicht. Und dass dieser Mann, weil er eben nicht dazu gehört seine Provisionen nicht offen legen möchte und dabei vom Institut gedeckt wird, das weiß die Kundin auch nicht.

Kommentare zu " Anlegerrecht: Das Schweigen der Banker"

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  • Wozu brauchen wir noch Banken? Holt Euer Geld von der Bank und finanziert damit Geschäfte die wieder mehr Geld einbringen!

  • Für mich ist die Offenlegung von Provisionen in der heutigen Regelung nicht nachvollziehbar - Vertrieb über die Bank bis auf den letzten Cent - Freie Vermittler keine Offenlegung !!! Wäre dies einheitlich, dann gebe es auch keine Auslagerung -

  • Eben: Weil der Preis möglichst nicht genannt wird, glaubt der Kunde zu recht an seine 100 EUR. Er sieht ja keinen Grund, warum zB ein Fondssparvertrag oder ein LV-Sparvertrag kostenmäßig etwas anderes sein soll als ein Sparbuch. Beim Sparbuch werden ja auch keine Kosten verrechnet (um es vorweg zu nehmen: Natürlich weiß ich, dass dort Kontoführungsgebühren fällig werden, aber die fallen bei einem Fonds oder LV-Vertrag idR ja zusätzlich ebenfalls noch an).
    Es ist ja auch nicht nachvollziehbar, warum ein für Produkt, das Produktionskosten von im wesentlichen Null Euro hat, dem Kunden mehrere tausend Euro in Rechnung gestellt werden(um es vorweg zu nehmen: Ja, ich weiß, dass Fondsinitiatoren eine Reihe von Dingen erledigen müssen wie Fondsprospekt BaFin-konform aufzulegen etc. und dass das Geld kostet, aber diese Kosten sind gegenüber denen, die etwa als Provisionen anfallen, vernachlässigbar. Im übrigen musste auch ein Sparbuch erst einmal konzipiert werden, es müssen die Büchlein gedruckt werden, man braucht spezielle Drucker, mit denen man in diese Sparbücher drucken kann etc., also wenn man so argumentieren will, gäbe es auch gute Gründe für die Verrechnung entsprechender Kosten bei einem Sparbuch)...

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