Anlegerrecht
Stiftung Warentest will kein Finanz-TÜV sein

Die Politik erhöht die Förderung für die Warentester, die sollten dafür Finanzprodukte testieren. Doch die Stiftung dämpft die Erwartungen. Ein wirksamer Schutz für Geldanleger kann so nicht entstehen.
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Die Bundesregierung muss einen weiteren Rückschlag in ihrer Verbraucherpolitik hinnehmen. Die Stiftung Warentest will die vom Bund zugesagten zusätzlichen 1,5 Millionen Euro im Jahr zum Ausbau ihrer angestammten Geldanlage-Bewertungen nutzen. „Ein Finanz-TÜV, der Produkte zulassen und aus dem Verkehr ziehen kann, werden wir weiterhin nicht sein“, sagte Stiftungs-Vorstand Hubertus Primus. „Wir können mehr testen, Untersuchungen ausweiten, mehr in die Tiefe gehen, Frequenzen von Tests erhöhen.“ Auftragsforschung solle es nicht geben. „Wir werden souverän entscheiden, was wir machen.“

Die schwarz-gelbe Koalition will die Stiftung von 2013 an mit 1,5 Millionen Euro mehr ausstatten, um den Verbraucherschutz bei Finanzprodukten zu stärken. Derzeit erhält sie 3,5 Millionen Euro im Jahr vom Bundesverbraucherministerium. Dies soll ein Ausgleich dafür sein, dass ihre „Test“- und „Finanztest“-Publikationen auf Werbeanzeigen verzichten. Das Stiftungskapital wurde zudem kürzlich um 50 Millionen auf 75 Millionen Euro aufgestockt.

Ein Schwerpunkt der erweiterten Aktivitäten soll sein, die Umsetzung der „Beipackzettel“ für Finanzprodukte zu untersuchen, wie Primus sagte. Zudem könnten Geldanlagen nach Kategorien eingestuft werden wie „geeignet zur Altersvorsorge“ oder „nur für spekulative Anleger“. Es seien aber keine neuen Siegel geplant. „Wir bleiben bei unseren Qualitätsurteilen.“ Mit der Bewertung von Finanzprodukten sind derzeit 56 Mitarbeiter befasst, das Jahresbudget dafür liegt bei rund zehn Millionen Euro.

Damit ist die Hoffnung vieler Anleger und Verbraucherschützer nach mehr Transparenz und Anlegerschutz bei der Geldanlage vorerst gescheitert. Die Bundesregierung tue nichts für eine „Finanzaufsicht mit Biss“,
klagte etwa der Chef des „Verbraucherzentrale Bundesverbandes“ (vzbv) Gerd Billen in Berlin. Sie versetze die Verbände auch nicht in die Lage, als starke Finanzmarktwächter aufzutreten. Die Gesetzespläne von Finanzminister Wolfgang Schäuble für eine Verbesserung der Finanzaufsicht kritisierte er scharf: „Das ist eher ein Gesetzentwurf zur Schwächung der Finanzaufsicht aus Verbrauchersicht“.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner begrüßte noch die Beschlüsse des Koalitionsausschusses zum Schutz der Konsumenten vor falscher Beratung und ungeeigneten Finanzprodukten. „Das ist ein
starkes Signal für den Verbraucherschutz“, erklärte die CSU-Politikerin. Ihre Erwartungen an Stiftung Warentest waren hoch. Die Erhöhung der Förderung würde zu mehr Tests und einer besseren Beratung im Bereich
Finanzprodukte führen. „Damit wird die Entscheidung über die am besten geeignete Geldanlagen oder Altersvorsorge und die Bewertung der vielen Finanzprodukte, die es auf dem Markt gibt, für die Verbraucherinnen und Verbraucher erleichtert“, sagte sie nach dem Beschluss.

Verbraucherschützer laufen Sturm. Die Rechte der Konsumenten blieben im Finanzbereich hinter vielen anderen Branchen zurück. „Wir sollen in Zukunft nicht wissen dürfen, welche Anbieter uns übers Ohr hauen. Wir sollen nicht wissen dürfen, welche Banken und Sparkassen Misswirtschaft betreiben und das Geld der Verbraucher versenken“, beklagte Billen. Er forderte die Regierung auf, einen neuen Entwurf vorzulegen, der die Aufsicht explizit darauf verpflichte, sich für die Verbraucheranliegen verantwortlich zu fühlen.

Das Finanzministerium verteidigte sich. Die geplante Reform der nationalen Finanzaufsicht habe sehr wohl das Ziel, mehr für den Verbraucherschutz zu tun. Geschehen solle dies unter anderem durch einen neuen Verbraucherbeirat bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Der Referentenentwurf gebe im Übrigen die Gelegenheit, darüber auch mit den zuständigen Verbänden ins Gespräch zu kommen.

Agentur
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  • Ich finde den Ansatz der Bundesregierung dennoch nicht schlecht. Schließlich findet jeder, der sich eine Weile mit dem Markt beschäftigt, aber keine Lust hat, neben Bundestrainer, Arzt unmd IT-Profi auch noch zum Finanzprofi zu werden, die Intransparenz und die unterschiedlichen Aussagen nicht hilfreich, wenn man ernsthaft versucht eine sinnvolle Kapitalanlage zu finden. Eine zentrale Anlaufstelle, der man VERTRAUEN kann, wäre durchaus sinnvoll. Tatsächlich wäre eine Regelung sinnvoll, z.B. dass Berater keine Verkaufsprovisionen von Banken und co. erhalten dürften, sondern am Gewinn beteiligt werden. Eine Haftung wird kaum möglich sein, denn niemand kann sagen, wie es weiterläuft und jede Empfehlung wäre dann nur noch defensiv, bzw. Haftung nur dann, wenn fahrlässig beraten wird. Ist alles nicht so einfach, deshalb wäre eine klare Regelung, die Transparenz auf einen Blick schafft sinnvoll. Z.B. wäre es unschwer möglich die jenigen, die Kapitalanlagen anbieten zu verpflichten, alle relevanten Daten einer zentralen Stelle zu übermitteln, die diese dann übersichtlich allen zur Verfügung stellt. Wenn man z.B. in Preissuchmaschinen nach einem Preis sucht, dann wird da oft ein Endpreis angezeigt. Denn nicht jedes Produkt mit dem geringsten Einkaufspreis ist das Günstigste, wenn die Versandgebühren hoch sind. So sollte es auch im Finanzsektor sein. Angabe z.B. Einstandskosten (z.B. Ausgabeaufschlag, Provisionen), laufende Kosten (z.B. Managementkosten und weitere darin versteckte Kosten wie Provisionen) und Risikobeurteilung, z.B. auf Basis der Volatilität der vergangenen Jahre.
    Das wären einige wenige Spalten in einer Tabelle die man beliebig sortieren und könnte und sich dann selbst eine Meinung bilden oder die Aussagen von Beratern daran verifizieren könnte …

  • Ich finde den Ansatz der Bundesregierung dennoch nicht schlecht. Schließlich findet jeder, der sich eine Weile mit dem Markt beschäftigt, aber keine Lust hat, neben Bundestrainer, Arzt unmd IT-Profi auch noch zum Finanzprofi zu werden, die Intransparenz und die unterschiedlichen Aussagen nicht hilfreich, wenn man ernsthaft versucht eine sinnvolle Kapitalanlage zu finden. Eine zentrale Anlaufstelle, der man VERTRAUEN kann, wäre durchaus sinnvoll. Tatsächlich wäre eine Regelung sinnvoll, z.B. dass Berater keine Verkaufsprovisionen von Banken und co. erhalten dürften, sondern am Gewinn beteiligt werden. Eine Haftung wird kaum möglich sein, denn niemand kann sagen, wie es weiterläuft und jede Empfehlung wäre dann nur noch defensiv, bzw. Haftung nur dann, wenn fahrlässig beraten wird. Ist alles nicht so einfach, deshalb wäre eine klare Regelung, die Transparenz auf einen Blick schafft sinnvoll. Z.B. wäre es unschwer möglich die jenigen, die Kapitalanlagen anbieten zu verpflichten, alle relevanten Daten einer zentralen Stelle zu übermitteln, die diese dann übersichtlich allen zur Verfügung stellt. Wenn man z.B. in Preissuchmaschinen nach einem Preis sucht, dann wird da oft ein Endpreis angezeigt. Denn nicht jedes Produkt mit dem geringsten Einkaufspreis ist das Günstigste, wenn die Versandgebühren hoch sind. So sollte es auch im Finanzsektor sein. Angabe z.B. Einstandskosten (z.B. Ausgabeaufschlag, Provisionen), laufende Kosten (z.B. Managementkosten und weitere darin versteckte Kosten wie Provisionen) und Risikobeurteilung, z.B. auf Basis der Volatilität der vergangenen Jahre.
    Das wären einige wenige Spalten in einer Tabelle die man beliebig sortieren und könnte und sich dann selbst eine Meinung bilden oder die Aussagen von Beratern daran verifizieren könnte …

  • Das einzig gute daran ist das Ergebnis. Die Stiftung bekommt genauso wie die Verbraucherzentralen immer dann Geld, je lauter sie über den Markt schimpfen. Wer hat denn da ein Interesse festzustellen, dass etwas gut ist - außer Bundesschatzbriefe, damit auch der Finanzierer dieser Institute etwas davon hat?

    Wirklich wirksam kann doch nur eine persönliche Beratung bei einem unabhängigen Makler sein, der nicht nur ein Geschäft machen möchte, sondern zudem nur bei gutem Job Empfehlungen erhält - UND vorallem für seine Empfehlungen auch haftet. Genauso wie ein Anwalt und beide sind dafür bzw. dagegen auch versichert.

    Wer haftet denn bei der Stiftung Warentest für die primal Altersvorsorge aus Bundesschätzen, Sparbuch und Tagesgeldkonto? Niemand, deswegen möchten Sie ja auch kein TÜV sein, weil man sonst tatsächlich mal für seine Aussagen geradestehen müsste.

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