Anlegerschutz: Infinus-Skandal weitet sich aus

Anlegerschutz
Infinus-Skandal weitet sich aus

Schnelle Autos, teure Uhren, schicke Motorboote – die Infinus-Manager lebten in Saus und Braus. Heute wird das Insolvenzverfahren eröffnet. Der Anlegerskandal ist deutlich größer als bislang vermutet.
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Je größer der Erfolg, desto tiefer der Absturz. Noch vor wenigen Monaten lebten die Infinus-Chefs in Saus und Braus. Zum Vermögen des Beschuldigten Gesellschafters Jörg Biel gehörte etwa einen Bentley Continental GT ein Porsche Cayenne Turbo und drei Volvos. Außerdem: Goldbarren, teure Uhren, ein Motorboot Benaco 909 „Maurice" im Wert von 250 000 Euro.

Die Prasserei ist vorbei. Heute wurde das Insolvenzverfahren über die Holdinggesellschaft Future Business, besser bekannt als Infinus, eröffnet. Die erste Pressekonferenz zu Infinus dürfte für viele Anleger ein Schock sein. Der Insolvenzverwalter Bruno Kübler korrigierte die Zahlen der geschädigten Anleger deutlich nach oben.

Der Unternehmensgruppe wird vorgeworfen, Anleger im großen Stil betrogen zu haben. Die Gläubigerforderungen bezifferte Kübler auf eine Milliarde Euro, zuvor war lediglich von rund 400 Millionen Euro die Rede. Allein bei der Fubus stünden nach derzeitigem Erkenntnisstand normalrangige Insolvenzforderungen in Höhe von 684 Millionen Euro zu Buche, hauptsächlich aus Orderschuldverschreibungen, in die knapp 30 000 Anleger investiert hätten. Sie können nach Angaben Küblers darauf hoffen, bis zu 20 Prozent ihres Geldes zurückzuerhalten. Insgesamt wurde die Zahl der betroffenen Anleger nach oben korrigiert – von 25.000 auf 40.000.

Derzeit wird gegen zehn Verantwortliche der Future Business-Gruppe ermittelt, darunter auch gegen den Steuerberater und den Wirtschaftsprüfer. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, eingeworbene Anlegergelder nach Art eines Schneeballsystems in Lebensversicherungen und Goldsparpläne investiert zu haben. Dabei wurden über verdeckte Provisionsabreden wesentliche Teile der von Dritten bezahlten Provisionen im Konzern vereinnahmt. Das wurde den Anlegern aber nicht offengelegt.

Anfang November 2013 gab es eine Razzia der Staatsanwaltschaft Dresden und des Landeskriminalamts Sachsen bei Future Business. Betroffen waren 30 Betriebe an verschiedenen Standorten in Deutschland und in Österreich. Gegen sechs Beschuldigte in Deutschland erging Haftbefehl. Einer davon befindet sich wieder auf freiem Fuß.

Der Anlegerskandal zieht auch mehrere Versicherer in den Bann. Töchter der Ergo-Versicherung haben fragwürdige Lebensversicherungen mit Unternehmen aus der Infinus-Gruppe geschlossen. Auch die Gothaer Versicherung und die österreichische Assekuranzen Uniqa und Wiener Städtische sind in den Anlegerskandal Skandal involviert.

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Anlegerschutz: Infinus-Skandal weitet sich aus"

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  • Wenn ich "ERGO" lese,
    weiss ich schon Bescheid... die "Brüder" waren und sind schon immer suspekt!

    Wer bei infinus Geld investierte, hat den Verlust verdient. Naivität und Dummheit hat sich in Geldgeschäften seit Judas Ischkariot nicht ausgezahlt (ja, das war die übergierige Nase mit den Silberlingen)

  • Wenn ERGO, Gothaer und co wirklich mit drin stecken sollten, könnte noch mehr Geld zurückgeführt werden.
    Das wird noch spannend.
    Denn dann weiss man wo das Geld hingeflossen ist.

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