Anlegerskandal
Prokon-Gründer kämpft mit allen Tricks

Carsten Rodbertus wirbt um die Stimmen seiner Anleger. Bei der Gläubigerversammlung des insolventen Windkraftbetreibers will er wieder das Sagen haben. Der Insolvenzverwalter prüft derzeit Schadenersatzansprüche.
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DüsseldorfDie Zeiten als Carsten Rodbertus potenzielle Anleger bei Häppchen und Sekt in noble Hotels lud, sind vorbei. Aber aufgegeben hat der Gründer des insolventen Windparkbetreibers Prokon noch lange nicht. Heutzutage bittet der 54-Jährige mit dem grauen Zopf seine Jünger in Vereinsgaststätten, wie etwa am vergangenen Sonntag in den Postillion in Bremen.

Rodbertus kämpft mit bescheideneren Mitteln, aber er kämpft. Er ist auf Stimmenfang und sammelt Vollmachten von Genussrechtsinhabern, vor allem für die Gläubigerversammlung am 22. Juli. Die Prokon Regenerative Energien GmbH hatte mit ihren 75.000 Anlegern und mit 1,4 Milliarden Euro eingesammeltem Anlegergeld am 1. Mai Insolvenz angemeldet.

Nun will Rodbertus die Kontrolle über sein Lebenswerk zurückgewinnen. Und verwendet alle Tricks. Die rund 60 Zuhörer in der Gaststube direkt an der Weser erfahren an diesem Tag Erstaunliches: Prokon sei viel mehr wert, als Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin glauben mache. Der wolle den Konzern nur zerschlagen: „Ich will nicht sagen, dass Penzlin lügt, aber er gestaltet die Wahrheit. Es gibt somit stille Reserven.“ Das Zitat hat sich einer der Besucher notiert. Damit holt Rodbertus wieder alte Geschichten hervor: Prokon arbeite wirtschaftlich, die Verluste waren nur vorübergehend, im Prinzip ist ja alles noch da.

Ähnliche Töne wie vor der Insolvenz. Penzlin hatte dagegen zur Eröffnung des offiziellen Insolvenzverfahrens verkündet, dass nach dem aktuellen Stand im Konzern 1,53 Milliarden Verbindlichkeiten nur noch ein Vermögen von 1,05 Milliarden Euro gegenüberstehe. Der Konzern sei also mit 474 Millionen Euro überschuldet.

Solche Daten lassen einen wie Rodbertus nicht kleinlaut werden. Kaum ein gutes Haar lässt er an Penzlins Arbeit, seit der Verwalter Rodbertus Ende März vor die Tür gesetzt hat. Der Verwalter eröffne immer neue Spielwiesen, ohne dass Experten einen Sinn darin sähen, sagt Rodbertus an diesem Nachmittag. Auf der Gläubigerversammlung am 22. Juli könne man Penzlin sogar abwählen, schlägt Rodbertus laut Besucheraussagen an dem Sonntagnachmittag in Bremen vor. Das scheint der wahre Zweck der Veranstaltung zu sein.

Doch auch Insolvenzverwalter Penzlin ist nicht untätig. Er prüft Schadenersatzansprüche gegen Rodbertus. Dessen Geschäftsführung habe bei den Gläubigern bisher Schäden von mehr als einer halben Milliarde Euro verursacht, teilte Penzlin am Freitag in Hamburg mit. „In diesem Zusammenhang lasse ich Schadenersatzansprüche gegen ihn prüfen, schwerpunktmäßig wegen unzureichend besicherter Darlehensvergaben“, erklärte Penzlin.

Kommentare zu " Anlegerskandal: Prokon-Gründer kämpft mit allen Tricks"

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  • @Johannes-1
    Ich weis ja nicht ob Sie jemals eine Schule besucht haben und schon etwas Lebenserfahrung - Berufspraxis gesammelt haben aber was da schreiben, ist einfach nur SCHWACHSINN!

  • Muß zur Erklärung wirklich eine Verschwörung der Industrie und der Banken herhalten. Meines Erachtens reichen die eigenen Fehler von Prokon: Mangelhafte Projektplanung, überzogene Renditezusage und fehlende Liquiditätssteuerung völlig aus.

    Auch erschließt sich mir nicht, was eine Palettenfabrik und eine Ölmühle, in die erhebliche Mittel flossen, mit der Energiewende zu tun haben. Vermutlich konnten die zufließenden Gelder nicht in Windparks untergebracht werden und so mußten zusätzliche Investitionsobjekte gefunden werden.

  • Es gibt keine erneuerbare Energie, das sagt doch alles über
    diesen Staat.

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