Anwälte packen aus
So tricksen Banken ihre Anleger aus

Immer öfter landen Banken vor Gericht. Sie müssen sich gegen unzufriedene Anleger wehren – und sind dabei nicht zimperlich. Anwälte haben sieben Abwehr-Maschen identifiziert, die besonders beliebt sind.
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KemptenDie Finanzkrise fordert ihren Tribut. Immer mehr Beteiligungen an Unternehmen stellen sich als Fehlinvestition heraus. Die spektakulären Enthüllungen bei den Fondsgruppen S&K oder nun Infinus sind da nur die Spitze des Eisbergs. Anwälte schätzen, dass weit mehr als 100.000 Anleger ihr Geld in hochriskante Unternehmensbeteiligungen gesteckt haben.

Oft wurden solche Fondsanteile im grauen Kapitalmarkt von Banken verkauft. Wenn etwas schief läuft, stehen die Berater der Banken daher sofort im Kreuzfeuer. Anleger wollen ihr Geld zurück – und immer öfter landen solche Auseinandersetzungen vor Gericht. Das ist für alle Beteiligten ein zweifelhaftes Vergnügen, denn in der Regel entwickelt sich ein zähes Ringen.

Das Problem aus der Sicht der Anwälte: Nicht nur zweifelhafte Verkäufer wurden durch die hohen Provisionen auf dem unregulierten Markt für Unternehmensbeteiligungen angelockt. Auch viele Banken packte die Gier. Graumarktprodukte seien daher selbst Kleinsparern verkauft worden, sagt etwa der Rechtsanwalt Thomas Diler von der Kanzlei Sommerberg in Bremen.

Doch was passiert, wenn nun wie bei S&K oder Infinus etwas schief läuft? Schließt die Bank vielleicht schnell einen Vergleich? Das passiert, doch oft wird es von beiden Seiten geheim gehalten. Offiziell sind dagegen umso häufiger Statements zu hören, dass die Banken grundsätzlich vor Gericht nicht nachgeben wollen und Vergleiche kaum möglich sind.

„Grundsätzlich ist die Tendenz festzustellen, dass Banken einen Alles oder Nichts-Kurs fahren, jedwede Ansprüche im außergerichtlichen Bereich zurückweisen und es auf gerichtliche Auseinandersetzungen ankommen lassen“, stellt Rechtsanwalt Nikolaus Sochurek aus München fest.

Allenfalls im Verlauf solcher Verfahren, insbesondere während der mündlichen Verhandlung, seien die beklagten Institute eventuell bereit, über einen Vergleich zu reden. Anleger brauchen also nicht nur starke Nerven, um wieder an ihr Geld zu kommen. Sie sollten auch die gängigen Abwehrstrategien der Gegenseite kennen. Sonst halten sie einen jahrelangen Rechtsstreit womöglich gar nicht durch.

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  • Das wird gewiss so sein.

    Nur ein Bruchteil der Geschäfte landen vor Gericht. Würde man dies als Prozentsatz ausdrücken, käme man sehr schnell zu dem Ergebnis, dass 100 % der Geschäfte ordentlich laufen. Leider schließt dies nicht aus, dass einige auf kriminelle Weise um ihr Erspartes gebracht werden. So ist halt die Statistik.

    Dennoch ist die Diskussion nicht fair. Da stimme ich ihnen zu.

    Hat jemand die Absicht einem Anleger nicht mehr sein eingezahltes Kapital zurückzugeben, dann spricht man von vorsätzlichen Betrug. Das ist der Fall, der hier diskutiert wird. Ob dies jedoch strafbar ist, ist eine Sache der Position und der Größenordnung. Draghi denkt genau über diesen Punkt nach. Vor einer Strafverfolgung fürchtet er sich dennoch nicht.

    Es ist schon eigenartig, wenn ein erfolgreicher, kundenorientierter Anlageberater in Zukunft seinem Kunden rät: Nehmen sie ihr Geld und stecken es unter ihr Kopfkissen. Dann haben sie nach einem Jahr mehr als wenn sie es zu uns, der Bank, bringen.

    Wenn die Kunden also demnächst ihr Geld bei der Bank abheben, muss die Bank ihrerseits die ausgeliehenen Kredite kündigen. Die Wirtschaft kommt zum absoluten Stillstand.

    Das ist nach dem Willen unserer Politiker! Sie behaupten dies in einer alternativlosen Entscheidung so eingesteuert zu haben.

    Das war jetzt kein Geflüster der AfD. Aber jeder, der 1 + 1 addieren kann, weiß, dass das nicht gut gehen kann. Gut geht es nur dann, wenn dies Teil einer Strategie im Finanzkrieg ist und das Ziel die Vernichtung Deutschlands ist.

    Ich möchte nicht " schwarz Malen", aber ich würde sehr gern meine Altersvorsorge erhalten und erhalten wissen.

    Die Politiker haben einen Amtseid geschworen ("zum Wohl des deutschen Volkes"). Der einzige, der die Finger hinter seinem Rücken kreuzte und wahr machte, war Altkanzlers Schröder. Der Rest hat alternativlos die Finger gehoben und trotzdem das Volk beraubt.

    Es ist eine starke Zeit, in der wir unsere Politiker erleben dürfen.

  • Sind Sie sich da sicher?

  • Ich kann den Artikel nur bestätigen. Das ist mir als Anleger auch passiert. Außergerichtlicher Vergleich wurde von der Bank abgelehnt. Also blieb nur die Klage. Dann in Frankfurt vor Gericht. Dann das Paradoxe. Die Bank markiert Kraft und Stärke und der Richter (mit Dr. Titel) erklärt, er duchschaut das Verhalten und Konstrukt der Bank etc. selbst nicht. Also bewegt er sich wie ein Zweig im Wind von der Argumenten der einen Seite zur anderen Seite. Und rät dann selbst zum Vergleich, der aber nur schäbig ist. Es wird schnell klar, ein Urteil will er nicht fällen, da er den Fall nicht durchschaut. Armes Gericht in Frankfurt. Dort landen aber alle diese Verfahren. Mit dieser Haltung spielt der Richter den Banken so richtig in die Hände, weil natürlich jedes Treffen vor Gericht, mich etwa 1000 Euro plus Zeit (selbst nach Frankfurt zu fahren) kostet. Fazit: schlechten Vergleich akzeptiert, um Kostenrisiko und Zeit zu sparen. Selbstverständlich darf über das Zustandekommen und den Inhalt des Vergleiches nicht gesprochen werden. Diese Klausel war auch nicht rauszuverhandeln. Am Ende bleibt der bittere Beigeschmack: Gerichte sind von den Praktiken der Banken völlig überfordert, duchschauen es selbst nicht und wissen auch um die Situation der Anleger. Da wird doch nicht etwa in der Kantine der Richter am Gericht schon von Kollegen zu Kollegen geraten, da und dort bekommst Du doch schnell einen Vergleich hin. Der Anleger kann nicht durchhalten. Da braucht sich dann Herr Dr. "Richter" auch weiter nicht mit der Materie auseinandersetzen und durchschaut das Finanzprodukt auch im nächsten Fall wieder nicht. Dumm für den nächsten Kleinanleger, der wieder in den Vergleich gedrängt wird. Das ganze System krankt doch. Eigentlich sollte gleich an jedem Finantprodukt der Banken stehen: §1 Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, weil die Bank das System sicher beherrscht. § 2 Sollte die Bank doch einmal im Unrecht sein, tritt automatisch §1 in Kraft, da die Bank ja das System beherrscht.

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