Arbeitsrecht Der heilige Trinker

Alkoholiker, Drogensüchtige und Raucher kosten Unternehmen Jahr für Jahr Milliardensummen. Immer mehr Betriebe erklären sich daher zur rauschfreien Zone. Doch was passiert, wenn Mitarbeiter diese Vorgaben missachten?
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Oktoberfest: Der Himmel der Bayern, die Hölle für Trinker. Quelle: Reuters

Oktoberfest: Der Himmel der Bayern, die Hölle für Trinker.

(Foto: Reuters)

Wir schreiben das Jahr 2013. Der Nichtraucherschutz in Deutschland hat ein neues Allzeithoch erreicht. Und auch was den Genuss diverser Alkoholika angeht, war man im Land der Dichter und Denker schon deutlich toleranter.

Mag der ehemalige Trainer des FC Bayern München, Felix Magath, im Fernsehen auch noch so vollmundig verkünden, er habe seinen Spieler nie das Rauchen verboten und betonen: „Wenn einer zu mir sagt, ich brauch zehn Bier, dann schieße ich morgen zwei Tore, dann kriegt der von mir zehn Bier!“: In den meisten Beschäftigungsverhältnissen ist der Umgang mit Suchtstoffen heutzutage doch deutlich restriktiver.

„Jeder nor einen wönzigen Schlock“

Zwar besteht für deutsche Betriebe kein generelles, gesetzliches Alkoholverbot. Wenn besondere Sicherheitsauflagen fehlen oder eine Null-Promille-Grenze nicht ausnahmsweise per Betriebsvereinbarung oder Arbeitsvertrag festgeschrieben ist, spricht erst einmal nichts dagegen, den Geburtstag der Lieblingskollegen mit einem Gläschen Schaumwein zu begießen. Auch eine schnelle Kippe in der Mittagspause ist normalerweise nicht ehrenrührig - zumindest, wenn sie unter freiem Himmel genossen wird.

Doch was passiert, wenn ein Kollege regelmäßig während der Arbeit trinkt – womöglich deutlich mehr, als ihm gut tut? Welche Konsequenzen drohen Arbeitnehmern, die während der normalen Bürozeiten „auf eine Zigarettenlänge“ in den Hof verschwinden – und das gleich mehrfach pro Tag?

Aus Sicht des Arbeitgebers werden solche Mitarbeiter schnell zum wirtschaftlichen Risiko. Vor allem, weil es nicht gerade wenige gibt: Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums rauchen in Deutschland etwa 16 Millionen Menschen, 1,3 Millionen Menschen sind alkohol- und 1,4 Millionen von Medikamenten abhängig – damit hat, statistisch betrachtet, fast jeder achte Arbeitnehmer ein Suchtproblem.

Was die Sucht die Arbeitgeber kostet
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31 Kommentare zu "Arbeitsrecht: Der heilige Trinker"

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  • In jeden Urteil erhält der Beschuldigte Rabatt, er war betrunken. Deshalb wird jetzt auch Rauschgit frei gegeben und Räume dafür errichtet, in Berlin!!! Alles auf Anordnung unserer Politiker! dafür zahle ich gerne Steuern und verzichte auf eine Rentenerhöhung. Jetzt verstehe ich auch den Einsatz in Afghanistan: Mehr Rauschgit mit Hilfe der BW nach Deutschland!

  • Wieso sollen die "normalen" Arbeitnehmer für die Alkoholiker mitarbeiten, ohne etwas dafür zu erhalten? Die bewusst, mit Vorsatz trinkenden Arbeitner, bauen auf diese Leute! Man kann auch sagen: Alkoholiker nutzen die anderen Mitarbeiter aus, ungestraft!

  • Bei diesen 60 Milliarden Euro geht es ja im Wesentlichen um Produktivitätsminderungen; das heißt, wenn die Leute nicht so viel saufen würden, könnten sie mehr arbeiten. Da wir aber nicht mehr Ware brauchen, kämen die geschädigten Betrieb dann mit weniger Angestellten aus; oder wieder anders ausgedrückt: die Säufer sichern Arbeitplätze, Abstinenz würde sie vernichten.
    Und was machen dann die entlassenen? Saufen ...

  • Der Arbeitgeber hat eine gesetzliche Fürsorgepflicht für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn er quasi fahrlässig zuläßt, dass in seiner Firma derartige Zustände (torkelnde Mitarbeiter) einreißen, ist er ganz schnell dran. Es ist m.E. normal, dass er sich kümmert, zB beim Verdacht auf Sucht den Betriebsarzt einschalten, den Mitarbeiter zu einer Behandlung motivieren, etc. Natürlich darf der Betreffende nicht mehr mit gefahrgeneigten Aufgaben betraut werden. Es ist nicht normal, dass sämtliche Kolleginnen und Kollegen wegsehen! Zum Thema Rauchen: Der Arbeitgeber achtet mit Blick auf das Betriebsklima darauf, dass aus Gerechtigkeitsgründen die Raucher nicht mehr Pausen machen als die Nichtraucher, dh Rauchen ist keine Arbeitszeit.

  • +News+News+News+News+News+...

    Aus der Grünen Zentrale:

    "Männer sollen im Sitzen pinkeln!"

    Das spart Pissoirs ein und entlastet die Kloputzfrauen...

  • @WFriedrich
    Danke. Aber ich vermute, Sie haben Ihr "Bauernargument" gern zur strategischen Verteidigung Ihres Hauptstandpunktes, "Da es illusionär ist, Überforderungs- und Stresssituationen zu vermeiden, müsste unser Streben der Verbesserung der individuellen Bewältigungsfähigkeit gelten. Diese Pflicht beginnt zweifelsfrei in den Elternhäusern", geopfert :D | Jedenfalls pflichte ich Ihnen bei, dass das familäre Milieu zusammen mit der Schule bei der Herausbildung neuer (bzw. alter) gesellschaftlicher und individueller Strukturen, eine große Tradition hat.

  • @ Shadhajuuhpioky

    Ich gratuliere - sie haben Exzellenz gekontert. Gegen Ihre Argumentation betreffend die (islamische) Religion habe ich nichts mehr entgegen zu setzen. Da macht Debattieren richtig Freude und spornt zu eigener Scharfzüngigkeit an. Machen Sie so weiter - überzeugende Darlegungen beleben ein Forum ungemein - auch wenn man selbst passen muss.

  • @WFriedrich
    "Einige islamische Staaten wären in diesem Falle längst ausgestorben." Da kann ich wiederum nicht beipflichten. Religion erfüllt hier die Rolle eines Orientierungssystems, dass durch seine ideologischen Grundsätze stark genug ist, existentielle Bedürfnisse zu befriedigen und gleichzeitig, nach Art der Wirkungsweise von Drogen, Zweifel und Rationalität zu betäuben. Religiösität ist m.E. eine noch viel ohnmächtiger in der Wirkungsart von Drogen, da sie jeden Widersprüchlichen Gedanken im Keim ersticken muss, um nicht ihre Wirkung einzubüßen. Die Gefahr für ein Individuum in einer islamischen Gesellschaft, abseits des theologischen Standpunktes zu denken, ist genauso groß wie zB Drogen zu konsumieren. Ein Suizid wirft einen großen Schatten auf die islamische Familie (gesellschaftliche Hierarchien, Problematische Heiratsvermittlung, ect.), was jedes Mitglied aus Ehrgefühl der Familie zu ersparen sucht. Ich bezweifele auch, dass "Koma-Saufen" notwendigerweise ein Merkmal von Jugendkultur bleiben muss. Vielmehr würde sich in einem "humanerem" System, eine Bewußstsein für einen verantwortungsbewussteren Umgang mit sich selbst und anderen herauskristallisieren. Zumindest können Sie diese Tendenzen nicht von vornherein ausschliessen.
    "Überforderungs- und Stresssituationen zu vermeiden, müsste unser Streben der Verbesserung der individuellen Bewältigungsfähigkeit gelten. " Ich würde sagen: Auf ein System hinwirken, welches Überforderungs- und Stresssituationen für ein Individuum minimiert. Statt dem Individuum stehts einzubleuen, es müsse sich an jede Systemvorgabe anpassen, ermutigen, sich zu organisieren und Freiräume dazu anbieten. zB solles dem Arbeitnehmer ermöglicht werden, über eine neutrale Person, dem AG mitzuteilen, dass dieser sich nicht immer tiefer unter den Schutzmantel des Gesetzes verkriechen soll, sondern zusammen mit den AN eine Lösung zu ERARBEITEN hat !

  • @ Shadhajuuhpioky
    Um nochmals Irritationen zu entgegnen stelle ich fest, dass ich keineswegs bestreite, dass es von der Gesellschaft, vom Beruf oder von der Familie überforderte Menschen gibt. Einen zwingenden Zusammenhang zu Drogen und Alkoholmissbrauch kann aber m.E. nicht hergestellt werden. Das ergibt sich bereits aus der Überlegung, dass die Überforderungen ohne Drogenbetäubung regelmäßig in den Suizid führen würden.
    Einige islamische Staaten wären in diesem Falle längst ausgestorben. Gelänge es, alle Überforderungen zu überwinden, so gäbe es trotzdem (beispielsweise) Koma-Saufen. Auch der Drogenkonsum in der Hippi-Szene scheint nicht durch pure Not bedingt zu sein. Da es illusionär ist, Überforderungs- und Stresssituationen zu vermeiden, müsste unser Streben der Verbesserung der individuellen Bewältigungsfähigkeit gelten. Diese Pflicht beginnt zweifelsfrei in den Elternhäusern.

  • Tradierter Weise wurden Frauen in der Vergangenheit bei Ihrem Naturrecht auf Mutterschaft in der Gesellschaft benachteiligt, was zu einer Asymetrie in dem Bereich der Gesellschaft führte, der Geldwerte Arbeit bedeutet. Männer konnten Strukturen aufbauen, ohne auf "frauenspezifische" Bedürfnisse Rücksicht nehmen zu müssen. Dabei ist geldwerte Arbeit in einer Kapitalistischen Ordnung ein wesentliches Element von Naturrecht, um Freiheitsgrade zu erhalten oder zu verteidigen. Darf das Proletariat sich das Recht herausnehmen, sich dem System in das Sie eingeworfen werden und welches Ihnen nach Maßgabe Ihrer menschlich-solidarischen Instinkte zuwiederläuft, funktionell zu entziehen. Welche andere Alternative hätte ein Arbeiter heute... vielleicht sich mit Drogen noch weitestgehend funktional zu erhalten. Seine Instinkte und seine Rationalität betäubend, dem heiligen System unterordnend, jene Tendenzen abtötend, für die er eigentlich eintritt, ist der Arbeiter gefesselt zwischen Zweckrationalität und Helfen-Wollen, zwischen Einsicht und Karriere-Druck und zwischen Selbsterhalt und Fremdbestimmung. Ich meine, es sollten zunächst die Spitzengehälter gedeckelt werden, bevor der Arbeitnehmer , die tragenden Elemente unseres Systems, weiter bevormundet wird. Dabei bin ich prinzipiel gegen eine Deckelung, aber hier meine ich : 50% aller Alkoholiker werden mit dem Geld aus der Deckelung trocken. Besteht doch ein enger Zusammenhang zwischen Alkoholismus und Vermögen.

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