Arbeitsrecht
Erst das Unwetter, dann die Abmahnung?

Auch wenn die Bahn ausfällt oder ein schwerer Sturm das Auto beschädigt hat, dürfen Arbeitnehmer nicht einfach zu Hause bleiben. Wir sagen Ihnen, wofür Ihr Chef Sie abmahnen kann.
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DüsseldorfDie Bahn fährt nicht, mit dem Auto ist auch kein Durchkommen: Nach dem schweren Unwetter in Nordrhein-Westfalen sind viele Pendler heute Morgen auf halber Strecke umgekehrt oder haben sich gar nicht erst auf den Weg ins Büro gemacht. Ist das eigentlich rechtens? Oder dürfen Chefs nun reihenweise Abmahnungen an ihre Mitarbeiter verteilen?

Eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage gibt es – wie so oft in solchen Fällen – nicht. Jens Niehl, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Düsseldorf, erklärt, warum: „Dem Arbeitnehmer muss ein Pflichtenverstoß vorzuwerfen sein.“ Heißt: Wer morgens aus dem Fenster schaut und sieht, dass sein Auto unter einem Baum begraben wurde, sollte nicht einfach faul ins Bett zurückkrabbeln. „Wenn die Möglichkeit besteht, zu Fuß, mit dem Rad oder dem Zug ins Büro zu fahren, darf man nicht ohne Weiteres zu Hause bleiben“, so Niehl.

Anders sieht es aus, wenn auch die Bahn ausfällt – und der Fußweg nicht zumutbar ist. „Zum Beispiel kann kein Chef erwarten, dass ich von Duisburg nach Düsseldorf laufe“, so Niehl. Alles eine Frage der Verhältnismäßigkeit: „Natürlich muss ich keinen Helikopter chartern, um pünktlich auf der Arbeit zu sein.“

Wer allerdings morgens bemerkt, dass sein Auto unter einem Baum liegt, kann sich nicht generell für die Spätschicht abmelden. „Wenn ich es im Laufe des Tages noch ins Büro hätte schaffen können, riskiere ich tatsächlich eine Abmahnung“, so Niehl. Grundsätzlich sei nämlich weder Sturm noch Chaos ein Freibrief fürs Unpünktlich-Sein oder Fernbleiben.

„Das Wegerisiko trägt der Arbeitnehmer“, erläutert Jens Niehl. „Wenn die Anreise wegen der aktuellen Wetterlage vermutlich länger dauern wird und ich das rechtzeitig mitbekomme, muss ich eben eine Stunde eher aufstehen.“

Und was ist, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, stundenlang im Stau stehe und auf halber Strecke umkehren möchte, weil die Fahrt mir einfach zu lange dauert? „Wenn Sie merken, dass Sie nicht mehr ankommen können, zum Beispiel weil eine Brücke vom Wasser weggerissen wurde, können Sie nach Hause fahren.“ Vorher aber auf jeden Fall den Chef anrufen – dann gibt’s auch keine Abmahnung.

Tina Halberschmidt, Social-Media-Redakteurin
Tina Halberschmidt
Handelsblatt / Teamleiterin und Redakteurin Social Media

Kommentare zu " Arbeitsrecht: Erst das Unwetter, dann die Abmahnung?"

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  • "Vorher aber auf jeden Fall den Chef anrufen – dann gibt’s auch keine Abmahnung..." Sie hätten den Artikel also bloß zu Ende lesen müssen.

  • Alles ganz nett, aber mit fehlt mal der simple Hinweis, dass man sich eventuell auch telefonisch beim Arbeitgeber melden und die Situation besprechen kann. Wer einfach auf halbem Weg wieder umdreht, unter die Bettdecke krabbelt und sich nicht meldet ist m.E. selber schuld...

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