Arbeitsrecht
Kündigung: Gute Karten für Faulenzer

Hunderttausende Jobs sind aktuell in Deutschland in Gefahr. Jetzt beginnt in den Unternehmen der Verteilungskampf. Leistungsschwache Mitarbeiter stehen auf der Abschussliste, egal ob Führungskraft oder einfacher Angestellter. Wann Angestellten, die in den internen Leistungsrankings nicht immer oben stehen, die Kündigung droht.
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HB DÜSSELDORF. In den Betrieben geht die Angst um. Bei Opel sind Stellenstreichungen angekündigt, bei den Landesbanken ebenso. Der Mittelständler Schäffler stellt gleich mehrere Tausend Mitarbeiter frei. Beinahe jedes Unternehmen fährt aktuell ein Sparprogramm, Kündigungen könnten bald folgen. Eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK in Nürnberg belegt: 57 Prozent der Bundesbürger sorgen sich aktuell um den Job. Vor einem Jahr hatte der Anteil noch bei 53 Prozent gelegen. Der europaweite Vergleichswert liegt bei 39 Prozent.

Die Wirtschaftskrise bricht sich Bahn, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer treiben wie Schiffbrüchige in einem Ozean, stets in der Gefahr unterzugehen. "Bisher beobachten wir noch einen Schulterschluss unter den Eigentümern und Chefs, möglichst keine Mitarbeiter zu entlassen", sagt Alexander von Preen, Partner bei der Managementberatung Kienbaum. "Mitte des Jahres stellen viele Unternehmen die abwartende Haltung auf den Prüfstand".

Wenn Kurzarbeit, Abbummeln vom Urlaub und Kürzungen von Boni und Spesen nicht mehr reichen, geht es an das Personal. Viele Unternehmen haben aber schon in den letzten Jahren die Gehaltskosten gedrückt. Bei weiteren Kündigungen wird die Lage prekär. "Viele Unternehmen sind in der aktuellen Situation gezwungen, ihr Personalportfolio auf Leistungsfähigkeit zu prüfen", sagt von Preen. Immer mehr Arbeit muss von immer weniger Mitarbeitern erledigt werden. Die Folge: Für leistungsschwache Kollegen wird die Luft dünner.

Bei der Personalauswahl sind den Chefs aber enge Grenzen gesetzt. Bei "Massenentlassungen" wird etwa bei größeren Unternehmen mit einem Betriebsrat ein Sozialplan fällig. "Mitarbeiter die lange im Betrieb sind oder viele Kinder haben sind besser vor der Kündigung geschützt", sagt Jutta Glock Rechtsanwältin aus Berlin. Nicht alle Leistungsträger erfüllen aber diese Kriterien. Wenn es hart auf hart geht, möchten viele Vorgesetzte so genannte Minderleister loswerden.

Was haben "Low Performer" jetzt zu befürchten? Es kommt auf die vertraglich geschuldete Arbeitsleistung an. Das Bundesarbeitsgericht entschied Anfang 2008 (BAG 2 AZR 536/06), dass Arbeitnehmer nur dann ihrer Pflicht genügen, wenn sie unter "angemessener Ausschöpfung ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit" arbeiten. Tun Sie das nicht, erfüllen sie ihre Pflicht zur Arbeitsleistung nur schlecht und gelten als Minderleister. Unter bestimmten Voraussetzungen ist das ein Kündigungsgrund.

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