Arbeitsrecht
Ohne Bluttest keine Karriere

Arbeitsrechtler, Datenschützer und Unternehmen streiten über Gesundheitschecks bei Bewerbern. Denn bisher gibt es zu Bluttests weder umfassende Vorschriften noch Rechtsprechung. Unternehmer verteidigen die Checks: Sie sollen dem Schutz des Arbeitnehmers dienen und die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers unterstützen.
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BERLIN. Zur Bewerbung reicht man normalerweise eine Mappe mit Lebenslauf und Arbeitsproben ein. Normalerweise deshalb, weil immer mehr Unternehmen dazu übergehen, auch einen Bluttest zu verlangen. Jüngste Beispiele sind der Autobauer Daimler oder die Fernsehsender NDR, WDR und BR, die eine Blutanalyse bei der neuen Einstellung von Mitarbeitern verlangen. Auch die Axel Springer AG verlangte bis 2008 teilweise Bluttests von Bewerbern, nahm aber dann Abstand davon.

„Gesundheitschecks bei Bewerbern, die hinterher auch tatsächlich eingestellt werden sollen, sind rechtlich in Ordnung“, sagt der Bonner Professor für Arbeitsrecht, Gregor Thüsing, dem Handelsblatt. Entscheidend sei aber die Frage, wie weit diese Untersuchungen gehen dürfen.

Weder Rechtsprechung, noch umfassende Vorschriften

Bisher gibt es zu Bluttests weder umfassende Vorschriften noch Rechtsprechung, heißt es in einem Zwischenbericht der Datenschutzbehörde in Baden-Württemberg, die in Kürze eine Stellungnahme über die Bluttests bei Daimler herausgeben will. Die Datenschützer wollen sich dann mit Kollegen aus anderen Bundesländern abstimmen, die ebenfalls Untersuchungen bei Unternehmen eingeleitet hätten.

Unter Arbeitsrechtlern, Datenschützern und Unternehmen wird in der Zwischenzeit heftig diskutiert, welche Untersuchungsergebnisse dem Arbeitgeber bekannt sein dürfen.

Lapidarer Hinweis genügt nicht

Laut Arbeitsrechtler Thüsing reicht der lapidare Hinweis vom Betriebsarzt auf einen Bluttest nicht aus. „Der Bewerber muss aufgeklärt werden, was der Arbeitgeber genau untersuchen will“, sagt Thüsing. Doch was der Arbeitgeber wissen darf, variiert von Beruf zu Beruf enorm.

Ein Verkehrspilot müsse sich in regelmäßigen Abständen einem Gesundheitscheck unterziehen, auch mit einem Blutbild. Davon hänge die Sicherheit der Passagiere ab. Ein Röntgenarzt oder eine Sekretärin dagegen müssten einer Untersuchung etwa auf HIV nicht zustimmen. Ein Chirurg aus nachvollziehbaren Gründen dagegen schon, sagt Thüsing. Kein Patient wolle sich bei Verdacht unter das Messer legen. Warum sich Rundfunkjournalisten beim NDR allerdings einem Bluttest unterziehen müssten, leuchte ihm nicht ein, sagt Thüsing.

Grundsätzlich spreche das Gesetz von „erforderlichen“ Untersuchungen, die zulässig seien. Was das im Einzelfall heißt, zeigten die Beispiele des Piloten, Röntgenarztes und der Sekretärin. Datenschutzexperten befürchten zudem, dass auch Informationen über Schwangerschaften oder Gendefekte erlangt werden könnten.

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Kommentare zu " Arbeitsrecht: Ohne Bluttest keine Karriere"

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  • @ yahel

    Natürlich, war etwas zuviel der Überspitzung. Hat sich etwas hochgeschauckelt.
    ist eben wie mit den Wessi oder dem Ossi. Die Welt ist nie schwarz oder weiß. Es besteht alles aus verschiedenen Farbtönen, und das ist o.K. so.

  • @ Denkerist (44)

    „Heute ist das im Osten anders; die Zimmer kosten nun 150€ (sind auch ein bischen saniert) ,die Angestellten bekommen 5€ die Stunde (Reinigungskräfte sind auf 400€basis) und der Chef kommt natürlich aus dem Westen.“

    Nun machen Sie mal halblang. ich kann mehrere beispiele von Hotels bringen, die fest in Händen Einheimischer sind bzw. deren Geschäftsführer Einheimischer ist. Die Hotels stellen eine Fülle Ausbildungsplätze zur Verfügung, haben eigene Unterhaltungsprogramme etc. für die Gäste, zum Teil mit hervorragendem Service. Reinigungskräfte sind heute in fast keinem Unternehmen fest angestellt. Reinigungsfirmen sorgen für Sauberkeit, selbst in öffentlichen Verwaltungen.

  • @ AuerKarl
    "DEN Teil der Marktwirtschaft hatten die meisten schnell kapiert (O:) "

    schnell abgeschaut; was nicht heißt das ich das gut
    finde!

    Heute ist das im Osten anders; die Zimmer kosten nun 150€ (sind auch ein bischen saniert) ,die Angestellten bekommen 5€ die Stunde (Reinigungskräfte sind auf 400€basis) und der Chef kommt natürlich aus dem Westen.

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