Arbeitsrecht Ohne Bluttest keine Karriere

Arbeitsrechtler, Datenschützer und Unternehmen streiten über Gesundheitschecks bei Bewerbern. Denn bisher gibt es zu Bluttests weder umfassende Vorschriften noch Rechtsprechung. Unternehmer verteidigen die Checks: Sie sollen dem Schutz des Arbeitnehmers dienen und die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers unterstützen.
  • Thomas Sigm
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Aderlass um an den Job zu kommen: Der Arbeitgeber muss genau sagen, was er untersucht. Quelle: dpa

Aderlass um an den Job zu kommen: Der Arbeitgeber muss genau sagen, was er untersucht.

(Foto: dpa)

BERLIN. Zur Bewerbung reicht man normalerweise eine Mappe mit Lebenslauf und Arbeitsproben ein. Normalerweise deshalb, weil immer mehr Unternehmen dazu übergehen, auch einen Bluttest zu verlangen. Jüngste Beispiele sind der Autobauer Daimler oder die Fernsehsender NDR, WDR und BR, die eine Blutanalyse bei der neuen Einstellung von Mitarbeitern verlangen. Auch die Axel Springer AG verlangte bis 2008 teilweise Bluttests von Bewerbern, nahm aber dann Abstand davon.

„Gesundheitschecks bei Bewerbern, die hinterher auch tatsächlich eingestellt werden sollen, sind rechtlich in Ordnung“, sagt der Bonner Professor für Arbeitsrecht, Gregor Thüsing, dem Handelsblatt. Entscheidend sei aber die Frage, wie weit diese Untersuchungen gehen dürfen.

Weder Rechtsprechung, noch umfassende Vorschriften

Bisher gibt es zu Bluttests weder umfassende Vorschriften noch Rechtsprechung, heißt es in einem Zwischenbericht der Datenschutzbehörde in Baden-Württemberg, die in Kürze eine Stellungnahme über die Bluttests bei Daimler herausgeben will. Die Datenschützer wollen sich dann mit Kollegen aus anderen Bundesländern abstimmen, die ebenfalls Untersuchungen bei Unternehmen eingeleitet hätten.

Unter Arbeitsrechtlern, Datenschützern und Unternehmen wird in der Zwischenzeit heftig diskutiert, welche Untersuchungsergebnisse dem Arbeitgeber bekannt sein dürfen.

Lapidarer Hinweis genügt nicht

Laut Arbeitsrechtler Thüsing reicht der lapidare Hinweis vom Betriebsarzt auf einen Bluttest nicht aus. „Der Bewerber muss aufgeklärt werden, was der Arbeitgeber genau untersuchen will“, sagt Thüsing. Doch was der Arbeitgeber wissen darf, variiert von Beruf zu Beruf enorm.

Ein Verkehrspilot müsse sich in regelmäßigen Abständen einem Gesundheitscheck unterziehen, auch mit einem Blutbild. Davon hänge die Sicherheit der Passagiere ab. Ein Röntgenarzt oder eine Sekretärin dagegen müssten einer Untersuchung etwa auf HIV nicht zustimmen. Ein Chirurg aus nachvollziehbaren Gründen dagegen schon, sagt Thüsing. Kein Patient wolle sich bei Verdacht unter das Messer legen. Warum sich Rundfunkjournalisten beim NDR allerdings einem Bluttest unterziehen müssten, leuchte ihm nicht ein, sagt Thüsing.

Grundsätzlich spreche das Gesetz von „erforderlichen“ Untersuchungen, die zulässig seien. Was das im Einzelfall heißt, zeigten die Beispiele des Piloten, Röntgenarztes und der Sekretärin. Datenschutzexperten befürchten zudem, dass auch Informationen über Schwangerschaften oder Gendefekte erlangt werden könnten.

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46 Kommentare zu "Arbeitsrecht: Ohne Bluttest keine Karriere"

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  • @ yahel

    Natürlich, war etwas zuviel der Überspitzung. Hat sich etwas hochgeschauckelt.
    ist eben wie mit den Wessi oder dem Ossi. Die Welt ist nie schwarz oder weiß. Es besteht alles aus verschiedenen Farbtönen, und das ist o.K. so.

  • @ Denkerist (44)

    „Heute ist das im Osten anders; die Zimmer kosten nun 150€ (sind auch ein bischen saniert) ,die Angestellten bekommen 5€ die Stunde (Reinigungskräfte sind auf 400€basis) und der Chef kommt natürlich aus dem Westen.“

    Nun machen Sie mal halblang. ich kann mehrere beispiele von Hotels bringen, die fest in Händen Einheimischer sind bzw. deren Geschäftsführer Einheimischer ist. Die Hotels stellen eine Fülle Ausbildungsplätze zur Verfügung, haben eigene Unterhaltungsprogramme etc. für die Gäste, zum Teil mit hervorragendem Service. Reinigungskräfte sind heute in fast keinem Unternehmen fest angestellt. Reinigungsfirmen sorgen für Sauberkeit, selbst in öffentlichen Verwaltungen.

  • @ AuerKarl
    "DEN Teil der Marktwirtschaft hatten die meisten schnell kapiert (O:) "

    schnell abgeschaut; was nicht heißt das ich das gut
    finde!

    Heute ist das im Osten anders; die Zimmer kosten nun 150€ (sind auch ein bischen saniert) ,die Angestellten bekommen 5€ die Stunde (Reinigungskräfte sind auf 400€basis) und der Chef kommt natürlich aus dem Westen.

  • @ piano man

    Wir hatten das Thema hier ja schon, als Einige hier... noch ganz anders hießen... (o:)
    Auf unseren ersten Geschäftsreisen in die "DDR" im Frühjahr 1990 haben mein Vater und ich damals betriebe, Zustände, geradezu unglaubliche, menschenunwürdige Arbeitsbedingungen erlebt, die jeder beschreibung spotteten! Die meisten betriebe sahen aus wie zum Abbruch freigegeben, technische Anlagen in absolut schrottreifem, teilweise extrem umweltschädigendem Zustand, wir wunderten uns manchmal, wie die da überhaupt noch arbeiten konnten.

    Es gab kaum Hotelzimmer, damals wußten viele unserer Kunden zwar noch nicht den Unterschied zwischen "unfrei"-Lieferung und "Frei Haus", aber wie man aus einer heruntergekommenen, von Tauben zugeschi**enen Wanzenbude mit notdürftig reparierten Fenstern über Nacht ein Hotelzimmer für DM 150.- macht, weil der bedarf nun mal da war, DEN Teil der Marktwirtschaft hatten die meisten schnell kapiert (O:)
    DiE haben heute die große Fresse und beschweren sich, daß zu viel schiefgelaufen sei...!
    Unglaublich aber wahr...!

  • @ AuerKarl

    trotz ihrer, etwas gewöhnlichen Artikulation, ( "ne große Schnauze haben ...) möchte ich ihnen zu ihrer beruhigung mitteilen, dass ich erst seit der Wende arbeite und meine Rente deshalb selbst erarbeiten werde.
    Weiterhin erarbeite ich auch versicherungsfremde Abgaben, die aus dieser Rentenkasse bezahlt werden, z.b. an Opfer des Holocaust. (Was ich an sich schon in Ordnung finde, mir jedoch auch eine Finanzierung aus Steuermitteln und nicht aus den Rentengeldern der beitragszahler gerechter erscheint) .

    @ Tom

    den zustand von Leuna möchte ich nicht anders beschreiben, mir geht es hierum:
    http://www.zeit.de/2006/46/Leuna

  • @ AuerKarl

    "Der größte Teil der industrieanlagen in der "DDR" war 1990 wahrscheinlich überhaupt nichts mehr wert, sondern SCHROTT!! "

    So sieht das aus! Das ganze Wirtschaftssystem war Schrott. Und gemessen daran und gemessen an anderen Teilen des ehemaligen Ostblocks sind die NbL jetzt wahrlich blühende Landschaften. Es k***zt mich wirklich an, mir als jemand, der in den letzten 20 Jahren unglaubliche beträge für den "Aufbau Ost" in das Steuer- und Sozialsystem eingezahlt hat (und dazu anfänglich auch gerne bereit war), jetzt dieses Gejammere anhören zu müssen, wie toll doch in der "DDR" alles war und wie schlecht und ungerecht jetzt alles ist.

    Wertvolle industriebetriebe in der "DDR" oder ähnliches - da beschlägt mir echt die brille ...

  • ja, in der tat. zu dieser zeit arbeitete ich in der chemie. als wir in leuna den bus verlassen haben glaubenten wir einen bombenangriff nur knapp entgangen zu sein.
    wirtschaftlich hätte es wirklich sinn gemacht alles abzureißen und wieder neu aufzubauen. allein die westliche umweltgesetzgebung hätte diese produktionsanlagen sofort geschlossen !!!
    keine dieser anlagen war auch nur einen pfennig wert.

  • Der größte Teil der industrieanlagen in der "DDR" war 1990 wahrscheinlich überhaupt nichts mehr wert, sondern SCHROTT!! Da wäre in den meisten Fällen selbst die "Symbolische 1 DM" noch zuviel gewesen. Da werden nicht wenige auf den Entsorgungskosten sitzengeblieben sein.
    Es ist wirklich eine Unverfrorenheit sondershausen, wenn Leute, die in das Rentensystem keinen Pfennig einbezahlt haben und trotzdem daraus alimentiert werden, jetzt noch "ne große Schnauze haben und Vorwürfe erheben!

  • Genau Solidarität der Menschen, die in diese Kassen eingezahlt habe.
    Und genau die sind es nicht, die von dem Anschluss des Ostens profitierten.
    Außen vor bleiben bei den Rentenkassen beamte, Selbständige und Politiker.

    Dies sollte man unterstreichen. Die Übernahme der fehlenden beiträge durch Steuern wären der bessere Weg gewesen.
    Die Gelder dafür hätten aus dem Verkauf der Ostbetriebe kommen können. Erinnern sie sich an den Leuna-Verkauf? Für 0 Euro verschachert obwohl es weitaus mehr wert war. Derartige beispiele gibt es viele.

  • @ piano man (36)

    "Freuen Sie sich einfach jeden Tag über die gelungene und gelebte gigantische Solidarität in diesem Land."

    Ganz dick unterstrichen!!!!!!!!!!!

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