Arbeitsrecht
Wenn das gute Gewissen den Job kostet

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Wann Mitarbeiter den Job riskieren


Allerdings haben Mitarbeiter auch keinen Freibrief, Anzeigen gegen den eigenen Arbeitgeber zu erstatten. Das Bundesarbeitsgericht fordert, dass kritische Mitarbeiter zunächst eine innerbetriebliche Lösung suchen sollen – allerdings eben auch nur soweit es ihnen zumutbar ist.

Der vermeintlich nächste Weg zur Öffentlichkeit, der gang zur Presse, birgt große Risiken. Wenn bekannt wird, wer die Information lanciert hat, riskiert wegen betriebsuntreuem Verhalten fast immer eine fristlose Kündigung. „Die Vorabinformation von Journalisten ist bei Gerichten nicht gern gesehen und kann nur letztes Mittel zum Zweck sein“, sagt Abeln.

Wenn Geheimnisträger innerhalb des Betriebes nicht weiterkommen, ist es besser eine Anzeige zu erstatten. Ob bei Polizei oder Staatsanwaltschaft hängt von der Tat ab. Erfahrungsgemäß beginnt die Polizei schon bei einem etwas geringeren Anfangsverdacht zu ermitteln als die Staatsanwaltschaft. Handelt es sich dagegen aber um komplizierte Wirtschaftsstraftaten, ist es häufig besser, gleich die Staatsanwaltschaft mit einer umfassenden Anzeige einzuschalten.

Kollegen informieren

Mitarbeiter sollten Interna aber erst dann nach außen geben, wenn sie absolut sicher sind, dass sie im Unternehmen nicht weiterkommen. Im Idealfall sollten sie die Missstände zunächst intern ansprechen. Dabei ist es wichtig, den richtigen Ansprechpartner zu finden. „Es gab Fälle in großen deutschen Konzernen, die fristlose Kündigungen aussprachen, nur weil der Mitarbeiter nicht wie vorgeschrieben den direkten Vorgesetzten, sondern unmittelbar den Vorstand informierte“, sagt Abeln.

Gerade in größeren Unternehmen sind häufig die Compliance- oder interne Revisionsabteilung die richtigen Ansprechpartner. Trotz großer innerer Anspannung sollten Mitarbeiter immer die Ruhe behalten und strategisch denken. Beleidigungen und Drohungen machen Mitarbeiter angreifbar. Provokationen des Arbeitgebers sollten ignoriert werden. „Bei vermeintlichen Ausfällen oder Nötigungen drohen fristlose Kündigungen“, sagt Abeln.

Viele Whistleblower vertrauen darauf, dass die Öffentlichkeit sie schützen wird, wenn der Skandal erst einmal bekannt wird. Doch das halten Experten für einen Trugschluss. Viele Geschichten seien zu kompliziert zu recherchieren und würden so nie an die Öffentlichkeit kommen.

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Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur

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