Arbeitsrecht: Wenn der Auslandsjob zum Karrierekiller wird

Arbeitsrecht
Wenn der Auslandsjob zum Karrierekiller wird

Eine Station im Ausland ist für Führungskräfte Pflicht. Doch nicht alle Entsendungen sind auch ein Karrieresprungbrett. Was Führungskräfte bei der Absicherung im Ausland beachten müssen und wo Jobrisiken drohen.
  • 0

DüsseldorfWie wichtig die Absicherung von Führungskräften bei der Entsendung ins Ausland sein kann, zeigt der Fall eines Managers der mittleren Ebene, der mit seiner Familie nach China musste. Als die Geschäfte stockten und das Unternehmen sparen wollte, kündigte der Chef alle Verträge. Neben dem Vertrag mit einem chinesischen Tochterunternehmen besaß der Mitarbeiter auch noch seinen deutschen Arbeitsvertrag und einen Entsendungsvertrag.

Noch aus Fernost schaltete der Betroffene einen Anwalt ein, der innerhalb von zwei Wochen Kündigungsschutzklage erhob. Er hatte Erfolg, weil eine Beschäftigung in Deutschland möglich war und keine betriebsbedingten Gründe für die Kündigung vorlagen. Er musste in einer gleichen Führungshierarchie in Deutschland beschäftigt werden. „Andere Mitarbeiter machen aber vor der Entsendung vertragliche Fehler und stehen dann ohne jeden Anspruch da“, sagt Christoph Abeln, Inhaber der gleichnamigen Berliner und Frankfurter Kanzlei mit Spezialgebiet Arbeitsrecht.

Dabei ist eine Station im Ausland für die meisten Führungskräfte Pflicht. "Zum einen planen viele Unternehmen die Expansion in prosperierende Auslandsmärkte“, sagt Tiemo Kracht, Geschäftsführer der Kienbaum Executive Consultants. „Zum anderen wird das Führen multinationaler Teams immer bedeutsamer.“

Aufstiegschancen nutzen

Besonders gut sind die Chancen derzeit in den sogenannten BRIC-Ländern: Brasilien, Russland, Indien oder China sind für viele Unternehmen strategisch wichtig und locken mit hohen Wachstumszahlen. „Noch immer sind die Reintegrationspläne in die Heimat nicht überall professionell“, sagt Kracht. Die Netzwerkpflege im heimischen Konzern ist aus Mumbai oder Shanghai eben nicht so leicht wie in der Zentrale.

Führungskräfte sollten daher immer vor Abreise auf einen Integrationsplan bestehen, der nach drei bis vier Jahren die Rückkehr und am besten auch die Funktion regelt. „Zusätzlich müssen sich die Entsandten regelmäßig in der Zentrale für Top-Positionen in Stellung bringen“, sagt Kracht. Sei es durch regelmäßige Kontakte zu den entscheidenden Personen und die fein dosierte Kommunikation ihrer Leistungsergebnisse.

Noch wichtiger als die Planung der Rückkehr ist die Wahl des richtigen Landes. In Europa droht wegen der Staatsschuldenkrise in vielen Ländern reduziertes Wachstum und damit ein schlechteres Geschäft. Außerdem gibt es in fast jedem Unternehmen Organisationseinheiten, die intern nicht so wichtig sind oder wo Leitende wegen mangelnder Markt- und Gestaltungsmacht oder Unterstützung aus der Zentrale keine Chance haben.

„Führungskräfte sollten strategisch-besonnen agieren und Sackgassen meiden“, sagt Kracht. Nicht jede Beförderung ist auch im wahrsten Sinne weiterführend. Zwei bis drei Mal ließen sich schlechte Angebote in der Regel ohne Gesichtsverlust ablehnen.

Absolut entscheidend für einen gelungenen Auslandsaufenthalt sind die passenden Rahmenbedingungen. Dazu zählen vor allem der Arbeitsvertrag, aber auch Krankenversicherung und Rückkehrplan.

Lesen Sie auf den nächsten Seiten, was Führungskräfte bei Auslandsentsendungen beachten müssen.

Kommentare zu " Arbeitsrecht: Wenn der Auslandsjob zum Karrierekiller wird"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%