Skurriles Arbeitsrecht
Die Unkündbaren

In kaum einem Land sind Arbeitnehmer so gut vor einen Jobverlust geschützt wie in Deutschland. Einige Berufsgruppen profitieren von skurrilen Privilegien. Wer trotz schwacher Leistung nicht um seinen Job bangen muss.
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Der amerikanische Mandant ist verstört. Eigentlich hatte er von seinem Anwalt nur kurz wissen wollen, wie man in Deutschland Mitarbeiter einstellt. Und wie man sie wieder loswird. Nun lauscht er bereits seit einer Stunde den Ausführungen des Juristen – und versteht die Welt nicht mehr. „Es gibt Leute, die ich nicht rauswerfen darf – auch wenn ich keine Verwendung mehr für sie habe?“

Was für Amerikaner, aber auch für die Nachbarn aus Dänemark oder der Schweiz kaum nachzuvollziehen ist, gehört in Deutschland zu den wichtigsten Prinzipien des Arbeitsrechts: der umfassende Schutz vor Kündigungen. Unternehmen – von Kleinstbetrieben mit bis zu fünf Angestellten einmal abgesehen – brauchen stets einen triftigen Grund, um einen Mitarbeiter zu entlassen.

Nicht einmal in Krisenzeiten haben die Verantwortlichen beim Personalabbau freie Hand. Wer besonders wichtig ist (und wer entbehrlich), interessiert nur am Rande. Das Gesetz gibt für betriebsbedingte Kündigungen andere Maßstäbe vor. Die sogenannte Sozialauswahl.

Nach deren Maßgabe müssen in schwierigen Zeiten immer erst jene Kollegen gehen, die den Verlust des Arbeitsplatzes am ehesten verschmerzen können – etwa, weil sie noch nicht besonders lange dabei sind, oder weil sie keine Familie zu ernähren haben. Allerdings gilt auch hier: keine Regel ohne Ausnahme. Selbst Singles oder Mitarbeiter mit einer vergleichsweise kurzen Betriebszugehörigkeit haben gute Chancen, ihren Job zu behalten – vorausgesetzt, sie gehören zu einer Personengruppe, die der Gesetzgeber als besonders schutzbedürftig eingestuft hat. Schwangere, Schwerbehinderte oder Betriebsräte etwa genießen von jeher einen besonderen Kündigungsschutz. Gleiches gilt für Arbeitnehmer in der Elternzeit.

Bei diesen Klassikern hat es der Gesetzgeber aber nicht bewenden lassen. In den vergangenen Jahren hat er zahlreiche weitere Personengruppen einem besonders umfangreichen Kündigungsschutz unterstellt. Dabei stehen die Sonderrechte der betrieblichen Gewässerschutzbeauftragten oder der interne Datenschutzbeauftragten den althergebrachten Vergünstigungen in nichts nach. Im Gegenteil. Handelsblatt Online erklärt, wen der Gesetzgeber besonders protegiert – und wo der Sonderkündigungsschutz Grenzen hat.

Kommentare zu "Die Unkündbaren"

Alle Kommentare
  • ..."skurrilen Privilegien"...

    Hat uns je irgendjemand gefragt?

    Niemand hatte uns gefragt!

  • pervers ist der Kündigungsschutz für BEAMTE! Und Krankschreibung bei vollem Lohnausgleich-zeitlich unbegrenzt.Dann die üppige Pension.In der Statistik werden die pensionierten Beamten durchschnittlich 3 Jahre älter als gewöhnliche Malocher.Abwarten, wann der Kessel hochfliegt.

  • Kein Arbeitnehmer auf der Welt wird einen Amtseid ableisten müssen für diese skuril wirkenden Arbeitnehmenverhältnisse.

    Aber die Beamten sind Schuld.

    Auf irgendjemandem muß man ja herumtreten um seiner Geldgier irgendwie einen Ausdruck zu verleihen.

    Ein Beamter, früher in der Deutschen Bank nannte man das Bankbeamter...


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die KEHRSEITE des Kündigungs-"Schutzes" ist was viele verschweigen bzw. nicht kapieren: Wenn ein Unternehmen von Anfang an weiß, daß man einen Angestellten nicht mehr so leicht "los wird", dann passen sie übermässig genau auf, bevor sie einen einstellen - es wird versucht, praktisch eine "Garantie" zu bekommen, daß der neue Mitarbeiter produktiv und gewinnbringend arbeitet, "Experimente" nach dem Motto "schauen wir mal ob der was taugt" gibt es dann nicht mehr.
    Der Sozialismus in dessen Sumpf sich unsere Wirtschaft befindet, ist unser Ruin, und das schlimmste daran ist, daß es niemand zugeben will.

  • Als mein Cousin Horst eine Professur bekam, meinte er, nun kann man mich wegen erwiesener Dummheit nicht mehr entlassen.
    Auch er war der Meinung,daß das Beamtentum nicht in unsere Zeit paßt,weil Fehlverhalten menschlich ist und nicht durch einen Status behoben werden kann.
    Mir ist eine bessere Bezahlung lieber als ein Dauerunglück.

  • Zugeben bedeutete Einsichtsbereitschaft: sowas kann man nicht erwarten: erwarten kann man: das ist mein Geld.
    und das erfüllt dieser drecksladen ja geradezu exemplarisch.
    ob irgendeinen Alien sowas interessieren könnte, das steht auf einem ganz andern Blatt.

  • Menschsein ist kein Privileg,sondern reiner Zufall.

  • Das eigentliche Problem mit der Unkündbarkeit liegt schlichtweg darin daß manche Menschen derartige Privillegien heute nicht als Privilleg und Verpflichtung begreifen sondern als Narrenfreiheit. Da werden dann "kleine Beamte" schnell zu Göttern. Früher bekam man das als Bürger schon zu spüren wenn man nur einen schnöden Telephonanschluß beantragte. Ob da was ging war eine Frage der Gemütslage Dejenigen bei dem man den Antrag stellte. Ich habe noch in das Ablehnungsschreiben der Telekom aus den frühen 1990igern vor Augen in dem man uns mit Bedauern mitteilt daß derzeit in unserer Gegend aus technischen Gründen kein neuer Telephonanschluß möglich sei. Möglich wurde er dann weil Einer aus unserer WG zufällig einen Techniker bei der Post kannte der sich für uns einsetzte... Hurra! DDR-Feeling auch in Westdeutschland.
    An Schulen haben wir Derartiges (nur mit gravierenderen Folgen) auch heute noch. Da heißt es schön kuschen vor den Lehrern damit deren Beurteilung und Noten auch ja für´s Gymnmasium für den Filius ausreichen. Und das vor einer Nase die sich selbst geburnoutet und überlastet fühlt obwohl sie in Sachen Freizeitaktivitäten jeden Rentner vor Neid erblassen läßt. Da denkt man sich dann doch daß etwas weniger Unkündbarkeit und Sicherheit doch auch einen wertvollen Beitrag zur Leistungsbereitschaft leistet.
    Gerade an der Schule: Die einzige die sich wirklich anstrengen sind die noch nicht verbeamtenten Refenderare und Assessoren. Aber wahrscheinlich auch nur weil das lockere Beamtenleben lockt.

  • ich mag beamtenbashing nun gleich garnicht vermutlich weil ich kein Beamter bin.
    Das ist immer so leicht auf dem Personal herumzutreten.
    Dass es mir fast schon rigendwie wiederwärtig erscheinen möchte.

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