Bankgebühr

Banken langen am Geldautomaten zu

Commerzbank, Deutsche Bank und Postbank verlangen bei Barabhebungen am Geldautomaten künftig mehr Geld von Kunden anderer Institute. Unterstützung bekommen sie von unerwarteter Seite.
Update: 08.07.2015 - 14:48 Uhr Kommentieren
Maximal 1,95 Euro stellt die Postbank Kunden anderer Institute bislang in Rechnung, wenn sie ihr Bargeld am Automaten ziehen. Künftig wird es deutlich mehr sein. Quelle: Imago
Postbank-Geldautomat

Maximal 1,95 Euro stellt die Postbank Kunden anderer Institute bislang in Rechnung, wenn sie ihr Bargeld am Automaten ziehen. Künftig wird es deutlich mehr sein.

(Foto: Imago)

BerlinWer kein Konto bei einer privaten Bank hat und die Geldautomaten von Deutscher Bank, Postbank oder Commerzbank nutzen will, muss künftig mehr berappen. Die bisherige Deckelung bei 1,95 Euro haben die Institute aufgekündigt. Bankkunden innerhalb der Cash Group, zu der neben den drei genannten Banken auch die Hypo-Vereinsbank (HVB) gehört, sind davon nicht betroffen.

„Wir können auf Dauer für Fremdabhebungen keinen Preis nehmen, der deutlich unter dem unserer Wettbewerber liegt“, begründete ein Sprecher der Commerzbank die Vorgehensweise. Zum 1. Oktober müssen beispielsweise Sparkassenkunden 3,90 Euro für das Nutzen von Commerzbank-Automaten ausgeben.

Ob sich die Gebühren für Nichtkunden auch bei der Deutsche Bank verdoppeln werden, ist noch nicht klar. „Die Kündigung erfolgte vorsorglich, um der Bank im Hinblick auf ihre Preisgestaltung künftig eine höhere Flexibilität zu ermöglichen“, erklärte ein Sprecher des größten deutschen Instituts. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei noch keine Entscheidung über eine künftige Preisgestaltung gefallen.

Doch es dürfte dabei nur eine Richtung geben. Schließlich, so ein Sprecher der Postbank, seien in der Zwischenzeit die Kosten der Liquiditätsversorgung gestiegen. Und die Niedrigzinsen führen dazu, dass derzeit alle Banken dabei sind, potenzielle Erlöspotenziale zu identifizieren.

Die zehn fiesesten Bankgebühren
Bearbeitungsgebühren für Kreditkunden
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Viele Kreditinstitute haben zu Unrecht Bearbeitungsgebühren von ihren Kreditkunden kassiert: Der Bundesgerichtshof (BGH) erklärte die Gebühren bei Ratenkrediten im Mai und Oktober 2014 für rechtswidrig. Die Kreditinstitute müssen die Bearbeitungsgebühren erstatten. Viele Institute weigern sich dennoch, die Gebühren zurückzubezahlen. Verjährt sind Bearbeitungsgebühren, die Kunden vor 2012 gezahlt und nicht moniert haben.

Überweisungsgebühren der Postbank
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Die Postbank verlangt seit dem 1. Mai 2015 99 Cent für jeden schriftlichen Auftrag ihrer Kunden. Online- oder Telefonaufträge bleiben gebührenfrei. Auch andere Kreditinstitute verlangen mehr Geld für Aufträge in Papierform. Die Schutzgemeinschaft für Bankkunden hält die Gebühr für rechtswidrig und klagt dagegen – im Erfolgsfall dürfen sich die Kunden über eine Rückerstattung freuen.

Preis pro Buchungsposten
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Viele Banken, besonders Volksbanken und Sparkassen, haben in der Vergangenheit einen „Preis pro Buchungsposten“ erhoben. Anfang 2015 hatte der Bundesgerichtshof dies für rechtswidrig erklärt, weil nicht nur übliche Kontobewegungen zu „Buchungsposten“ zählen, sondern etwa auch Korrekturen von Fehlern, die das Kreditinstitut zu verantworten hat. Betroffene Kunden können diese Gebühren zurückfordern, allerdings muss in den Geschäftsbedingungen wörtlich „Preis pro Buchungsposten“ stehen. Die Forderung verjährt erst nach drei Jahren.

Verzugskosten bei Kredittilgung
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Bankkunden, die Kreditraten oder andere Verpflichtungen nicht fristgerecht bezahlen, müssen den Kreditinstituten einen Ersatz für den Schaden zahlen, den sie durch den Verzug erleiden. Der steht den Instituten auch zu – allerdings müssen diese sich an den tatsächlichen Kosten orientieren, die durch den Verzug entstehen. Banken verlangen aber zum Teil mehr, selbst wenn nur kleine Beträge nicht fristgerecht eingehen. Falls Sie davon betroffen sind, sollten Sie mit ihrer Bank sprechen oder sich an Beschwerdestellen oder Verbraucherzentralen wenden.

Pauschalgebühr für das Überziehen des Dispolimits
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Viele Banken räumen ihren Kunden ein Limit ein, bis zu dem sie ihr Girokonto überziehen dürfen. Es ist aber nicht empfehlenswert, diese Dispokredite zu nutzen, denn die Zinsen sind oft hoch. Einige Banken wie Deutsche Bank, Norisbank und Targobank verlangen sogar einen Mindestbetrag für eine geduldete Überziehung. Selbst ein Minibetrag im Minus wird zur Kostenfalle, falls der Kunde keinen Dispo besitzt. Das Oberlandesgericht Frankfurt erklärte das für rechtswidrig, die Deutsche Bank hat Revision eingelegt. Kunden, die mit der Gebühr konfrontiert werden, sollten diese unter Vorbehalt stellen.

Gebühren für Ein- und Auszahlungen und das Zählen von Kleingeld
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Nach neuer Lesart ist eine Ein- oder Auszahlung ein „Zahlungsdienst“. Banken sind außerdem dazu verpflichtet, Münzen auf Echtheit und Zustand zu überprüfen – auch dafür dürfen sie Gebühren erheben. Dagegen können Kunden wenig tun: Es lohnt sich aber, bei der Bank nachzufragen, ob sie etwas dafür verlangt – und wenn ja, wie viel.

Gebühren für geplatzte Lastschriften
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Früher durften Banken kein Geld dafür nehmen, wenn sie Kunden über eine geplatzte Lastschrift informierten – das hat sich mit der Einführung des einheitlichen Sepa-Systems geändert. Betroffenen sind weitestgehend die Hände gebunden – sofern sich die Banken an den tatsächlichen Kosten orientieren. Ein ausreichend gedecktes Konto ist also durchaus lohnenswert.

Für Insider kommt der Schritt einiger private Banken nicht überraschend. Denn ihr Kalkül ist schlicht nicht aufgegangen. Vor fünf Jahren verständigten sich die privaten Institute darauf, Fremdkunden außerhalb der Cash Group einheitlich 1,95 Euro bei Bargeldabhebungen in Rechnung zu stellen. Die Hoffnung dahinter: Dass Sparkassen und Volksbanken, die mit Abstand über die meisten Geldautomaten in Deutschland verfügen, nachziehen und ihre Gebühren senken würden. Diese Hoffnung trog allerdings. In der Branche wird geschätzt, dass die durchschnittlichen Sparkassen-Entgelte bei Bargeldabhebungen von Fremdkunden zwischen 3,50 Euro und 4,50 Euro liegen. Ausreißer nach oben von 7,50 Euro gibt es allerdings auch.

„Für Sparkassenkunden ist die Entscheidung der privaten Banken völlig irrelevant, da sie an über 25.000 Geldautomaten kostenlos Bargeld abheben können“, sagte ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. „Wir können es aber durchaus nachvollziehen, dass auch die privaten Banken zunehmend feststellen, dass Dienstleistungen aufwands- und marktgerecht bepreist werden sollten“, sagte der Sprecher weiter. Allerdings hält sich die Überschneidung wohl in Grenzen. „98 Prozent der Bargeldtransaktionen werden von den höheren Entgelten nicht betroffen sein“, heißt es bei einer privaten Bank.

Verbraucherschützer bringen sogar Verständnis für die Deutsche Bank, Postbank und Commerzbank auf. „Es ist zwar ärgerlich, aber verständlich, wenn diese Institute ihre Preise anpassen“, kommentiert Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen die Entscheidung. Sparkassen und Volksbanken müssten jetzt ihre Gebührenpolitik ändern, fordert Mohn.

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