Bankia vor Gericht

Spanisches Geldhaus entschädigt Anleger mit 1,2 Milliarden Euro

190.000 Kleinanleger erwartet eine Milliarden-Entschädigung: Die spanische Bankia habe Investoren beim Börsengang in die Irre geführt, sagt der Oberste Gerichtshof in Spanien. Doch 30.000 Fälle sind noch zu klären.
Update: 19.05.2016 - 19:33 Uhr
„Schwerwiegende Ungenauigkeiten“ in den veröffentlichten Finanzdaten hätten Anleger in die Irre geführt, so das Urteil des Gerichts. Quelle: Reuters
Bankia-Geldautomaten in Madrid

„Schwerwiegende Ungenauigkeiten“ in den veröffentlichten Finanzdaten hätten Anleger in die Irre geführt, so das Urteil des Gerichts.

(Foto: Reuters)

MadridDie spanische Bank Bankia hat 1,2 Milliarden Euro an mehr als 190.000 Kleinanleger gezahlt, weil sie sie beim Börsengang 2011 über ihre finanzielle Lage getäuscht hatte. Bankia entschloss sich im Februar zu dem Schritt. Zuvor hatte der oberste spanische Gerichtshof bestätigt, dass die Anleger beim Börsengang in die Irre geführt worden waren. Für die Entschädigungen hatte Bankia 1,8 Milliarden Euro zurückgelegt. Weitere 30.000 Fälle müssten noch geregelt werden, erklärte die Bank am Donnerstag.

Bankia war aus einer Fusion von sieben Sparkassen entstanden und musste knapp ein Jahr nach dem Börsengang mit rund 23 Milliarden Euro vom spanischen Staat gerettet werden. Ermittler prüfen nun die Rollen des Ex-Chefs der Bank, Rodrigo Rato, 32 weiterer Ex-Manager sowie der Wirtschaftsprüfer von Deloitte, die die Bücher von Bankia geprüft hatten.

Worüber sich Bankkunden bei der Finanzaufsicht beschweren
Beschwerde bei der Bafin
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Eigentlich kontrolliert sie Banken, Versicherungen und Wertpapier-Emittenten, um die Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten. Doch gelegentlich wenden sich auch Verbraucher an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), wenn sie sich von einem Institut ungerecht behandelt fühlen. Im vergangenen Jahr gingen 5636 Verbraucherbeschwerden bei den Bafin-Aufsehern ein, wie der Jahresbericht der Behörde für 2015 ausweist. Die häufigsten und interessantesten Fälle im Folgenden.

Kreditbearbeitungsgebühren
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Viele Bankkunden beschwerten sich im vergangenen Jahr über Kreditbearbeitungsgebühren. 2014 hatte der Bundesgerichtshof (BGH) derartige Gebühren für unzulässig erklärt – und den Banken eine Rückerstattung für den Zeitraum bis 2004 auferlegt. Die Verbraucher bemängelten zumeist, dass die Rückzahlungen zu lange auf sich warten ließen. Während einige Institute zügig Geld zurück zahlten, gingen bei anderen Banken mehrere Monate ins Land.

Gewerbekredite
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Unklarheit herrschte in dieser Angelegenheit auch darüber, inwiefern die Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH) auch für Gewerbekredite oder Förderdarlehen gilt. Der BGH erklärte lediglich pauschale Gebühren für unzulässig, die unabhängig vom Bearbeitungsaufwand des Kreditantrags erhoben werden. Allerdings könne die Bafin nicht im Interesse einzelner Kunden tätig werden und deren Verträge prüfen, so die Aufseher in ihrem Bericht.

Kündigung von Bausparverträgen
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Wer einen Bausparvertrag abschließt, spart in der Regel, um ein Haus zu bauen. Doch manch einer „überspart“ seinen Vertrag, indem er über die vereinbarte Summe hinaus Geld einzahlt. In Zeiten niedriger Zinsen bedeutet das oft ein Verlustgeschäft für das betroffene Institut, das den Vertrag dann in der Regel kündigt. Für viele Verbraucher war das 2015 ein Grund, sich bei der Bafin zu melden. Die Aufseher schreiben jedoch in ihrem Bericht, dass die Institute rechtmäßig handelten – sei die Bausparsumme erreicht, bestehe kein Recht mehr auf, sich ein Bauspardarlehen auszahlen zu lassen.

Verkauf einer kreditfinanzierten Immobilie
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Daneben ging im vergangenen Jahr auch eine Reihe von Einzelfällen bei der Bafin ein. So beschwerte sich etwa ein Hausbesitzer, der seine Immobilie per Darlehen einer Bank finanzierte. Weil er das Haus noch während der Laufzeit verkaufen wollte, einigte er sich mit seiner Bank darauf, statt des Hauses ein verpfändetes Kontoguthaben als Sicherheit zu hinterlegen. Als der Kunde jedoch den Darlehensvertrag vorzeitig beenden wollte, verlangte die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung. Das Problem: Eine solche Vorfälligkeitsentschädigung ist nur zu zahlen, wenn es sich um ein grundpfandrechtlich gesichertes Darlehen handelt – und nicht etwa um ein verpfändetes Konto. Nach Intervention der Bafin verzichtete die Bank auf die Entschädigung.

Aufregung um einen Cent
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Kurios auch der Fall des Bankkunden, der sich wegen einer Abbuchung in Höhe von 0,01 Euro bei der Bafin beschwerte: Weil eine Überweisung nicht durchgeführt werden konnte, versuchte sich eine Bank an einer schnellen, aber ungewöhnlichen Benachrichtigungsmethode. Sie buchte einen Cent vom Konto des Kunden ab, teilte ihm den Fehler per Verwendungszweck mit – und buchte den Cent kurz darauf wieder zurück. Nach einer Beschwerde beanstandete die Bafin die „Art und Weise, wie die Bank Informationen übermitteln wollte“. Die Bank sagte daraufhin in einer Stellungnahme zu, ihren Kunden künftig keine Informationen mehr auf diesem Weg zukommen zu lassen.

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