Bargeldgrenze von 5000 Euro Die Schein-Debatte

Droht das Ende der bürgerlichen Freiheit, wenn große Beträge nicht mehr bar bezahlt werden dürfen? Wer so argumentiert, schießt mit Kanonen auf Spatzen. Meine zwei Cent zum Zoff ums Bargeld.
130 Kommentare

Das Bargeld muss weg!

Die Bundesregierung könnte sich mit dem Gedanken anfreunden, das Zahlen mit Bargeld zu begrenzen. Bei 5000 Euro soll Schluss sein, wer mehr in bar auf die Verkaufstheke legen will, stünde dann unter Verdacht, Geld waschen zu wollen. Von Verbraucherschützern und in Zeitungskommentaren ist die Reaktion zu lesen: Die totale Kontrolle rückt damit näher. Ein Eingriff in die Bürgerrechte erfolge, der Datenschutz werde ausgehebelt, ein Hort der Freiheit zerstört.

Geht es eine Nummer kleiner, bitte?

In Deutschland dauert es bei vielen Filialbanken drei Werktage, bis 5.000 Euro in bar zur Abholung bereitgestellt werden können. Wer sich aus dem Automaten bedienen will, stößt bei einer solchen Summe an die Limitgrenze. Das erschwert große Transaktionen allein schon in der Praxis. Und, Hand aufs Herz, wer hat überhaupt schon mal mehr als 5.000 Euro in bar bezahlt?

Okay, einige Kollegen wissen zu berichten, dass sie durchaus mal einen Gebrauchtwagen – einer sogar für 12.000 Euro – in bar bezahlt hätten. Natürlich könnte man in diesem Fall tatsächlich pro Bargeld argumentieren: Denn wenn ich das Geld für den Wagen vorab überweise und der Händler geht just in diesem Moment pleite, dann wäre meine Kohle weg beziehungsweise in der Insolvenzmasse. Oder der Barzahlrabatt des Autohändlers ist einfach zu verführerisch.

Doch in der Praxis sieht auch das durchaus anders aus: Besteht ein Autohändler auf Vorabüberweisung einer große Summe, bekommt der Kunde einen Versicherungsschein, der im Falle einer Insolvenz die Rückzahlung garantiert. Hier ist also keine Skepsis angebracht.

Ein weiteres Argument der grenzenlosen Bargeldliebhaber ist, dass durch eine Beschränkung des Umgangs mit Geldscheinen der finanziellen Repression Tür und Tor geöffnet werde. Das ist ein staatstragender Begriff. Was er beschreibt: Die Bargeldfans fürchten, dass im Falle negativer Zinsen für Privatleute ihre Kontoguthaben an Wert verlieren. Eine Ausweichmöglichkeit wäre es, Bargeld zu horten – die Bank könnte dann keine Strafzinsen abbuchen. Nur ist in der aktuellen Diskussion von Bargeld-Haltegrenzen überhaupt nicht die Rede.

Bargeld zu haben, das ist teuer
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Bargeldgrenze von 5000 Euro - Die Schein-Debatte

130 Kommentare zu "Bargeldgrenze von 5000 Euro: Die Schein-Debatte"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Contra-Argumentation von Yasmin Osman zur Bargeldabschaffung („Ein inakzeptabler Tabubtruch“, siehe S. 26 der heutigen HB-Printausgabe) klingt m.E. wesentlich überzeugender als die der „Pro-Bargeldabschaffung"-Seite.

    500-Euro-Scheine braucht außerhalb der kriminellen Szene offenbar wirklich kein Mensch. Das ist für jedermann so offensichtlich, dass sich wirklich die Frage aufdrängt, warum da noch jemand nach "konkreten Beweisen" verlangt (siehe http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/bargeld-abschaffen-ezb-verteidigt-500-euro-schein/12925470.html).

    Aber ansonsten sieht es ganz so aus, als stellten das Bargeld - und die abschreckende Wirkung eines drohenden Banken-Runs - das letzte noch verbliebene Faustpfand der Bürger dar, das die (Noten-) Banken, Politiker und Großanleger wirksam daran hindert, machen zu können was sie wollen.

    Das also die Chancengleichheit der beiden Seiten wenigstens noch einigermaßen sicherstellt.

  • Bargeld ist eine sehr praktische Sache ich habe schon mal einen Hauskauf angezahlt. Im Gebrauchtkauf gibt es immer gute Gelegenheiten, wenn man Bargeld hat. In Zeiten von nahezu 0% Zinsen auf dem Sparkonto macht es wenig Sinn die übliche Reserve überhaupt bei der Bank einzahlen. Bargeld ist ein guter Schutz gegen Auszahlungsbeschränkungen, wie in Zypern.

    Wer Geld hat, hat Macht! Den Bürgern die Kontrolle über ihr Geld zu rauben, bedeutet ihnen Ihre Freiheit zunehmen.
    Das ist definitiv zu viel Macht in Händen von inkompetenten Politikern. In Sachen Freiheit ist Herr Dr. Schäublen nicht kompetent. Banken wollen auch wieder mehr Geld für ihre Dienste. Was bliebe, wäre zurück zu Gold und Silbermünzen oder Barzahlungen in nicht EU-Währung.
    Aber das ist leichter für die Reichen.

    Und Welche Notenbank druckt kein Geld? € ja $ ja ...

  • Arbeitet Herr Doofideit für die Bankenlobby? Erschreckend dieser verharmlosende Artikel. Das ist der Einstieg in die Bargeldabschaffung und damit sind wir der Finanzlobby und der Politkaste vollkommen ausgeliefert. Wer nicht spurt, dem wird mit einem Knopfdruck das Konto gesperrt und man ist Handlungsunfähig. Bei Stromausfall und Kartenverlust das gleiche. Es ist doch ganz klar, was die Politkaste und Bankster damit verhindern wollen. Einen Bankenrun, denn davor haben die mehr Angst als vom IS......

  • Wieder so ein Verharmloser - Artikel. Alles nicht so schlimm. Vorratsdatenspeicherung u.ä. läuft ja auch rechtsstaatlich und demokratisch - und alles zu unsrerem Besten.

  • AfD - Die Linke
    Gibt es da einen Unterschied. Sollen doch beide vom Verfassungsschutz beobachtet werden.

  • in einigen Jahren wird dann die Steuererklärung einfach.
    Schreiben des Finanzamtes:
    Wir haben gesehen, Sie verdienen X €, für die Lebenshaltung in diesem Einkommenssegment sind Y € vorgesehen, was sich auch mit Ihren Ausgaben deckt. Bitte überweisen Sie den Differenzbetrag von Z € umgehend auf eines unserer unten genannten Konten.

    Der Finanzminister bedankt sich.

  • Der Kampf gegen Terrorismus und Geldwäsche ist doch nur vorgeschoben. Als ob sich die Terroristen und Geldwäscher davon beeindrucken ließen. Die Vorschriften gegen Geldwäsche wurden immer wieder verschärft und angeblich haben wir jetzt mehr Geldwäsche als je zuvor, vom Terror ganz zu schweigen. DieTerroristen können ohne jegliche Kontrolle von Syrien über einige EU-Länder nach Frankreich reisen und Anschläge verüben. Dafür soll der rechtstreue Bürger gegängelt werden. Ich unterstelle den Politikern ausdrücklich böse Absichten. Wenn das Bargeld erst abgeschafft wurde, sind wir völlig in deren Fänge. Auch die "Datenindustrie" hat dann Einblick in unsere Aktivitäten. Wir werden dann noch mehr manipuliert werden, als jetzt schon. Genau so wie die Mehrheit das bei Google, Facebook usw. hin nimmt, wird sie es auch im Zahlungsverkehr hin nehmen. Internationale Zahlungen werden ja jetzt schon zur Überwachung missbraucht. Auf der anderen Seite regen sich die Leute auf, wenn Provider für eine kurze Zeit Verbindungsdaten speichern müssen, auf die dann Ermittlungsbehörden (nach richterlichem Beschluss) bei schweren Straftaten zugreifen können. Eine andere Sicht: wie unwahrscheinlich ist es, dass das ganze System zusammenbricht? Dann gibt es aber kein Bargeld mehr. Zigaretten werden dann als Ersatz wohl auch verpöhnt sein?

  • Endlich wird das Bargeld abgeschafft. Wer braucht das auch schon. Nur die Schwarzarbeiter, schön Geld kassieren ohne Rechnung und an der Steuer vorbei.Damit ist dann endlich Schluß und das ist gut so.
    Ich bezahle sogar mein Brötchen morgens mit Karte, alles schön transparent über das Konto,habe nichts zu verbergen.

  • Schritt für Schritt wird das komplette Abschaffen des Bargeldes eingeleitet. Wehret den Anfängen! Geld ist gedruckte Freiheit, wie ich mein Geld verwende geht den Staat nichts an, selbst wenn ich dem Staat zur Zeit noch gute Absichten unterstellen würde. Das tue ich jedoch ausdrücklich nicht! Es geht um 100%igen Zugriff auf unser Gespartes, nicht mehr uind nicht weniger.

  • Ein sachlich überwiegend richtiger Arktikel. Man darf jedoch bei aller Sachlichkeit die emotionale Seite nicht vergessen. Ältere Kunden kommen heute schon nicht mit kartenzahlung oder IBAN klar. Und auch wenn die Freiheit erst bei 5000€ eingeschränkt wird, ist eine Einschränkung dennoch vorhanden. Und Freiheit ist vorallem ein menschliches Bedürfnis, dass auf einem Gefühl basiert.

    Schmunzeln durfte ich bei Ihrere Meinung bezüglich der Strafzinsen. Selbstverständlich spricht heute noch niemand über eine Einführung. Dies wäre vor Einführung einer Obergrenze wohl eher Kontraproduktiv in einer solchen Dabatte. Und wer hat vor 5 Jahren wirklich an negative Zinsen auf Tagesgeldkonten gedacht? Im Gegenteil auf allen Seiten war zu lesen, dass beispielsweise der Bundfutur eine Obergrenze bei 157 hat bzw. ein paar Monate später wurde von 160 berichtet (übrigens auch auf dieser Seite). Seit dem sollten wir gelernt haben. Es gibt nichts was es nicht gibt solange gilt "what ever it takes"

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%