Bargeldgrenze von 5000 Euro: Die Schein-Debatte

Bargeldgrenze von 5000 Euro
Die Schein-Debatte

Droht das Ende der bürgerlichen Freiheit, wenn große Beträge nicht mehr bar bezahlt werden dürfen? Wer so argumentiert, schießt mit Kanonen auf Spatzen. Meine zwei Cent zum Zoff ums Bargeld.

Die Bundesregierung könnte sich mit dem Gedanken anfreunden, das Zahlen mit Bargeld zu begrenzen. Bei 5000 Euro soll Schluss sein, wer mehr in bar auf die Verkaufstheke legen will, stünde dann unter Verdacht, Geld waschen zu wollen. Von Verbraucherschützern und in Zeitungskommentaren ist die Reaktion zu lesen: Die totale Kontrolle rückt damit näher. Ein Eingriff in die Bürgerrechte erfolge, der Datenschutz werde ausgehebelt, ein Hort der Freiheit zerstört.

Geht es eine Nummer kleiner, bitte?

In Deutschland dauert es bei vielen Filialbanken drei Werktage, bis 5.000 Euro in bar zur Abholung bereitgestellt werden können. Wer sich aus dem Automaten bedienen will, stößt bei einer solchen Summe an die Limitgrenze. Das erschwert große Transaktionen allein schon in der Praxis. Und, Hand aufs Herz, wer hat überhaupt schon mal mehr als 5.000 Euro in bar bezahlt?

Okay, einige Kollegen wissen zu berichten, dass sie durchaus mal einen Gebrauchtwagen – einer sogar für 12.000 Euro – in bar bezahlt hätten. Natürlich könnte man in diesem Fall tatsächlich pro Bargeld argumentieren: Denn wenn ich das Geld für den Wagen vorab überweise und der Händler geht just in diesem Moment pleite, dann wäre meine Kohle weg beziehungsweise in der Insolvenzmasse. Oder der Barzahlrabatt des Autohändlers ist einfach zu verführerisch.

Doch in der Praxis sieht auch das durchaus anders aus: Besteht ein Autohändler auf Vorabüberweisung einer große Summe, bekommt der Kunde einen Versicherungsschein, der im Falle einer Insolvenz die Rückzahlung garantiert. Hier ist also keine Skepsis angebracht.

Ein weiteres Argument der grenzenlosen Bargeldliebhaber ist, dass durch eine Beschränkung des Umgangs mit Geldscheinen der finanziellen Repression Tür und Tor geöffnet werde. Das ist ein staatstragender Begriff. Was er beschreibt: Die Bargeldfans fürchten, dass im Falle negativer Zinsen für Privatleute ihre Kontoguthaben an Wert verlieren. Eine Ausweichmöglichkeit wäre es, Bargeld zu horten – die Bank könnte dann keine Strafzinsen abbuchen. Nur ist in der aktuellen Diskussion von Bargeld-Haltegrenzen überhaupt nicht die Rede.

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  • Die Contra-Argumentation von Yasmin Osman zur Bargeldabschaffung („Ein inakzeptabler Tabubtruch“, siehe S. 26 der heutigen HB-Printausgabe) klingt m.E. wesentlich überzeugender als die der „Pro-Bargeldabschaffung"-Seite.

    500-Euro-Scheine braucht außerhalb der kriminellen Szene offenbar wirklich kein Mensch. Das ist für jedermann so offensichtlich, dass sich wirklich die Frage aufdrängt, warum da noch jemand nach "konkreten Beweisen" verlangt (siehe http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/bargeld-abschaffen-ezb-verteidigt-500-euro-schein/12925470.html).

    Aber ansonsten sieht es ganz so aus, als stellten das Bargeld - und die abschreckende Wirkung eines drohenden Banken-Runs - das letzte noch verbliebene Faustpfand der Bürger dar, das die (Noten-) Banken, Politiker und Großanleger wirksam daran hindert, machen zu können was sie wollen.

    Das also die Chancengleichheit der beiden Seiten wenigstens noch einigermaßen sicherstellt.

  • Bargeld ist eine sehr praktische Sache ich habe schon mal einen Hauskauf angezahlt. Im Gebrauchtkauf gibt es immer gute Gelegenheiten, wenn man Bargeld hat. In Zeiten von nahezu 0% Zinsen auf dem Sparkonto macht es wenig Sinn die übliche Reserve überhaupt bei der Bank einzahlen. Bargeld ist ein guter Schutz gegen Auszahlungsbeschränkungen, wie in Zypern.

    Wer Geld hat, hat Macht! Den Bürgern die Kontrolle über ihr Geld zu rauben, bedeutet ihnen Ihre Freiheit zunehmen.
    Das ist definitiv zu viel Macht in Händen von inkompetenten Politikern. In Sachen Freiheit ist Herr Dr. Schäublen nicht kompetent. Banken wollen auch wieder mehr Geld für ihre Dienste. Was bliebe, wäre zurück zu Gold und Silbermünzen oder Barzahlungen in nicht EU-Währung.
    Aber das ist leichter für die Reichen.

    Und Welche Notenbank druckt kein Geld? € ja $ ja ...

  • Arbeitet Herr Doofideit für die Bankenlobby? Erschreckend dieser verharmlosende Artikel. Das ist der Einstieg in die Bargeldabschaffung und damit sind wir der Finanzlobby und der Politkaste vollkommen ausgeliefert. Wer nicht spurt, dem wird mit einem Knopfdruck das Konto gesperrt und man ist Handlungsunfähig. Bei Stromausfall und Kartenverlust das gleiche. Es ist doch ganz klar, was die Politkaste und Bankster damit verhindern wollen. Einen Bankenrun, denn davor haben die mehr Angst als vom IS......

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