Baufinanzierung
Bausparkassen drängen Kunden aus Verträgen

Die niedrigen Zinsen macht viele Bausparkassen offenbar erfinderisch. Laut Verbraucherschützern versuchen sie, ihre Kunden aus alten Verträgen zu drängen. Welche Sparer betroffen sind.
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LeipzigZahlreiche Bausparkassen versuchen nach Angaben von Verbraucherschützern derzeit, ihre Kunden aus alten Verträgen zu drängen. Die Unternehmen wollten nicht hinnehmen, dass die hoch verzinsten Verträge von Verbrauchern nur noch als Geldanlage genutzt würden, erklärte die Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen, Andrea Heyer, am Dienstag. In vielen Fällen sei dies nicht zulässig. Allerdings müsse jeweils der Einzelfall genau geprüft werden.

Bausparverträge bestehen aus zwei Phasen: Zunächst zahlen Kunden über mehrere Jahre hinweg Geld auf ihr Konto ein. Die Zinsen dafür sind zwar im allgemeinen vergleichsweise niedrig, angesichts der aktuellen Minizinsen liegen sie aber oft über dem derzeitigen Durchschnitt. Die Bausparkassen bedienten sich nun eines Tricks, erklärte die Verbraucherzentrale Sachsen: Sie machen sich demnach zunutze, dass sie die Verträge kündigen können, wenn die beim Vertragsabschluss vereinbarte Sparsumme erreicht ist.

Zunächst zahlen Kunden über mehrere Jahre hinweg Geld auf ihr Konto ein. Die Zinsen dafür sind zwar im allgemeinen vergleichsweise niedrig, angesichts der aktuellen Minizinsen liegen sie aber oft über dem derzeitigen Durchschnitt.

Damit dies früher der Fall ist, würden vereinbarte Boni schon vor ihrer Fälligkeit dem Sparguthaben zugerechnet, erklärte Finanzexpertin Heyer. "Ob die Bausparkasse aber mit dem vertraglich vereinbarten Bonus so umgehen kann, ist fraglich - zumindest wenn sich dies nicht eindeutig aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ergibt und anderen Aussagen der Bausparkasse widerspricht", erklärte die Verbraucherschützerin.

Betroffen sind von den Kündigungen der Verbraucherzentrale zufolge vor allem Sparer, die ihre Einzahlen gezielt gedrosselt oder ganz gestoppt haben, um von den vergleichsweise hohen Zinsen auf ihr bisheriges Guthaben länger zu profitieren. Dies sei aber möglich, denn es gebe keine Verpflichtung, die vereinbarten Sparraten auch einzuzahlen, erklärte Heyer. Teilweise werde Kunden auch die Kündigung angedroht, wenn sie ihre Beiträge nicht innerhalb weniger Wochen nachzahlten. Auch für diese Fälle riet die Finanzexpertin den betroffenen Kunden, die AGB genau zu prüfen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Baufinanzierung: Bausparkassen drängen Kunden aus Verträgen"

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  • Es ist immer wieder lustig, Kommentare von alleswissenden Weltverbesserern zu lesen. Ja, seit längerer Zeit ist zu beobachten, das ältere, sehr gut verzinste Bausparverträge von cleveren Bausparverkäufern flugs in niedrigverzinste Wohnriester umgestellt werden, und schnell fette Provision im Sack ist. Dazu kann sich jeder seine eigene Meinung bilden; Aber, für sehr viele Menschen ist dies kein schlechter Weg, um ausreichend Eigenkapital anzusparen, die vermögenswirksamen Leistungen unterzubringen und Wohnungsbauprämie zu erhalten. Jedes Produkt hat seine Vorteile, aber auch Nachteile; Hier ist immer eine saubere und ehrliche Beratung gefordert, damit das Produkt auch optimal in den Haushalt passt. Es bleibt spannend..Grüße, Nils Fischer

  • @Bosch....
    und wenn ich Milch kaufe, TVs, Autos, Kleidung, ..... verdient niemand daran?
    und der clevere Aktienkäufer geht pleite in Rente, weils dummerweise genau dann mal wieder einen Crash gibt, wenn er sein Geld braucht. .....

    Braucht nicht kommentiert zu werden, da ich ja ein böser, doo..., unwissender,.... einfacher Versicherungsangestellter bin.....

  • Wer sich mit einem Gutteil seines "freien" Kapitals an Fremde bindet und das für lange Zeit ist selber Schuld. So ists mit Vermögenslebensversicherungen, Bausparverträgen und für einige Deutsche auch beim Riestern.
    Woher die wohl ihre Mitarbeiter, Dienstwagen und Marmortempel bezahlen?

    Der Clevere kauft Allinaz oder Talanx Aktien für die Versorgung in der Zukunft. Ist sogar doppelt clever.

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