Betrugsprozess
Nur noch fünf Angeklagte im S&K-Verfahren

Nun stehen im Betrugsprozess um die Frankfurter Immobiliengruppe S&K nur noch fünf Angeklagte vor Gericht. Das Verfahren gegen einen Hamburger Fondsexperten wurde abgetrennt. Zur Beschleunigung führt das wohl nicht.

FrankfurtDa waren’s nur noch fünf. Im Verfahren gegen die Frankfurter Immobiliengruppe S&K sitzen ab sofort nur noch fünf statt bisher sechs Männer auf der Anklagebank des Frankfurter Landgerichts. Wie der Sprecher des Landgerichts dem Handelsblatt bestätigte, wurde das Verfahren gegen Hauke B., einen ehemaligen Hamburger Geschäftsführer des Emissionshauses United Investors, am Montag abgetrennt. Der Angeklagte war in den vergangenen Wochen mehrfach nicht verhandlungsfähig gewesen. Einige Verhandlungstermine mussten deshalb bereits ausfallen. Für B. könnte damit die Entlassung aus der Untersuchungshaft näher rücken. Wann sich das Gericht wieder mit den Vorwürfen gegen ihn beschäftigt, ist unklar.

Seit mehr als einem Jahr läuft bereits die Hauptverhandlung gegen die S&K-Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller sowie vier weitere Angeklagte. Sie wurden wegen schweren bandenmäßigen Betrugs und ebensolcher Untreue angeklagt und sollen mit einem verschachtelten Firmen- und Beteiligungssystem etwa 11.000 Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben.

Wie das vonstattengegangen sein soll, hatte die Frankfurter Staatsanwaltschaft in einer mehr als 1.750-seitigen Anklageschrift ausgeführt, die über Wochen vor Gericht vorgetragen worden war. Daran hatten sich die teils ebenfalls sehr ausführlichen Stellungnahmen der Angeklagten angeschlossen. Mit der Beweisaufnahme und der Anhörung des ersten Zeugen konnte deshalb erst kürzlich begonnen werden.

Hauke B. hatte nach Angaben seiner Anwältin bereits seit Dezember 2015 über Zahnschmerzen geklagt und musste sich deshalb schon mehrfach Behandlungen unterziehen. Auch von Schlafstörungen war immer wieder die Rede. „Vor der Inhaftierung war unser Mandant komplett gesund, doch die völlig unverhältnismäßig lange Untersuchungshaft und die Trennung von seiner Familie haben ihn so krank gemacht, dass er nicht mehr an der Verhandlung teilnehmen kann“, sagt seine Anwältin Iris Killinger.

Eine Sachverständige habe ihn für unbestimmte Zeit für nicht verhandlungsfähig erklärt. Der Fonds-Experte B. hatte in den vergangenen Monaten häufig selbst das Wort ergriffen und sich vehement gegen die Anklagevorwürfe gewährt. „Meine Handlungen waren die eines bereits Betrogenen“, sagte er einmal und stellte sich wiederholt als „ehrlichen Hamburger Kaufmann“ dar, der stets nur das Wohl der Anleger im Sinn gehabt habe.

Der weitere Gang der Dinge werde nun „maßgeblich von der Frage der Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten abhängen“, so der Sprecher des Landgerichts. Mit anderen Worten: von seinem Gesundheitszustand. „Das Verfahren abzutrennen, ist grundsätzlich vernünftig“, sagt der zuständige Staatsanwalt Noah Krüger gegenüber dem Handelsblatt. „In einem solchen Fall muss man abwägen.“ Einerseits: Vier Angeklagten befänden sich seit mehr als dreieinhalb Jahren in Untersuchungshaft – einer war nach einem Geständnis zwischenzeitlich aus der Haft entlassen worden – und hätten ein Recht auf eine beschleunigt durchgeführte Verhandlung.

Andererseits: „Die Öffentlichkeit hat demgegenüber ein Interesse daran, dass gegen alle Angeklagten verhandelt wird“, so Krüger. Je länger man eine Genesung abwarte und je ungewisser der Heilungserfolg sei, desto mehr Gewicht bekomme das Interesse an einer zügigen Fortsetzung.

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