Betrugsprozess
S&K-Anleger brauchen starke Nerven

Die Hauptverhandlung um die Betrugs- und Untreuevorwürfe gegen sechs Angeklagte kommt nur schleppend in Gang. Anleger brauchen Geduld, doch ein Urteil könnte sich direkt auf ihre Schadenersatzforderungen auswirken.

FrankfurtDer Strafprozess um die S&K-Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller sowie vier Mitarbeiter und Geschäftspartner ist für alle Beteiligten eine Geduldsprobe. Schon für die Erhebung der Anklage hatte die Frankfurter Staatsanwaltschaft fast zwei Jahre gebraucht. Und nun kommt auch die Hauptverhandlung nur sehr schleppend in Gang. Auch Anleger, die in Fonds der Unternehmensgruppe investiert oder Rückzahlungsansprüche ihrer Lebensversicherungskunden an sie abgetreten hatten, brauchen starke Nerven. Zwar wird im Strafverfahren nicht direkt über ihre Ansprüche entschieden, trotzdem kann ein Urteil für die Anleger von großer Bedeutung sein.

Im Strafverfahren geht es um die Frage, ob die Angeklagten sich des Betrugs und der Untreue schuldig gemacht haben und dafür bestraft werden müssen. Ob sie Geld an Anleger zurückzahlen müssen, muss dagegen in Zivilverfahren geklärt werden. „Eine Verurteilung der Angeklagten im Strafprozess würde sich aber positiv auf die die von uns eingereichten Zivilklagen auswirken“, sagt Klaus Nieding, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht. „Damit wäre klar, dass die Schadensersatzansprüche, die sich auf den strafrechtlichen Betrugsvorwurf stützen, begründet sind.“ Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen die Angeklagten mehr als 11.000 Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben.

Eine andere Strategie verfolgt der Siegburger Rechtsanwalt Marc Gericke: „Ich klage in den Zivilprozessen auch wegen Kapitalanlagebetrugs. Dabei muss ich nur beweisen, dass Anleger auf Grundlage eines falschen Prospektes beigetreten sind, und bin unabhängig vom Ausgang des Strafverfahrens“, sagt er. Die Frage, wohin das Geld der Anleger tatsächlich geflossen sei, spiele dabei keine große Rolle.

Doch egal, worauf die Anwälte in ihren Zivilklagen abzielen, Rückzahlungen an Anleger gab es bisher auch nach positiven Urteilen nicht. Der Grund: Die Staatsanwaltschaft hat zwar nach eigenen Angaben Werte in Höhe von etwa 55 Millionen Euro sichergestellt – darunter etwa teure Uhren von Hublot oder Rolex,, Goldbarren, Motorräder und Versicherungsverträge. Zu Geld dürfen diese aber erst nach Abschluss des Strafprozesses gemacht werden – schließlich könnte es sein, dass die Angeklagten freigesprochen werden und ihnen die Gegenstände zurückgegeben werden müssen.

„Ein Gerichtsvollzieher hat für einige unserer Mandanten bereits einige Wertgegenstände gepfändet“, erklärt Martin Kühler, Anlegeranwalt bei der Kanzlei Tilp. Dabei gehe es um sogenannte dingliche Arreste für Forderungen in Höhe von mehreren Millionen Euro. „Das ist schon mal viel wert, denn die Verteilung läuft später der Reihe nach“, sagt Kühler.

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