BGH-Urteil
Nachbar muss lauten Fußboden akzeptieren

Parkett statt Teppich: Ein lauterer Fußboden ist nicht grundsätzlich verboten. Ein Rentner-Ehepaar verlor nun vor dem BGH gegen ihre darüber wohnenden Nachbarn, nachdem diese ihre Wohnung renovierten.
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KarlsruheWohnungseigentümer können sich ihre Bodenbeläge frei aussuchen. Die Bewohner darunter können nicht auf einem leisen Teppich bestehen, wie am Freitag der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschied. Danach müssen Eigentümer Schallschutzregelungen nur insoweit beachten, als sie bereits bei Errichtung des Gebäudes galten. Allerdings kann eine Wohnungseigentümergemeinschaft gegebenenfalls auch strengeren Lärmschutz vereinbaren. (Az: V ZR 73/14)

Im Streitfall ging es um eine 2006 verkaufte Wohnung in einem in den 1970er Jahren errichteten Hochhaus in Schleswig-Holstein. Die Käufer ließen den dort verlegten Teppich herausreißen und Parkett verlegen. Den Eigentümern der Wohnung darunter wurde es dadurch zu laut. Mit ihrer Klage machten sie geltend, die Wohnungen seien damals mit Teppichen verkauft worden. Über das seitdem im gesamten Haus bestehende Schallschutzniveau dürften sich die neuen Käufer nicht einfach hinwegsetzen.

Aber das dürfen sie doch, urteilte nun der BGH. Der Schallschutz sei vorrangig eine Frage der im gemeinschaftlichen Eigentum stehenden Bausubstanz. Die Wahl der Bodenbeläge müsse dagegen Sache des einzelnen Eigentümers sein. Anderes könne allenfalls dann gelten, wenn die Eigentümergemeinschaft einen bestimmten Trittschall-Schutz festgelegt hat.

Welcher Belag ursprünglich vorhanden war, spiele dagegen keine Rolle. Heutigen Käufern sei dies in der Regel gar nicht bekannt. „Außerdem spricht gegen ein dauerhaftes Gepräge der Anlage, dass sich die geschmacklichen Vorlieben für bestimmte Bodenbeläge im Laufe der Zeit verändern“, betonten die Karlsruher Richter.


Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " BGH-Urteil: Nachbar muss lauten Fußboden akzeptieren"

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  • Es kann der beste nicht in Frieden leben, wenn es dem stänkernden Nachbarn nicht gefällt.

  • Nachbar muss lauten Fußboden akzeptieren Das stimmt nicht ganz, weil dass BGH in Karlsruche mögliche Fachmängel nicht berücksichtigt hat. Wurde wohl nicht von den Rentnern gefordert. Richtig ist, führen gravierende Fachmängel bei der Verlegung von harten Belägen (Laminat, Parkett und/oder Fliesen) dazu, dass die Beläge den schwimmendem Estrichboden mit den Wänden fest verbinden und dadurch höhere Lärmübertragungen realisiert, kann der Eigentümer (Auftraggeber) Beseitigung der Fachmängel von der Firma verlangen. Diese Fachmängel müssen von einem Sachverständigen bestätig werden. Nachfolgend wird das WEG 14 § 1 wirksam. Das hat nicht`s mit dem Trittschallschutz der DIN 4109 von 1961 (Obergrenze 63 dB) zu tun. Könnten diese Mängel bestehen bleiben, wären die Berufsausbildungen nutzlos.

  • ich sagte ja schon immer: mit einer Eigentumswohnung kauft man nichts; außer die Luft zwischen 4 Wänden. Dieser Run auf ETW war mir schon immer schleierhaft. Mein weiss einfach nicht welcher Depp in die eigene Nachbarschaft zieht.

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