Bundesgerichtshof Sparkassen-Kundin unterliegt im Formular-Streit um Gleichberechtigung

Werden Frauen benachteiligt, wenn in Formularen vom „Kunden“ die Rede ist? Die Frage hat der BGH jetzt beantwortet.
Update: 13.03.2018 - 10:27 Uhr 36 Kommentare
Sparkassen-Kundin unterliegt im Formular-Streit vor BGH Quelle: dpa
Klage einer Sparkassen-Kundin

Eine Rentnerin wollte erreichen, dass Sparkassen auf ihren Formularen auch die weibliche Form von Kontoinhaber, also Kontoinhaberin, nennen müssen.

(Foto: dpa)

KarlsruheFrauen müssen in Formularen nicht in weiblicher Form angesprochen werden. Das entschied der Bundesgerichtshof am Dienstag in Karlsruhe und wies damit die Revision einer Sparkassen-Kundin aus dem Saarland zurück, die auch in unpersönlichen Vordrucken als „Kundin“ und nicht als „Kunde“ angesprochen werden wollte. (VI ZR 143/17)

Die Klägerin Marlies Krämer (80) fühlte sich mit männlichen Formulierungen wie „Kunde“ oder „Kontoinhaber“ nicht angesprochen und pochte auf die Ansprache als „Kundin“ oder „Kontoinhaberin“. Einen Verstoß gegen den im Grundgesetz garantierten Gleichheitsgrundsatz sah der BGH jedoch nicht: Mit der verallgemeinernden Ansprache in männlicher Form werde sie nicht wegen ihres Geschlechts benachteiligt. Die Anrede „Kunde“ für Frauen sei weder ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht noch ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz, argumentierte das Gericht.

Hätte die Klägerin Recht bekommen, hätten mehr als 800 verschiedene Sparkassen-Formulare umgeschrieben werden müssen – mehr als 1.600 Kreditinstitute in Deutschland hätten ein Problem gehabt.

Bereits vor Urteilsverkündung hatte Krämer angekündigt, im Falle einer Niederlage vor dem höchsten deutschen Zivilgericht weiterzukämpfen – und notfalls bis vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen. „Ich sehe das überhaupt nicht mehr ein, dass ich als Frau totgeschwiegen werde.“ Und: „Ich will es jetzt wissen“, betonte die kampferprobte Seniorin.

Krämer hatte schon andere Schlachten für sich entschieden: So verzichtete sie in den 90er Jahren so lange auf einen Pass, bis sie als „Inhaberin“ unterschreiben konnte. Später sammelte sie erfolgreich Unterschriften für weibliche Wetter-Hochs. Davor wurden Frauennamen nur für Tiefs verwendet.

Der von manch einem belächelte Formular-Streit ist für sie alles andere als eine Petitesse. Es geht für sie ums Grundsätzliche: „Sprache ist der Schlüssel zur Gleichberechtigung.“

In den Vorinstanzen war die Seniorin allerdings ebenfalls erfolglos. Schwierige Texte würden durch die Nennung beider Geschlechter nur noch komplizierter, argumentierte das Landgericht Saarbrücken. Zugleich verwies es darauf, dass die männliche Form schon „seit 2000 Jahren“ im allgemeinen Sprachgebrauch bei Personen beiderlei Geschlechts als Kollektivform verwendet werde.

Das tut im übrigen der Gesetzgeber noch häufig selbst, etwa in Gesetzestexten – wie der Anwalt der beklagten Sparkasse und auch der BGH-Senatsvorsitzende in der mündlichen Verhandlung vor drei Wochen erwähnten.

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36 Kommentare zu "Bundesgerichtshof: Sparkassen-Kundin unterliegt im Formular-Streit um Gleichberechtigung"

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  • Herr Keizer

    gut gekontertt - nur wirkt das bei einer personifizierten Dekadenz nicht :)

  • Gibt es eigentlich ein männliches Pendant zu "Herrin", dass sich von Frau ableitet?

  • @ Herr Boris von der Linde
    13.03.2018, 16:01 Uhr

    Dann schon lieber "rückwärtsgewandte" Gesinnung, als solchen Unsinn. Versuchte Beleidigungen aus bestimmten Richtungen empfinde ich immer als Lob.

  • Wenn von einigen Komentatorinnen behauptet wird, es wäre bereits "Genderismus" wenn ich darauf hinweise dass es nur höflich ist von Kundinnen und Kunden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder Bürgerinnen und Bürgern zu sprechen, dann scheint man den richtig so richtig dogmatischen Genderismus mit den ganzen ** und -Innen wohl doch zu brauchen.
    Und glaubt einer hier ernsthaft, es wäre tatsächlich eine Frage der Grammatik, wenn gerade mit Bezug zu "Kunden" nicht von Kundinnen gesprochen werden soll? Das ist vorgeschoben. der FAZ Artikel wird in diesem Moment nur gern zur Verschleierung der rückwärtsgewandten Gesinnung genutzt.

  • Aber Ihr Hinweis ist natürlich richtig. Manch einem ist das möglicherweise auch nicht bekannt. Insofern sehe ich ihren Kommentar durchaus für die Allgemeinbildung als nützlich an, Herr Monschau.

  • Herr Monschau,

    bitte lesen Sie die Frage noch einmal :)

  • Der Plural von allen Substantiven ist immer weiblich!

  • Gendern ist ja unterhaltsamer als Denksport :)

    Frage: Warum heißt es die Sonnenfinsternis, wenn sich dahinter im Plural der Sonnenstrahl versteckt?

  • @Lothar Bitschnau
    13.03.2018, 11:51 Uhr

    "Ich bin für den Tausch der Demonstrativpronomen bei Sonne und Mond.
    Neu: der Sonne und die Mond :) :)"

    Im Zuge der europäischen Harmonisierung (auch so ein Fetisch in D) muß das auf jeden Fall kommen (frz.: le soleil- la lune; span.: el sol - la luna ; ital.: il sole - la luna )

    In ganz Fernost ist die Sonne ohnehin mit "männlich" (=stark) assoziiert.

  • @Lana Ebsel
    13.03.2018, 13:29 Uhr

    "Ich schlage vor, wir trennen einen Teil von Deutschland ab und nennen das dann Frauland. Dort können dann alle Männerhasser glücklich werden."

    Erstens: Es muß Männerhasser*Innen heißen.... ;-)

    Zweitens: Aber bitte mit einem gutbewachten Zaun drumherum. Ich setze mich in meinem Urlaub auch gerne auf den Wachturm - nicht daß einer von denen in Rest-D weiter den Genderwahnsinn weiterkultivieren kann.

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