Commerzbank-Tochter Comdirect
Konto gekündigt wegen „waffenfähigem Plutonium“

Das Internet lachte über die Warnung einer Bank, dass „Waffenfähiges Plutonium“ als Verwendungszweck Ärger bringen kann. Bei einem Kunden hat die Comdirect ernst gemacht – ein Scherz brachte die Kündigung eines Kontos.
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DüsseldorfWas hatte das Internet gelacht über diesen Tweet vom 29. September, der einen Ausschnitt aus einem Brief eines Geldinstituts zeigte.

In dem Schreiben – der Schriftart nach zu urteilen von einer Sparkasse verfasst – wird ein Bankkunde gewarnt. „Waffenfähiges Plutonium“ hatte der Kunde in das Verwendungszweckfeld einer Überweisung geschrieben, dazu den Betrag „40,02 Euro“. Das Institut drohte bei Wiederholung mit der Kontokündigung – dabei war der Text durchaus als Scherz identifiziert worden.

Das Schreiben hatte auch Tommy Müller (Name geändert) im Internet gelesen und für eine Fälschung gehalten. Müller testete den zweifelhaften Text „aus Spaß“ auf einer eigenen Überweisung. Mit gravierenden Folgen: Die Comdirect kündigte sein Gehaltskonto.

„Wir machen (…) von unserem Kündigungsrecht Gebrauch (…) und kündigen die gesamte Kontoverbindung fristgerecht zum 16.12.2015“, schrieb die Commerzbank-Tochter mit Sitz in Quickborn am 7. Oktober. Und blieb eine weitere Begründung schuldig.

Dem 29-jährigen dämmerte, was der Grund sein könnte. Nur zwei Tage zuvor hatte er einem Bekannten 168 Euro mit dem Verwendungszweck „Waffenfaehiges Plutonium 75 GBP und Differenz der Kosten vorher“ überwiesen.

Der junge Unternehmensberater erfährt damit am eigenen Leib, was die Folgen der Geldwäschebekämpfung sein können. Banken filtern Verwendungszwecke nach verdächtigen Begriffen – auch wenn es dazu laut Bankenverband keine expliziten Vorgaben wie etwa Begriffslisten des Bundeskriminalamts (BKA) gibt.

In der Vergangenheit hatte es mehrere Fälle gegeben, in denen Kunden von ihren Banken angeschrieben oder angerufen wurden, weil sie etwa Späße wie „ak47 bin laden“ beim Überweisen angegeben hatten. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung hatte bereits über einen ähnlichen Fall berichtet.

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Im Kampf gegen die Geldwäsche

Kommentare zu " Commerzbank-Tochter Comdirect: Konto gekündigt wegen „waffenfähigem Plutonium“"

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  • heute ist das unwort "waffenfähiges plutonium" morgen viellieicht
    "schwangerschaftsabtreibung" je nach dem welche ...... die macht bekommen haben
    darum bürger wehrt euch
    es geht um nichts anderes als die freiheit des wortes

    so betrachtet war die DDR ein scheissdreck gegen

  • Genau deswegen gehört das Bargeld abgeschafft. Damit die zuständigen Stellen über JEDE Zahlung informiert sind.

    PS: Natürlich darf man(n) auch seine Liebesdienerin oder den Vibrator im Sexshop bargeldlos bezahlen. Das stört die Überwachungsstellen nicht. Wird aber eine wertvolle Information, wenn man(n) irgendwann mal störrisch wird und man ihn willfähig bekommen muss....

    Ansonsten gilt natürlich: wer nichts zu verbergen hat braucht kein Bargeld. Und keine Privatsphäre....

  • Da zeigt sich doch, dass die gesetzlich geregelte Geldwäscheprävention funktioniert. Zumindest im Bereich der Scherzbolde und der Kleinkriminellen. Bei den wirklich "Großen" Fällen versagt das sogenannten "Monitoring". Ob gewollt oder nicht sei dahingestellt. Auf jeden Fall bringen die Scherzbolde und die Kleinkriminellen die Statistik der Verdachtsmeldungen nach oben. Das ist doch ein Riesenerfolg. Von den Verdachtsmeldungen werden in der Regel 98,9 als nicht geldwäscherelevant eingestuft. Es würde sich nichts ändern, wenn die Verdachtsmeldungen - nachdem sie ordentlich bei den Verpflichteten dokumentiert sind - in den Papierkorb geworfen werden. Dann jubelt die BaFin als Aufsichtsbehörde der Kreditinstitute, die mit hohem Aufwand einem Phantom hinterherjagen. Und wenn es politisch opportun ist, werden halt die Regeln der Sorgfaltspflichten aufgeweicht. Ein Riesenaufwand bei einem geschätzten Durchschnittsschaden pro Verdachtsmeldung von ca 4.532,00 EUR

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