Crowdinvesting: Neue Spielregeln sollen Kleinanleger schützen

Crowdinvesting
Neue Spielregeln sollen Kleinanleger schützen

Mit dem Kleinanlegerschutzgesetz sollen Finanzprodukte des Grauen Kapitalmarkts transparenter werden. Die neuen Regeln treffen auch die Schwarmfinanzierung. Was es dem Anleger nützt und wogegen sich die Branche wehrt.
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DüsseldorfEigentlich stand Crowdinvesting gar nicht im Fokus des Gesetzgebers, als er das Kleinanlegerschutzgesetz aus der Taufe hob. Getrieben wurde die Initiative vor allem durch die Pleite des Windparkfinanzierers Prokon. Der hatte mit Genussrechten insgesamt etwa 1,4 Milliarden Euro von 75.000 Anlegern eingesammelt. Doch das neue Gesetz ist ein Rundumschlag gegen den sogenannten Grauen Kapitalmarkt und reguliert künftig auch Vermögensanlagen wie Nachrangdarlehen. Und genau die werden gerne von Schwarmfinanzierern wie Companisto und Seedmatch genutzt.

Damit das Crowdinvesting nicht abgewürgt wird, gibt es für die Plattformen Ausnahmeregeln, denn die Crowd ist insbesondere für junge Unternehmen eine hilfreiche Geldquelle. Doch diese Ausnahmen gehen der Branche nicht weit genug. Noch läuft der Gesetzgebungsprozess, am heutigen Montag werden 16 Sachverständige im Finanzausschuss des Bundestags vorsprechen. Verbesserungsvorschläge gibt es viele, beim Crowdinvesting gehen die Meinungen aber besonders weit auseinander.


Laut Gesetzesentwurf sollen Emittenten grundsätzlich für alle Vermögensanlagen einen Prospekt veröffentlichen, der von der Finanzaufsicht Bafin geprüft wird. Dieser und weiterer Pflichten können die Crowd-Projekte nur entgehen, wenn sie höchstens eine Million Euro einsammeln. Außerdem müssen die Plattformen sicherstellen, dass der einzelne Anleger nur maximal 1000 Euro in ein Projekt investiert. Ein höheres Investment ist nur dann erlaubt, wenn er per Selbstauskunft bestätigt, dass er mindestens 100.000 Euro freies Kapital hat oder höchstens das Doppelte seines monatlichen Nettoeinkommens einsetzt – maximal jedoch 10.000 Euro.

Das German Crowdfunding Network (GCN) will sich mit einem Finanzierungsvolumen von maximal einer Million Euro nicht zufrieden geben. Es fordert eine Erhöhung auf fünf Millionen Euro. „Die Kosten für einen Verkaufsprospekt liegen im mittleren bis oberen fünfstelligen Bereich“, erklärt Tobias Riethmüller, Gründungsmitglied des GCN. „Die Empirie zeigt, dass Emittenten diese Kosten nur auf sich nehmen können, wenn das Emissionsvolumen mindestens im mittleren bis oberen siebenstelligen Bereich liegt.“ Für kleinere Projekte sei die Erstellung eines Prospekts nicht wirtschaftlich.


Solche Forderungen lehnen Anlegerschützer entschieden ab. „Es gibt keinen Grund, die Ausnahme zu erweitern. Eine Million Euro ist ein Betrag, auf den jede Junggründung sollte aufbauen können“, sagt Peter Mattil, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht aus München. Auch das Argument, dass viele Anleger einen 200- bis 300-seitigen Prospekt ohnehin nicht lesen, lässt Mattil nicht gelten: „Die Prospekte werden auch von Beratern gelesen und dienen im Fall eines Verlust dazu, die Erfolgschancen einer Klage zu beurteilen.“

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Forderung nach flexiblen Grenzen

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  • Die Grüne Willkürpolitik einer Merkel Regierung hat doch höchstpersönlich mit ihren MARKTFEINDLICHE EEG Gesetz = Energiewende zum offiziellen Betrug und Abzocke im Volk aufgerufen! Das EEG ist ein asoziales und perfides Gesetz, dass die Armen abzockt und die Reichen reicher macht. Das EEG ist für Kleinanleger komplett schädlich, weil das EEG in unserer Volkswirtschaft mehr schaden als nutzen anstellt. Zusammnen mit dem ESM ist das EEG eine massive Gefahr für die Allgemeinheit (Verbraucher, Sparer).

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