Der Erben-Report
Die Prasser, die Labilen und die Gierigen

Ein Blick hinter die Kulissen der sonst so verschwiegenen wohlhabenden Familien: Fünf spektakuläre Fälle zeigen, mit welchen Problemen Erben zu kämpfen haben, wenn der Nachlass nicht sorgfältig geregelt wurde.
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DüsseldorfWenn`s ums Erbe geht, ist es mit der Pietät schnell vorbei. „Manche Kinder aus vermögenden Familien scheinen ihre Tage vor allem damit zu verbringen, auf die Erbschaft zu warten“, klagt Heiko Löschen, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Packenius Mademann und Partner. Wenn es dann soweit ist, geht der Ärger los.

Bei jeder sechsten Erbschaft in Deutschland kommt es zum Streit. Das hat eine repräsentative Studie der Postbank ergeben. „Je größer der Nachlass, desto mehr wird gestritten“, sagt Jan Bittler, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge (DVEV). Übersteigt der Wert des Nachlasses die Summe von 100.000 Euro, kommt es in jedem vierten Fall zu Streit. „Bei größeren Vermögen würde ich schätzen, dass es sogar bei jedem zweiten Fall Ärger gibt“, sagt Löschen.

Die Zahl der reichen Erben nimmt seit Jahren zu. Mehr als 800.000 Millionäre gibt es in Deutschland und mehr als hundert Milliardäre. Insgesamt liegt das jährlich vererbte Vermögen in Deutschland laut Postbank bei 233 Milliarden Euro, zehn Milliarden mehr als noch im Vorjahr. Im Jahr 2020 dürfte die vererbte Summe bei 330 Milliarden Euro liegen. 

Wenn nach dem letzten Willen die Fetzen fliegen, kostet das viel Geld. Die Kosten für Anwälte, Gerichte, Steuern sowie Notare, Gutachter und Grundbuchämter können bei großen Vermächtnissen schnell im sechsstelligen Bereich liegen.

Nicht nur bei gerichtlichen Auseinandersetzungen gefährdet Uneinigkeit das Erbe. Die wenigsten Vermögen sind liquide. Besteht ein Begünstigter auf schnelle Auszahlung, müssen Wertpapiere, Kunstsammlungen und Immobilien kurzfristig und weit unter Marktwert verkauft werden. Dann steht nicht nur das Lebenswerk zur Disposition – sondern der Wohlstand der nachfolgenden Generationen. „Ein Hauptrisiko für Familienvermögen ist die Übertragung in die nächste Generation“, sagt Reinhard Berger, Präsident der Investmentgesellschaft Valluga AG. Vor allem wenn ein Großteil des Vermächtnisses in einem Unternehmen steckt, drohen Probleme. „Auch eine mangelhafte Streuung in verschiedene Anlageklassen birgt Risiken“. Die Erfolgsformel sei eine rechtzeitige und strategisch geplante Aufteilung des Nachlasses.

Trotzdem schlampen viele Erblasser bei ihrem letzten Willen. Nach einer Umfrage von Packenius Mademann unter tausend Teilnehmer hat nur jeder fünfte seinen Nachlass „zu seiner Zufriedenheit geregelt“. Jeder Dritte hat das Thema Erbschaft noch nie in der Familie angesprochen. Und jeder Fünfte befürchtet in seiner Familie einen Streit ums Erbe.

Handelsblatt Online hat hinter die Kulissen der sonst so verschwiegenen wohlhabenden Familien geschaut. Fünf spektakuläre Echtfälle zeigen, mit welchen Problemen Erblasser und Begünstigte zu kämpfen haben, wenn der Nachlass nicht sorgfältig geregelt wurde. Das Dossier schildert Gier und Prasserei, aber auch seelische Krisen und persönliche Überforderung.

Kommentare zu " Der Erben-Report: Die Prasser, die Labilen und die Gierigen"

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  • Über die Dauertestamentsvollstreckung freuen sich vor allem die damit beauftragten Notar und Vermögensverwalter. Wer das vor hat, sollte sich wenigstens vorher die Honorare zeigen lassen und festschreiben.

  • @el_condor_pasa

    In Deutschland gibt es ca. 900.000 Sterbefälle pro Jahr.

    Bei einem Erbschaftsanfall von 233 Mrd Euro müsste die „durchschnittliche Erbschaft“ schon bei ca. 250.000 Euro liegen. Das halte ich schlichtweg für absolut übertrieben, da ältere Personen nicht vermögender sind als Durchschnittsdeutsche (im Gegenteil, in der Rente und Pflege wird eher Geld verbraucht).

    Im Übrigen ist die Erwerbsquote seit 1950 deutlich gestiegen (heute arbeiten über 50 % der Deutschen) und 35 % sind in Rente/Pension.

    Schaut man sich das Aufkommen aus der Erbschaftssteuer an oder sucht man die „faulen“ Erben tatsächlich etc. wird man feststellen, dass hier eine Mär von massenhaften, ererbten Reichtum aufgeblasen wird.

  • Die Dauertestamentsvollstreckung ist m.E. keine Lösung, um Pflichtteilsforderungen im vorliegenden Fall zu begegnen. Wenn die Kinder mehr oder weniger dringend auf Geld angewiesen sind, werden Sie ihren Plfichtteil (in bar!) fordern. Das können Sie, weil eine Testamentsvollstreckung als Beschwerung gilt und damit den Erben ermöglicht, auszuschlagen und den Pflichtteil zu fordern! Testamentsvollstreckung und insbesondere Dauertestamentsvollstreckung erfreut vor allem den Testamentsvollstrecker, kann er doch für die Wahrnehmung der Testamentsvollstreckung eine entsprechende Vergütung verlangen. Der eine oder andere lebt allein davon!

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