Der gierige Comdirect-Vertrieb
Immer einen starken Fuß in der Tür

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„Schlimmer Vertrauensbruch“

Rechtsanwälte haben ihre Zweifel an der Beratungsqualität der Banktochter. „Die cpf vertrieb eine Vielzahl von Kapitalanlagen an Privatkunden, bei denen Rückvergütungen bezahlt wurden“, sagt der auf bankrechtliche Prozessführung spezialisierte Rechtsanwalt Nikolaus Sochurek. „Es darf bezweifelt werden, dass jedenfalls vor Umsetzung der EU-Finanzmarktrichtlinie in den Beratungsgesprächen ordnungsgemäß über Rückvergütungen aufgeklärt wurde.“ Auch die mit den Fonds verbundenen Weichkosten seien in den Beratungen vielfach kein Thema gewesen. Sochurek vertritt gegenwärtig rund 50 geschädigte Kunden der einstigen cpf.

Bei der Comdirect wiegelt man ab. „Das Finanzmarktrichtlinie-Umsetzungsgesetz ist am 1. November 2007 in Kraft getreten. Zum Beratungszeitraum galt es ausschließlich für Finanzinstrumente, wie zum Beispiel Investmentfonds, nicht jedoch für geschlossene Beteiligungen“, sagt Pressesprecherin Christiane Krämer. „Für Investmentfonds hat die cpf ab Sommer 2007 die Höhe der Provision offengelegt. Ab 2009 wurde in den Beratungsdokumentationen für Beteiligungen die Provision genannt.“

Seit März gibt es nun ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs (Az. III ZR 160/12). Danach waren die Berater der cpf nicht verpflichtet, die Kosten der Beratung von sich aus offen zu legen. Seitens der Comdirect wird zudem darauf hingewiesen, dass in den vergangenen Jahren von diversen Gerichten rechtskräftig entschieden wurde, dass das Vorgehen der cpf-Berater den damaligen rechtlichen Anforderungen entsprach (OLG München, LG Hannover, eine andere Kammer des LG Stuttgart, diverse Kammern des LG München I, LG Itzehoe und LG Frankfurt).

Das Dilemma besteht in einem Interessenkonflikt, der sich so einfach nicht lösen lässt. Regelmäßig kassieren Vermittler Prämien von Fondsgesellschaften, wenn sie deren Produkte verkaufen. Und bei einigen Finanzprodukten bekommen Vermittler mehr als bei anderen. Da ist die Versuchung groß, die besser bezahlten Produkte zu verkaufen.

Das war ein Grund, warum viele deutsche Banken und Sparkassen ihren Kunden vor der Finanzkrise etwa Zertifikate der US-Bank Lehman Brothers verkauften oder geschlossene Beteiligungen besonders beliebt sind. Verbraucherschützer kritisieren schon länger: Unabhängige Finanzberatung und Bezahlung über Verkaufsprovisionen passen nicht zusammen.

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  • Hallo Querbanker,
    die betroffenen alten und unwissenden Kunden gibt es genauso wie die Zocker von denen Sie sprechen. Leider sind es oft die Falschen die klagen. Ältere Menschen haben nach meiner Erfahrung oft nicht den Mut und die Lust auf einen Prozess und lassen sich leicht einreden, dass es doch ihr eigener Fehler war. Des Weiteren sind die "Berater" ja auch so "nett" gewesen.
    Allerdings kann ich recht sicher sagen, dass das Ganze nicht so einfach ist wie Sie oder das HB das darstellen. Zum einen sind nach 3 Jahren viele Fälle verjährt und zum anderen sind Vermittler, wie die von der CPF nur zur Offenlegung der Provision verpflichtet, wenn die Vertriebsprovision (nicht die Weichkosten) höher als 15% lag und das ist nur selten der Fall, um nur die wichtigsten Punkte zu nennen, damit ein Prozess aktuell gewonnen werden kann (einen Vergleich bekommt man je nach Situation schon leichter).
    Persönlich muss ich Ihnen aber sagen, dass Sie mir nicht so kompetent vorkommen, wie Sie sich hier äußern. Ein guter Vermittler hätte schon immer oder spätestens vor einigen Jahren einen Bogen um Schifffonds gemacht. Das war, wie einiges andere auch, sehr wohl zumindest teilweise absehbar. Und schließlich zählt aus meiner Sicht das Preis- Leistungsverhältnis. Das ist bei Beteiligungen mit hohen Weichkosten immer schlecht und dazu gehören praktisch fast alle Schifffonds. Sie scheinen auch noch das volle Agio von Ihren Kunden zu nehmen, so dass die Rendite und die Chancen noch mehr geschmälert werden. Bei einer Innenprovision von i. d. R. 5-10% reicht meines Erachtens die Innenprovision völlig für Ihre Beratungsleistung aus. Wie betreuen Sie denn Kunden mit Schiffsbeteiligungen? Sie können bei den meisten Beteiligungen nichts für Ihre Kunden machen, da kein vernünftiger Handel besteht. Für was wollen Sie also eine fehlende Bestandsprovision kompensiert haben?

    Viele Grüße von einem Gutachter

  • Ich kann Querbanker nur zustimmen. Wie praktisch es doch für die meisten Anleger ist, ihre falsche Investmententscheidung jetzt mit der Begründung, nicht über etwaige Provisionen aufgeklärt worden zu sein, auf den Anlageberater bzw. die Bank abzuwälzen. Keinen dieser Kunden hat die Provision interessiert. Die Vermutung aufklärungsrichtigen Verhaltens wird hier ad absurdum geführt. Hätte der Kunde, wäre er tatsächlich über die Provisionen aufgeklärt worden, nur eine andere Entscheidung treffen können, nämlich vom Geschäft Abstand zu nehmen? Nein, es wären verschiedene Reaktionen denkbar gewesen. Abstand von dem Geschäft hätten wohl die wenigsten genommen. Es ging dem Kunden lediglich um eine möglichst hohe Rendite. Gierig war da ganz sicher nicht nur die Bank. Die, die Kritik üben, könnten ja auch mal versuchen Ihr Auto nach Jahren noch zurückzugeben. Ihr Autohändler hat sie sicher nicht darüber aufgeklärt, wieviel Provision er am Verkauf des Fahrzeugs verdient hat.

    Zudem lässt der Artikel außer Acht, dass es zahlreiche Urteile zugunsten der Vermittler gibt, die keine Falschberatung feststellen.

  • Ich habe nicht gesagt, dass ich immer die richtigen Anlageideen hatte. Hab auch schon ein paar mal bluten müssen.

    Aber wenn die sogenannten Berater vorab wüssten, wie sich die Märkte entwickeln, dann müssten sie nicht Klinken putzen, sondern hätten ihre Jacht im Mittelmeer.

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