Detektiv im Interview: „Blaumachen ist Volkssport“

Detektiv im Interview
„Blaumachen ist Volkssport“

Die Zahl der Krankmeldungen steigt. Arbeitgeber beauftragen Detektive, um Blaumacher zu entlarven. Einer davon verrät, wie er observiert, wann Mitarbeiter den Job riskieren und warum Chefs Fälle konstruieren möchten.
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Herr Lentz, jeder Arbeitnehmer meldet sich im Schnitt knapp drei Wochen pro Jahr krank. Der Winter war mild, eine Epidemie ist nicht in Sicht. Warum steigen die Krankenstände?
Tja, da liegt natürlich die Vermutung nahe, dass viele Mitarbeiter krankfeiern. Laut der Auswertung einer Krankenkasse stiegen die Fehlzeiten 2013 um knapp 25 Prozent, ohne das es dafür einen triftigen Grund gibt.

Viele Vorgesetzte ärgern sich über Mitarbeiter mit hohen Fehlzeiten. Wie häufig machen Mitarbeiter blau?
In Deutschland gibt es dazu leider keine verlässliche Statistik. In unserer Detektei gehen wir jedes Jahr rund 400 Fällen nach, bei denen ein Anfangsverdacht der unrechtmäßigen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall vorliegt. In acht von zehn Fällen können wir nachweisen, dass die Mitarbeiter sich nicht um ihre Genesung bemühen, sondern ihren Hobbys oder sogar Zweitjobs nachgehen. Natürlich melden sich bei uns nur Unternehmer, die bereits eine Vorauswahl getroffen haben.

Wer meldet sich bei Ihnen, um seine Mitarbeiter überwachen zu lassen?
Verschiedene Branchen. Häufig sind etwa Handwerker, Kfz-Gewerbe, Gartenbau, Bauindustrie, aber auch Dienstleister. In einigen Branchen erleben wir Sonderkonjunkturen. Beim Gartenbau werden beispielsweise häufig Mitarbeiter in den Sommermonaten krank. Dann erhalten sie das Geld vom Chef und können gleichzeitig schwarz bei anderen Auftraggebern anheuern. Blaumachen ist ein Volkssport.

Feiern auch Vorgesetzte krank?
Ja. Wir hatten sogar Geschäftsführer, die trotz Attest an der Gründung eines anderen Unternehmens arbeiteten.

Wie ermitteln Sie?
Vor der Observation klären wir alle Eventualitäten. Fährt die Person gerne Rad oder Motorroller? Hat sie bestimmte Hobbys? Dann folgen wir dem Mitarbeiter, wenn er das Haus verlässt und dokumentieren die Aktivitäten per Bild und Video. Wir setzen dazu etwa Videokameras in Brillen ein und haben sogar Armbanduhren, mit denen wir fotografieren können.

Kommentare zu " Detektiv im Interview: „Blaumachen ist Volkssport“"

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  • @Jens Hagen: "Ihr Honorar fällt mit bis zu 75 Euro die Stunde geradezu fürstlich aus."


    Der Redakteur (und seine Vorgesetzten) setzen sich mit solchen Schwachsinnsfragen dem Verdacht aus, dass sie nur prekäre Arbeitsverhältnisse gewohnt sind - im Journalismus ja weit verbreitet. Oder das sind Angestellte, die mit so einer Perspektive in einer Wirtschaftszeitung wie dem Handelsblatt völlig verkehrt sind:

    * Eine Detektei muss Leute vorhalten, ein Büro unterhalten, Werbung machen, Steuern zahlen, Weiterbildung finanzieren usw. Damit halbiert sich der Stundensatz schon mal.

    * Ausrüstung und Spesen (Auto, Verpflegungsmehraufwand...) müssen auch gezahlt werden.

    * Der Chef braucht noch etwas Gewinn und muss Rücklagen bilden.

    * Dann gehen die Arbeitgeberanteile des Angestelltenlohns ab.

    * Was dann noch für denjenigen übrig bleibt, der die eigentliche Arbeit macht, ist nicht mehr berühmt. Mehr als 2000 EUR Bruttolohn werden da nicht rauskommen - unplanbare Nacht- und Wochenendarbeit eingeschlossen und ständig unterwegs. Kurz: ein Scheißjob!

    Ansonsten: Untersuchen Sie mal Ihre letzte Handwerkerrechnung: Unter 40 EUR/h geht da kaum was und am Material verdient der Handwerker schließlich auch noch.

  • Tatsächlich ist die Abwesenheitsquote wegen Krankheit bei den Beamten am höchsten. Grund: Das volle Gehalt läuft weiter, keine Möglichkeit der Kündigung. Ich sehe diese trotz Krankheit oft auf dem Golf- bzw. Tennisplatz.
    Dann machen diese auf burn-out und erzwingen ihre Pensionierung. Gerade die öffentlichen Arbeitgeber sollten öfter mal eine Detektei einschalten. Tun sie aber nicht, der Steuerzahler zahlts ja.

  • Ich bin verwundert über dieses "Interview".

    Wieso ist es gestaltet wie die kostenlose Werbung eines Dienstleisters im Handelsblatt u.a. mit Preisangaben?

    Wo bleiben die kritischen Anmerkungen des Journalisten zu rechtlich (insbesondere datenschutzrechtlich und strafrechtlich) fragwürdigen Aussagen?
    In concreto: "...Wir können alles fotografieren, so lange wir keine Hilfsmittel anwenden oder uns ungebetenen Zugang verschaffen...
    Und? Haben Sie den Mann auf frischer Tat erwischt?
    Nein. Er bat uns herein und wir sahen sofort sein Krankenlager, auf das er sich schwer hustend zurückzog. Wir machten ein Foto von der Couch mit einer versteckten Kamera. In diesem Fall durften wir das, weil wir den Observanten so vor falscher Verdächtigung schützen konnten."

    --) Ist das so? Durfte die Detektei das tatsächlich?
    Ich empfehle in der gebotenen Kürze an dieser Stelle grundsätzlich die Lektüre von Art. 13 I GG, das Lesen des § 201a StGB (Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen) sowie der §§ 43, 44 BDSG. Des Weiteren hilft die Kenntnisnahme der entsprechenden Kommentierungen und der höchstrichterlichen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes zu Fragen der prozessualen Beweisverwertung u.a. in Kündigungsschutzprozessen, um diese Aussage mit Bedenken sacken zu lassen.

    Um es klar zu sagen: Wohnungen von außen oder innen ohne Einverständnis des Betroffenen zu fotografieren, kann zumindest einen Datenschutzverstoß darstellen. Wird zudem der Arbeitnehmer in der Wohnung abgelichtet, sind wir zusätzlich schnell beim Straftatbestand des § 201a StGB.

    Schade, dass Herr Hagen als verantwortlicher Redakteur an keiner Stelle kritisch hinterfragt hat, sondern undifferenziert alles als "Gott gegeben" hingenommen hat.

    Detektivarbeit ist wesentlich komplexer und juristisch anspruchsvoller als hier vermittelt. Spätestens ein Richter wird das im konkreten Fall zum Ausdruck bringen.

    Rechtsassessor Paul H. Malberg, Wirtschaftsdetektei PROOF-MANAGEMENT GMB

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