Detektiv Medard Fuchsgruber
Wie der „Robin Hood des Kleinanlegers“ seine Pferde verlor

Wirtschaftsdetektiv Medard Fuchsgruber hat nicht nur Ärger mit Mandanten und der Staatsanwaltschaft. Jetzt hat ihm die Amtstierärztin auch sein Gestüt geschlossen. Fuchsgruber wittert eine Verschwörung.
  • 0

BerlinZuweilen komme es ihm vor, als wenn er ständig Feuer austreten müsse. So beschreibt der bekannte Wirtschaftsdetektiv Medard Fuchsgruber seinen Alltag. Seit Jahrzehnten recherchiert er Finanzjongleuren, Bankrotteuren und Betrügern hinterher. Fuchsgruber ist im grauen Kapitalmarkt eine bekannte Größe. Vielen Opfern gilt er als „Robin Hood des Kleinanlegers“.

Seit einiger Zeit läuft es nicht mehr rund für den Privatschnüffler. Wie das Handelsblatt im Juli berichtet hat, ermitteln Staatsanwälte gegen Fuchsgruber wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue. Ex-Mandaten werfen dem Detektiv zudem vor, er nehme satte Honorare und liefere wenig Ergebnisse. Überdies legen Daten der Wirtschaftsauskunftei Creditreform nahe, dass seine Detektei kurz vor der Pleite steht. Fuchsgruber hat die Vorwürfe kategorisch bestritten. Er glaubt an eine Intrige, die anonyme Heckenschützen gegen ihn anzettelten. Geschäftspartnern, die ihn angezeigt haben, unterstellt er selbst unlautere Motive.

Bei einer weiteren Unternehmung hat der Detektiv gerade eine deftige Bauchlandung hingelegt. In seinem Heimatort Ottweiler hat er bis Anfang des Jahres ein Gestüt betrieben. Auf dem Pachthof hielt er 18 Pferde, eigene und Tiere anderer Eigentümer. Die Zucht englischer Vollblütern für Galopp-Rennen kann ein einträgliches Geschäft sein. Doch Anwohnern fiel der dem Anschein nach schlechte Zustand der Pferde auf, die nur unregelmäßig gefüttert worden sein sollen. „Im Winter hat meine Frau Zusatzfutter und Wasser auf eine Koppel gebracht, um den Tieren zu helfen“, erzählt ein älterer Herr aus der Gegend.

Anfang 2016 schaltete sich die Amtstierärztin ein. Sie mahnte mehrfach an, dass Fuchsgruber die Versorgung seiner Tiere verbessern sollte. Wie das zuständige Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz in Saarbrücken auf Anfrage mitteilt, ließ der Detektiv keine Einsicht erkennen. Die Amtstierärztin habe schließlich durchgegriffen und im August zwei Stuten mit ihren Fohlen vom Hof geholt. Die Tiere hätten unter zuvor "erheblicher Vernachlässigung" gelitten. Im Dezember folgte dann der Paukenschlag: Die Amtstierärztin untersagte Fuchsgruber, Pferde zu halten. Alle Pferde wurden daraufhin vom Gestüt abtransportiert und die Tiere aus dem Besitz des Detektivs zwangsverkauft.

Mit dem Ende seiner Karriere als Pferdezüchter will sich Fuchsgruber nicht abfinden. Dem Handelsblatt schreibt er: „Ich bestreite nachdrücklich den Vorwurf, die Tiere vernachlässigt zu haben.“ Ihm liege ein Gutachten der Pferdeklinik St. Georg in Trier vor, dass Anfang des Jahres keine Anzeichen für eine Vernachlässigung der Tiere festzustellen gewesen sei. Fuchsgruber sieht eine Verschwörung am Werk. Die Vorwürfe basierten auf Zeugen, die bei Zucht und Handel mit Hunden Illegales getan hätten und geschützt werden sollten. Er habe zur Aufdeckung beigetragen, „was man wohl schon als ein Motiv für negative und belastende Aussagen gegen mich ansehen könnte“. Die Richter des Verwaltungsgerichtes vermochte er mit dieser Version nicht zu überzeugen. Der Detektiv prozessiert seit Januar gegen das Verbot. Nun hofft er noch auf das Oberverwaltungsgericht in Saarlouis.

Das Saarland hat der Wirtschaftsermittler inzwischen Richtung Düsseldorf verlassen. Die Amtstierärztin hatte bemängelt, dass auf dem Gestüt in Ottweiler zeitweise keine "sachkundige Person" vor Ort gewesen sei. Fuchsgruber sagt, er hätte qualifizierte Personen beschäftigt. Doch das habe sich als nicht praktikabel erwiesen, „sodass ich mich entschieden habe, selbst entsprechende Sachkundenachweise zu erwerben.“ In NRW will sich der „Robin Hood“ zum Pferdewirt fortbilden lassen.

Kommentare zu " Detektiv Medard Fuchsgruber: Wie der „Robin Hood des Kleinanlegers“ seine Pferde verlor"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%