DVAG, Helsana, Knip
Runde zwei im Kampf zwischen Versicherern und Fintechs

David gegen Goliath: Der Streit zwischen Fintechs und der etablierten Versicherungsbranche zieht immer weitere Kreise. Ein Versicherer hat die Zusammenarbeit mit einem Fintech gekündigt. Das Start-up setzt sich zur Wehr.

BerlinEin Blogeintrag des Finanzberaters DVAG hatte kürzlich eine Lawine in der Versicherungsbranche losgetreten. Wer sich als Kunde mit den neuen Wettbewerbern einlasse, gehe womöglich große Risiken ein, warnte DVAG-Vorstand Helge Lach in seinem Beitrag. Der Gesetzgeber stelle hohe Anforderungen an jeden Versicherungsvermittler und besonders hohe an Versicherungsmakler.

Es sei aber „davon auszugehen, dass nicht alle Fintechs diese vollumfänglich erfüllen“, schrieb der Manager der Gesellschaft, die vor allem Versicherungspolicen des  italienischen Versicherungskonzerns Generali verkauft. Die Fintechs – oder Insurtechs, wie die Unternehmen auch genannt werden – hatten diese Vorwürfe empört zurückgewiesen.

Nun aber hat ein Versicherer doch Konsequenzen gezogen: Die schweizerische Krankenversicherung Helsana hat die Zusammenarbeit mit dem Fintech Knip aufgekündigt. Das bestätigte Knip-Chef und Gründer Dennis Just im Gespräch mit dem Handelsblatt in der Firmenzentrale des Start-Ups in Berlin, nur wenige Schritte von dem traditionsreichen „Checkpoint Charly“ entfernt.

Dennoch ist Just gelassen, was die Folgen dieses Schrittes angeht. „Helsana war nicht der erste Versicherer, der uns gekündigt hat. Wirtschaftlich hat das für uns keine Folgen, schließlich verwalten wir nicht nur die Policen eines einzelnen Versicherers für unseren Kunden, sondern auch noch Verträge anderer Anbieter“. Helsana – nach eigenen Angaben der führende Kranken- und Unfallversicherer der Schweiz – habe rund 2000 Kunden angeschrieben und dabei „nicht zutreffende Vorwürfen erhoben“, etwa, dass Knip unberechtigt Gesundheitsdaten sammele. „In Reaktion auf das Schreiben von Helsana haben uns drei Kunden gekündigt. Das ist zwar schade, aber kein Problem“, erklärt Just.

Der 27-Jährige hatte sich zuvor im Streit mit der DVAG in einem offenen Brief zur Wehr gesetzt und dafür in den Reihen anderer Gründer viel Beifall, aber auch Kritik geerntet. Dabei sieht Just die Versicherer nicht als Konkurrent, wie er betont. „Wir sind eigentlich keine Konkurrenz für Versicherer, sondern in erster Linie für Makler“, sagt er. „Und die Ausbildung unserer Mitarbeiter ist die gleiche wie die eines klassischen Maklers. Auch ein digitaler Makler ist ein Makler.“ Das erklärt auch, warum vor allem von dieser Seite Gegenwind gegen die neue Konkurrenz kommt.

Knip kooperiert mit rund 70 Versicherern, wie Just erzählt. Deswegen ist Knip auch mit vielen Versicherungsmanagern im Gespräch. „Versicherer sind nicht diejenigen, die auf uns aufgeregt reagieren. Und wir wollen auch nicht gegen sie in den Krieg ziehen“, sagt er. Kein Wunder also, dass Alexander Erdland, Präsident des Versicherungsverbands GDV und Vorstandsvorsitzender W&W recht gelassen auf Fragen nach den Start-ups reagiert. Fintechs seien „Partner und Konkurrenz“, sagte er am Freitag vor Journalisten. Aber die Versicherer sollten sich von ihnen „nicht die Butter vom Brot nehmen lassen“ und sich angespornt fühlen, selbst innovativer zu werden.

Knip will in fünf Jahren zu den drei größten Maklern Deutschlands zählen. Von einer „gut fünfstelligen Kundenzahl“ soll sein Unternehmen dann auf eine „sechs- bis siebenstellige Kundenzahl“ wachsen. Die DVAG zählt derzeit übrigens über sechs Millionen Kunden.

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