DVAG kontra Knip, Clark und GetSafe: Deutsche Vermögensberatung erzürnt Fintechs

DVAG kontra Knip, Clark und GetSafe
Deutsche Vermögensberatung erzürnt Fintechs

In der Versicherungsbranche fliegen die Fetzen zwischen „old“ und „new economy“. Ein großer Versicherungsvertrieb greift Anbieter von Smartphone-Apps scharf an. Die Attackierten können es kaum fassen – und giften zurück.
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MünchenIn vielen Chefetagen der deutschen Versicherungswirtschaft wird gegrübelt, wie man in Zeiten von Apple, Amazon und Co. überleben kann und blickt dabei zugleich neugierig und ängstlich auf die so genannten Fintechs: Unternehmen, die sich derzeit mit dem Einsatz von Technologie im Finanz- und Versicherungsgeschäft breit machen. Jetzt hat ein Vertreter der alten Generation ungewohnt offen Kritik an der neuen Konkurrenz geäußert – und damit einen heftigen Schlagabtausch ausgelöst.

„Knip, Clark, GetSafe, simplr, asuro, treefin, TED oder FinanceFox – fast jede Woche erscheint derzeit eine neue Versicherungs- oder Finanz-App, die für ihre Nutzer alle vorhandenen Verträge bündeln will“, schreibt Helge Lach, Vorstandsmitglied bei der Finanzberatung Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG) in einem Blogeintrag. Und legt dann los: „Die kleinen Helfer sehen smart aus, arbeiten aber oft mit einer Maklervollmacht“, kritisiert Lach. „Ob die User wissen was sie tun, wenn sie sich registrieren“. Die Tragweite einer Maklervollmacht sei wohl kaum einem Verbraucher bewusst: Dass der so bevollmächtigte Anbieter sogar das Recht habe, im Namen des Kunden Verträge zu kündigen und neu abzuschließen.

„Ahnt der Kunde im Einzelfall, dass ihm zum Beispiel bei der Umdeckung einer Kranken- oder Lebensversicherung ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden entstehen kann? Wurde er darauf vom App-Betreiber aufmerksam gemacht?“. Wer sich auf die neuen Wettbewerber einlasse, „setzt sich dem Risiko aus, durch die Maklervollmacht bei der Versicherung elementarer Lebensrisiken im digitalen Blindflug unterwegs zu sein“, schreibt Lach. „Und genau deshalb stellt der Gesetzgeber hohe Anforderungen an jeden Versicherungsvermittler und besonders hohe an Versicherungsmakler. Es ist davon auszugehen, dass nicht alle Fintechs diese vollumfänglich erfüllen“.

Es ist eine heftige Attacke des Finanzvertriebs, der etwa Produkte der Aachen-Münchener im Angebot hat und wegen seiner hierarchischen Verkaufsstrukturen selbst häufig kritisiert wird. Nun holen die Fintechs zum Gegenschlag aus. Die „Aussagen stellen reine Vermutungen dar“, entgegnet Clark, von denen ein Screenshot in den Blogeintrag abgebildet wurde. Durch „optische Manipulation wird versucht zu suggerieren, Clark würde ohne Einverständnis der Kunden eigenständig Verträge abschließen oder kündigen“, das stimme nicht.

„Die DVAG hat in den letzten Jahren keine nennenswerten digitalen Innovationen hervorgebracht – obwohl ihre Kunden in vielen anderen Lebensbereichen längst digitale Services nutzen. Nun versucht sich die DVAG dagegen zu wehren, dass Innovationen von neuen Marktteilnehmern kommen“, heißt es in einem Statement. „Zukünftig werden die Unternehmen erfolgreich sein, die alle Anstrengungen auf die Steigerung der Kundenzufriedenheit ausrichten. Wer das nicht macht, hat keine andere Möglichkeit, als vor Digitalisierung und Innovation zu warnen“.

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„Ihr seid der Grund, warum es uns überhaupt gibt!“

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  • Herr Singer,

    guter aufschlussreicher Beitrag zu der ohnehin schon verrufenen Branche. Nicht umsonst scheint der Versicherunsgsverteter auf dem letzten Platz der beliebtesten Berufe zu sein. Beliebtesten ist dann noch geschmeichelt.

    Die Fintechs' werden das ramponierte Image in der Branche so aber nicht blank polieren können, wenn man wieder einmal Gesetzeslücken umschiffen will.

    Und schon gar nicht bei einem umstrittenen Strukturvertrieb mit dem miserabelsten Image die nur primär eine Fondsgebundene Rentenversicherung der AachenMünchner an den Mann -sprich Frau- bringen will.

  • soso... da streiten also zwei Mafiafamilien? *ggg*

    Aber jetzt mal ehrlich, da gibt es keinen Unterschied zwischen old and new economy... das ist dasselbe, nur mit unterschiedlichen Vertriebswegen.

    Die Versicherungsbranche ist ein Riesenproblem, und von Ergos Incentives will ich da gar nicht reden. Eigene Erfahrung: ich wurde von jemanden geschädigt, der bei der Allianz versichert war. Irgendwann habe ich den sinnfreien Briefverkehr mit der Allianz eingestellt... ohne Rechtsanwalt kommt man da nicht weiter, und das ist auch das Konzept. Der Fall war eindeutig, sie wollten halt nicht zahlen! Also, wer jemanden, den er schädigt noch verklagen will... auf zur Allianz!

    Dann war da noch was mit den Rückstellungen der Lebensversicherungen? Unsere Politik hat mal wieder großzügig auf das Geld der anderen verzichtet... und sowas funktioniert... also, man kann auch nicht mehr wirklich was erwarten in der Branche!

  • Fintechs und Insurtechs nutzen m.E. derzeit Lücken der Kontrollorgane BAFIN und IHK'n. Das Geschäftsmodell ist durchaus zu hinterfragen. Wenn ich mir anschaue wie schnell eine Versicherung zum Abschluss gelangt, ohne großartig auf wesentliche Bedingungen einzugehen, ohne Beratungsdokumentationen, kurzer Klick auf die InfoVerO etc. Von den allgemeinen Informationspflichten bei der Versicherungsvermittlung mal abgesehen.
    Hier nutzen diese Vertriebszweige geschickt die Gestaltungsmöglichkeiten von Maklervollmachten. Hiermit wird vollständig die eigentliche Informationsverpflichtung umgangen.
    Gefühlt herrscht bei diesen Techs eine Goldgräberstimmung. Wie nachhaltig und kundenfreundlich diese "Vermittler" wirklich sind, wird sich vermutlich erst in einiger Zeit herausstellen. Die Versicherer oder Bankinstitute spielen bei diesen Unternehmen als Risikoträger der eigentlichen Versicherung, oder Kreditgeber, zu gerne mit.
    Die Institute suchen sich somit neue Plattformen oder Plattformpartner und machen sich zum Sklaven der neuen Fin u. Insurtech Branche.
    Allem voran R+V, Ergo, AXA usw.

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