Euro Grundinvest

Der größte Teil der Anlegermillionen ist weg

Die Euro Grundinvest galt bislang noch als eines der solideren Anlageprodukte des schillernden Malte Hartwieg. Erstmals erfuhren Anleger nun, wie es dort um ihre Investments steht. 90 Prozent des Einsatzes sind wohl weg.
Update: 31.08.2016 - 13:48 Uhr

Düsseldorfa

Kosten weit über dem Verkaufserlös. (Foto: PR)
Euro Grundinvest-Projekt Jacobi Palais in München

Kosten weit über dem Verkaufserlös. (Foto: PR)

Auf der Webseite der Euro Grundinvest scheint noch alles in Ordnung zu sein. „Im Plan“ oder gar „über Plan“ steht dort neben jedem der von 2010 bis 2013 aufgelegten geschlossenen Immobilienfonds, die hauptsächlich in München das Geld der Anleger investieren sollten. Darunter Lobeshymnen für das Investment aus einigen Branchendiensten, Motto: „In München geht die Post ab“.

Dabei ist der Traum vieler Anleger, mit ihren Ersparnissen dort Renditen von acht Prozent zu erzielen, längst ausgeträumt. Auf einer Gesellschafterversammlung der Euro Grundinvest 15, einem Fonds, dem auch der Münchner Wohnkomplex Jacobi Palais gehört, erfuhren nun die mehr als hundert nach Freising angereisten Gesellschafter das ganze Desaster ihres Investments.

Wie Sie dem Niedrigzins ein Schnippchen schlagen
Tages- und Festgeldkonten werfen kaum etwas ab:
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Sparer haben es im Euro-Raum derzeit schwer. Auf Tages- und Festgeldkonten gibt es kaum noch Zinsen und es sieht nicht so aus, als ob die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins in der nächsten Zeit erhöhen wird und so Sparern wieder zu mehr Einnahmen verhilft. Für Kleinanleger kann es sich durchaus lohnen, in Aktien zu investieren. Allerdings sollten sie einige Regeln beachten.

Europaweit niedrige Zinsen
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Eine solche Situation, wie sie derzeit an den Märkten herrscht, ist nicht nur für die Kanzlerin Neuland.

Welche Produkte eignen sich für Einsteiger?
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Gut geeignet für Einsteiger sind sogenannte ETF, börsengehandelte Indexfonds. Anleger setzen damit auf die Entwicklung bestimmter Indices, wie zum Beispiel den Deutschen Aktien Index (Dax). Allerdings sollten Aktienneulinge nicht auf den Dax setzen, sondern auf breit gestreute Fonds, die nicht nur den deutschen, sondern mindestens den europäischen Aktienmarkt umfassen. Laut „Finanztest“ sind globale Fonds am besten geeignet. Sie umfassen nicht nur Aktien verschiedener Länder, sondern zusätzlich Wertpapiere unterschiedlichster Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Ihr Risiko ist also weit gestreut. Beispiele für mögliche ETF sind der MSCI World-Index oder der Stoxx Europe 600.

Wie groß ist das Risiko bei ETF?
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Aktienanlagen sind immer mit einem gewissen Risiko verbunden, auch Investitionen in ETF. Andere Fonds – zum Beispiel Branchenfonds – sind potentiell aber um einiges riskanter. Grundsätzlich sollten Durchschnittssparer beachten, dass sie nur Geld investieren, welches sie langfristig entbehren können – laut „Finanztest“ mindestens für zehn Jahre, besser noch länger. So lassen sich auch zwischenzeitliche Börseneinbrüche aussitzen.

Was ist mit Aktien einzelner Unternehmen?
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Wer Einzelaktien kauft, ist dem Unternehmen „auf Gedeih und Verderb“ ausgeliefert, warnt Beckerle. In einigen Fällen winken enorme Gewinne. Wer zum Beispiel Anfang 1997 Apple-Aktien für 1000 Dollar kaufte, ist heute um mehr als 200.000 Dollar reicher. Negativ ins Gedächtnis gebrannt hat sich vielen Anlegern in Deutschland das Beispiel der Telekom-Anleihe. Die „Volksaktie“ stieg zunächst rasant und fiel dann umso stärker. Beckerle rät Verbrauchern von Einzelaktien ab.

Gibt es den richtigen Zeitpunkt zum Aktienkauf?
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Nein. Auch wenn die Aktienmärkte gerade nur den Weg nach oben kennen, kann sich der Einstieg lohnen. Finanzexpertin Beckerle rät Verbrauchern zum Einstieg in Raten. Die festgelegte Anlagesumme wird dabei in mehrere Teilbeträge aufgeteilt und im Abstand von mehreren Wochen oder Monaten investiert. Eine weitere Möglichkeit sind dauerhafte monatliche Beträge, die in einen Fonds fließen.

Wo kaufe ich die Aktien?
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Für Einsteiger empfiehlt Beckerle den Kauf über eine Direktbank. Dort sei die Depoteröffnung und Verwaltung meist billiger als bei der Hausbank. Viele Hausbanken würden zudem ihre eigenen Fonds empfehlen, nicht unbedingt ETF. Allerdings: Direktbanken bieten ihren Kunden keine Beratungshilfe an. Wer dort Aktien kauft, muss vorher genau wissen, was er will. Versiertere Anleger, die sich für sogenannte gemanagte Fonds interessieren, fahren meist billiger, wenn sie die Anteile direkt bei Fondsvermittlern im Internet kaufen.

Den Fonds der Euro Grundinvest, die seit 2014 vom schillernden Start-up-Investor Sven Donhuysen geführt werden, gehören zwar Immobilien. Aber diese sind weit weniger wert, als dort angeblich investiert wurde. Sie sind nur zum geringen Teil in München. Welche Immobilie zu welchem Fonds gehört, ist unklar. Denn zwischen den Fonds wurde ständig Vermögen hin- und hergeschoben.

Wenn man den Ausführungen Donhuysens Glauben schenken will, dann war an allem der Vorbesitzer Malte Hartwieg schuld. Hartwieg, ein gelernter Maurer,  hatte einst den Fondsvertrieb Dima24 gegründet – und sich ein Geflecht aus mehr als 100 Firmen aufgebaut, darunter die Emissionshäuser Selfmade Capital, New Capital Invest und Panthera. Sie lockten mit Zinsen von 12 Prozent und mehr. 

Die Staatsanwaltschaft München hat ein Ermittlungsverfahren gegen Hartwieg eingeleitet, dort sind hunderte Strafanzeigen eingegangen. Der Verdacht: Hartwieg könnte ein illegales Schneeballsystem aufgebaut haben. Rund 60 Firmen aus seinem Imperium sind insolvent.

Ebenfalls eine Hartwieg-Gründung ist die Euro Grundinvest. Diese machte zunächst am wenigsten Schlagzeilen. Doch ab 2014 stockten auch dort die Ausschüttungen. Allein bei Euro Grundinvest investierten Sparer 70 Millionen Euro in die geschlossenen Fonds und noch einmal 23 Millionen in Genussrechte, wurde gestern bekannt gegeben.

Viel Zeit braucht die Staatsanwaltschaft. Sie hat zwar bereits Wertgegenstände von Hartwieg sichergestellt, doch bis es zu einer Anklage kommt, muss sie noch mehrere Terabyte Material durcharbeiten, sagte ein Sprecher dem Handelsblatt. Bei der Euro Grundinvest jedenfalls, das mussten die Gesellschafter an diesem Donnerstag erkennen, gibt es kaum noch andere Erklärungen, als dass es sich um ein Schneeballsystem handelt.

Das Prinzip eines solchen Systems: Bereits investierte Anleger erhalten ihre Ausschüttungen nicht etwa aus tatsächlich erwirtschafteten Renditen, sondern aus den Einzahlungen neuer Investoren. So lange ausreichend Neukunden auf den Trick hereinfallen, geht die Rechnung auf. Hartwieg versprach über seinen damaligen Anwalt mehrfach Aufklärung – und bat die Anleger um Geduld.

Zwei Millionen Euro im Jacobi Palais versenkt
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