Europa-Vergleich
Hier lauern die Kartenbetrüger

Der Betrug mit Kredit- und Debitkarten boomt. Kaum ist eine Schwachstelle beseitigt, finden Kartenbetrüger schon die nächste. Welche Länder Hochburgen der Kriminellen sind – und welche Rechte Verbraucher haben.
  • 4

DüsseldorfKurz nicht aufgepasst und schon ist das Portemonnaie gestohlen, mitsamt der Giro- und der Kreditkarte. Ein solcher Diebstahl kann schon zu Hause für ordentlichen Ärger sorgen. Noch schlimmer ist es im Urlaub. Überall gilt jedoch: Wer den Verlust bemerkt, muss schnell handeln und die Karte sperren lassen. Denn sobald Geld damit abgehoben wurde, kann der Bankkunde auf dem Schaden sitzen bleiben.

Im vergangenen Jahr sind die Verluste durch Betrug mit Kredit- und Debitkarten in den meisten europäischen Ländern wieder gestiegen. Am größten waren sie in Frankreich, hier wurden mehr als 442 Millionen Euro erbeutet – etwa neun Prozent mehr als im Jahr 2011. Das zeigt eine Analyse des Spezialisten für Betrugsbekämpfung FICO. „Maßnahmen zur Betrugsbekämpfung wie Chip und PIN haben die Betrugsquote zwischenzeitlich gesenkt, doch die Betrüger finden immer neue Schwachstellen und passen ihre Strategie an“, sagt Martin Warwick, Experte für Kartenbetrug bei FICO in Europa.

In einer interaktiven Grafik hat FICO die Entwicklung der Betrugsverluste in 19 europäischen Ländern zusammengefasst. Im Ranking der höchsten Verluste liegt Großbritannien hinter Frankreich auf Platz zwei. Hier gingen mehr als 410 Millionen Euro verloren – das sind 4,5 Prozent mehr als im Jahr 2011. Den dritten Platz belegt Deutschland mit 144 Millionen Euro – etwa sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Mit 700.000 Euro war der Schaden in Rumänien am geringsten.

„Beim Vergleich der Länderzahlen muss immer auch der nationale Kartenmarkt betrachtet werden“, sagt Warwick. Sind wenige Karten in Umlauf gebe es auch weniger Betrugsfälle. Europaweit sind die Betrugsverluste 2012 im Vergleich zum Vorjahr um rund sechs Prozent gestiegen. „Zu 50 Prozent waren die Entwicklungen in Frankreich für diesen Anstieg verantwortlich, 30 Prozent entfielen auf Großbritannien und Russland“, sagt Warwick.

Die hohen Verluste in Frankreich sind zunächst überraschend, denn die Franzosen waren einst Vorreiter beim Einsatz von Chip und PIN. Allerdings wurde hier nicht in eine Echtzeitüberprüfung der Karten investiert. „Es fehlt an einer Online-Autorisierung, deshalb kommt die Information, dass eine Karte gesperrt wurde, nicht im Ladengeschäft an“, so der FICO-Experte.

Kommentare zu " Europa-Vergleich: Hier lauern die Kartenbetrüger"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Da soll mir der Autor des Artikels doch bitte mal erklären, wie ich eine Girokarte im Internet einsetzen kann...?!?

  • Ein kleiner TAN Generator sollte hierbei für Abhilfe sorgen. Ich meine damit dieses Tamagotshi (???), was auf Knopfdruck /Zahlen TANs generiert.

    Geht auch im Kartenformat

  • Es gibt praktikable Sicherheitssysteme für Kreditkarten-Betreiber. Diese wurden auch den bekanntesten K-Betreibern angeboten.
    Dass diese Maßnahmen nicht umgesetzt werden kann nur damit erklärt werden, dass Missbrauchsfälle als Argument hoher Gebühren recht hilfreich sind.

    Ich zahle fast ausnahmslos mit Bargeld und EC-Karte. Kreditkarten verteuern unnötig den Warenverkehr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%