Europa-Vergleich Hier lauern die Kartenbetrüger

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Skimming kann ein Glücksfall sein

Glück im Unglück hat der Verbraucher, wenn er Opfer einer sogenannten Skimming-Attacke geworden ist. Diese Betrugsvariante war zwischenzeitlich sehr verbreitet. Dabei werden die Kartendaten beispielsweise an einem manipulierten Geldautomaten abgeschöpft. Ein Aufsatz vor dem Karteneinzug liest den Magnetstreifen aus und eine kleine Kamera filmt die Eingabe der PIN. Mit diesen Daten können Betrüger dann eine Doublette erstellen und mit der Kartenkopie plus PIN Geld abheben oder bezahlen.

Den Schaden, der durch Skimming entsteht, muss in der Regel die Bank zahlen. „Hier ist die Bank in der Beweispflicht, sie muss nachweisen, dass mit der Originalkarte Geld abgehoben wurde“, sagt Feck. Seiner Erfahrung nach erstatten Banken den Schaden in solchen Fällen jedoch zeitnah. Da das Geld meist im Ausland abgebucht wird, können Betroffene auch recht einfach darlegen, dass sie dort nicht gewesen sind. „Außerdem sind sie im Besitz der Originalkarte, so dass der Anscheinsbeweis hier nicht gilt“, erklärt der Verbraucherschützer.

Dank veränderter Technik geht die Zahl solcher Betrugsfälle jedoch stark zurück. Seit Januar 2011 müssen alle Debit- und Kreditkarten in Deutschland einen EMV-Chip tragen. Darin sind die Daten besser verschlüsselt als auf dem Magnetstreifen. Gefälschte Karten ohne Chip werden an den Geldautomaten in der Europa immer weniger akzeptiert. Nach Aussage der Kreditwirtschaft ist die Nutzung der gefälschten Karte in Deutschland nicht möglich. „Außerhalb Europas ist Skimming, also die Nutzung der Kartendoubletten, aber immer noch ein Problem“, sagt Feck. „Denn dort greifen die Geldautomaten häufig noch auf den Magnetstreifen zu.“

Abgegriffen werden die Daten deutscher Kartenbesitzer hierzulande aber immer noch. Nach Angaben von Euro Kartensysteme, einer Einrichtung der Deutschen Kreditwirtschaft, die sich um das Sicherheitsmanagement für Zahlungskarten kümmert, wurden im ersten Halbjahr 2013 in Deutschland 251 Geldautomaten manipuliert.

Kriminelle setzen Kartendubletten insbesondere in den USA, Kolumbien und Indonesien ein. Auch Ecuador, Thailand und Brasilien sind betroffen. Als Reaktion darauf haben viele Banken das sogenannte Geoblocking eingeführt: In einzelnen Ländern sind sie Karten nicht einsetzbar oder die Zahlungen sind auf einen kleinen Betrag begrenzt. Vor einer Reise sollten Bankkunden deshalb erfragen, ob sie ihre Karte am Urlaubsort nutzen können.

Wie Sie im Urlaub flüssig bleiben
Armut - Illustration
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Der Mix

Die Mischung macht’s. „Grundsätzlich sollte man sich im Urlaub nie auf ein einziges Zahlungsmittel verlassen“, rät Markus Feck, Rechtsanwalt und Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW.  Schließlich benötigt man noch eine Reserve, falls das Bargeld aufgebraucht ist oder eine Karte nicht akzeptiert wird.

huGO-BildID: 2221462 A man inserts euro bills in his purse in Bochum on Saturday Sept. 01, 2001. The leather-industry expects an increased demand for
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Bargeld

Ohne Bargeld geht es nicht. Verbraucherschützer raten jedoch, nicht mehr als ein Viertel des geplanten Reisebudgets in Form von Bargeld mitzunehmen. Wer die Euro-Zone verlässt, sollte vorab bereits einen Teil des benötigten Bargelds in die Landeswährung tauschen. Sind auch Euro-Scheine im Gepäck, sollten sich Verbraucher über die Vorgaben zur Deviseneinfuhr im Urlaubsland erkundigen.

Hamburg will Rechtsanspruch auf Girokonto
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Giro-Karte - Maestro

Was früher EC-Karte hieß, ist heute  die Girocard. Die meisten Girocards deutscher Banken tragen das Maestro-Zeichen, hier wird also mit Mastercard kooperiert. „Die Karten können in der Regel weltweit an Geldautomaten und an Kassen eingesetzt werden“, sagt Feck. Anders sieht es bei V-Pay-Karten aus…

Athen - Bank
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Giro-Karte -V-Pay

Die Karten des Konkurrenten Visa sind nur in den EU-Ländern einsetzbar, außerdem in der Schweiz, der Türkei, Island, Kroatien und Norwegen.

Kreditkarten
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Kreditkarten

Mit Kreditkarten von Mastercard und Visa können Kunden weltweit an Automaten Geld abheben und an der Kasse bezahlen. Dafür sollten sie sich aber auch ihre Geheimzahl merken.

EC-Karten
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Postbank Sparcard

Eine Besonderheit bietet die Postbank Sparcard. Kunden können damit zehn Mal im Jahr kostenlos Bargeld an Automaten mit Visa- und mit Plus-Zeichen abheben. Bei anderen Karten gilt grundsätzlich: Häufig kleine Beträge abzuheben, ist meist teurer als seltener etwas mehr Geld am Automaten zu holen.

Ausspähen von Bankdaten stark rückläufig
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Bankdaten schützen

Wie zu Hause gilt auch auf Reisen: Um die persönlichen Daten zu schützen, sollten Kunden immer darauf achten, dass sie ihre PIN verdeckt eingeben. „Zudem solle man Geldautomaten, die in Flughäfen aufgestellt oder außen an Gebäuden angebracht sind, meiden“, rät Feck. Zum einen könnten Betrüger solche Automaten leichter manipulieren. Zum anderen sei es für den Kunden teils schwierig herauszufinden, zu welchem Institut der Automat gehört. Das kann insbesondere dann problematisch sein, wenn der Automat den gewünschten Geldbetrag nicht ausspuckt. „Am besten nutzt man einen Automaten innerhalb einer Bank oder notfalls am Bankgebäude, rät der Verbraucherschützer.

Bei Betrugsarten, die ohne Vorlage der Karte funktionieren, schützen aber auch der EMV-Chip und das Blockieren einzelner Länder nicht. Typische Masche: Kriminelle nutzen gestohlene Giro- oder Kreditkartendaten für den Einkauf im Internet. Für den Verbraucher ist das zwar ärgerlich, bei rechtzeitigem Widerspruch haftet jedoch allein die Bank oder der Onlineshop. „Alles, was der Kunde tun muss, ist regelmäßig seine Kontoauszüge und die Kreditkartenabrechnung überprüfen“, sagt Feck. „Einer unrechtmäßigen Abbuchung kann er dann einfach widersprechen.“ Dass er doch selbst eingekauft hat, müsste die Bank beweisen.

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4 Kommentare zu "Europa-Vergleich: Hier lauern die Kartenbetrüger"

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  • Da soll mir der Autor des Artikels doch bitte mal erklären, wie ich eine Girokarte im Internet einsetzen kann...?!?

  • Ein kleiner TAN Generator sollte hierbei für Abhilfe sorgen. Ich meine damit dieses Tamagotshi (???), was auf Knopfdruck /Zahlen TANs generiert.

    Geht auch im Kartenformat

  • Es gibt praktikable Sicherheitssysteme für Kreditkarten-Betreiber. Diese wurden auch den bekanntesten K-Betreibern angeboten.
    Dass diese Maßnahmen nicht umgesetzt werden kann nur damit erklärt werden, dass Missbrauchsfälle als Argument hoher Gebühren recht hilfreich sind.

    Ich zahle fast ausnahmslos mit Bargeld und EC-Karte. Kreditkarten verteuern unnötig den Warenverkehr.

  • Nur Bares ist Wahres.

    Das sollte man eigentlich - völlig unabhängig vom Betrug - so langsam kapiert haben. Wieviel totalitäre Regierungen und Spitzelorganisation müssen noch auffliegen? Wieviel staatskriminelle Enteignungsphantasien müssen noch in die Welt hinausposaunt werden.

    Die Betrüger sind vergleichsweise harmlos. Die Regierungen sind die Gefahr - für die Freiheit.

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