Ex-Banker packt aus

„Dann ging es ins nächste Luxusbordell“

Warum empfehlen Berater untaugliche Anlageprodukte? Ein Ex-Banker erlaubt einen irritierenden Blick hinter die Kulissen des Geldgeschäfts. Ein Gespräch über Vorgaben der Vorstände, Provisionsgier und eindeutige Angebote.
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Frankfurt im Abendrot: Ein Interview erlaubt den Blick hinter die glänzenden Fassaden. Die Identität des Ex-Bankers bleibt zum Schutz Dritter anonym. Quelle: dpa

Frankfurt im Abendrot: Ein Interview erlaubt den Blick hinter die glänzenden Fassaden. Die Identität des Ex-Bankers bleibt zum Schutz Dritter anonym.

(Foto: dpa)

Sie waren lange Jahre als Anlageberater in leitender Funktion bei einer deutschen Großbank tätig. Jetzt arbeiten Sie als Vermögensverwalter. Warum haben sie gewechselt?
Ich konnte es nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren, meine Kunden über den Tisch zu ziehen.

Wie meinen Sie das?
In meiner Bank gab es klare Vertriebsvorgaben. Auf einer Tagung für Führungskräfte verkündete der Vorstand, dass wir ein neues Produkt verkaufen sollten, was für die meisten Anleger kaum sinnvoll war.

Um welches Produkt handelte es sich?
Ich erhielt die Weisung, Aktienanleihen zu einem Volumen von mindestens 200.000 Euro pro Monat zu verkaufen. Das war aber mit einer Beratung im Sinne der Kunden nicht vereinbar.

Wie hoch war das Vermögen der Kunden, das sie betreuten?
Rund 200 Millionen Euro.

Wie hoch wäre die Provision gewesen?
Der Vertrieb hätte zwischen einem und zwei Prozent Provision erhalten, die Spanne für die Bank dürfte insgesamt höher ausgefallen sein.

Was wäre gewesen, wenn sie die Vorgabe nicht erfüllt hätten?
Darüber kann ich nur spekulieren. Im Haus war es üblich, dass nach einer Phase subtiler Erhöhung des Drucks härtere Maßnahmen folgen konnten. In der Branche sind dann persönliche Krisengespräche mit dem Chef, Kürzungen der Boni aber auch Versetzungen oder gar die Trennung eine mögliche Folge.

„Die Branche sieht nicht gerne, wenn jemand das Nest beschmutzt“
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