Ex-Wölbern-Chef
Erst der Luxus, dann die U-Haft

Heinrich Maria Schulte, der ehemalige Chef des Hamburger Fondshauses Wölbern, leistete sich einst teure Gemälde, Uhren und Wein. Doch für Anleger gibt es bei ihm wenig zu holen.
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Düsseldorf/FrankfurtKein Andy Warhol an der Wand, keine Weinsammlung im Keller und keine Kostbarkeiten im begehbaren Bankschließfach. Stattdessen: eine Zelle in der Untersuchungshaftanstalt Hamburg. Heinrich Maria Schulte ist tief gefallen. Der Medizinprofessor und ehemalige Chef des Fondshauses Wölbern hatte einmal das, was Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin jetzt als „aufwendige Lebensführung“ bezeichnet. In seinem Gutachten zu Schultes Privatinsolvenz, das Handelsblatt Online vorliegt, listet der Anwalt genau auf, über welche Vermögen der Mediziner verfügte.

Rund 100 Gemälde soll er gesammelt haben, davon etwa 70 wertvolle, beispielsweise von Chagall und Kluge. Doch die hat Schulte lange nicht mehr gesehen, denn er ist bereits seit vergangenem September in Untersuchungshaft. Die Hamburger Staatsanwaltschaft wirft ihm gewerbsmäßige Untreue vor. Er habe unrechtmäßig rund 147 Millionen Euro aus den Wölbern-Fonds abgezweigt. Ihm drohen bis zu zehn Jahre im Gefängnis.

Schultes Anwalt wollte sich dazu gegenüber dem Handelsblatt nicht äußern. Im Prozess vor dem Hamburger Landgericht hatte Schulte selbst die Vorwürfe schon am zweiten Verhandlungstag zurückgewiesen. Die Entnahmen seien nur ein Teil eines größeren Gesamtbilds, es sei auch Geld an die Fonds zurückgeflossen. „Ich habe mich weder privat bereichern noch Anleger vorsätzlich schädigen wollen“, hatte der 60-Jährige damals gesagt. Am heutigen Mittwoch steht ein weiterer Verhandlungstag in dem Strafprozess an.

Was genau Schulte sein Eigen nannte, dürfte viele Anleger schockieren. Allein die Gemäldesammlung soll einen geschätzten Wiederbeschaffungs- beziehungsweise Versicherungswert von mehr als 1,12 Millionen Euro haben.

Für die sogenannte freie Masse, also das noch verfügbare Vermögen, veranschlagt Penzlin davon „aus Gründen kaufmännischer Vorsicht“ zunächst einmal die Hälfte. Außerdem hat wohl eine von Schultes drei Exfrauen Ansprüche an dem „Portrait of a Lady“ von Andy Warhol geltend gemacht.

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