EZB-Zinsentscheid Sparern drohen Milliardenverluste

Senkt die Europäische Zentralbank ihren Einlagenzins am Donnerstag unter null Prozent? Das ist sehr wahrscheinlich. Banken und Verbraucherschützer sehen Rücklagen für die Altersversorgung in Gefahr.
Update: 04.06.2014 - 17:02 Uhr 31 Kommentare

Was sich für Sparer jetzt noch lohnt

BerlinKurz vor dem mit Spannung erwarteten Zinsentscheid der EZB wächst in der deutschen Industrie und Bankenbranche die Sorge vor negativen Folgen der lockeren Geldpolitik. Eine weitere Zinssenkung wäre für die deutsche Volkswirtschaft bedenklich, sagte der Chef der staatlichen KfW-Förderbank, Ulrich Schröder, am Mittwoch. Die Niedrigzinspolitik sei schon jetzt hochriskant und begünstige Preisblasen: "Das ist eine Gefahr, die ich sehe."

Der oberste Bankenaufseher Raimund Röseler befürchtet, dass niedrige Zinsen manche Geldhäuser zum Zocken verleiten könnte. Der Präsident der besonders unter der Nullzinspolitik leidenden Sparkassen, Georg Fahrenschon, sieht auch die Sparer als Verlierer: Sie würden praktisch enteignet. Vertreter von Einzelhandel und Industrie erwarten, dass eine Zinssenkung konjunkturell weitgehend verpuffen wird.

Der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes HDE, Stefan Genth, geht nicht davon aus, dass niedrigere Zinsen die Kaufbereitschaft der Verbraucher erhöhen. Auch die Vizepräsidentin des Industrieverbandes BDI, Ingeborg Neumann, rechnet nicht mit Impulsen: "Eine weitere Senkung wird nicht dazu anreizen, dass mehr investiert wird." Vorbehalte äußerten auch Handels- und Handwerksverbände.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will etwas gegen den Höhenflug des Euro unternehmen und die Gefahr eines Preisverfalls auf breiter Front abwenden. Die Notenbank entscheidet am Donnerstag über ihre weitere Geldpolitik. Die meisten Experten erwarten, dass der Leitzins von 0,25 auf ein Rekordtief von 0,1 Prozent gesenkt wird.

Zudem dürften die Währungshüter erstmals bei der EZB geparktes Geld mit einem Strafzins belegen, um so die Banken zur verstärkten Kreditvergabe anzuregen. Der Erfolg einer solchen Maßnahme ist jedoch nicht garantiert. In Dänemark beispielsweise hatten die Banken die Kosten eines solchen Strafzinses auf die Kunden abgewälzt.

Schwund in Milliardenhöhe
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31 Kommentare zu "EZB-Zinsentscheid: Sparern drohen Milliardenverluste"

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  • Macht Euch keine Sorgen denn Leute wie Draghi regeln das alles. Schließlich wollen ALLE Politiker nur das Beste für Land und Leute ..... oder ?

  • Ja, die EU will ja selbst eine eigene Steuer erheben.

  • Der deutsche Michel verzichtet doch gerne auf Vermögenszuwächse. Schließlich will er
    mit den armen Südländern solidarisch sein. Und er hat ja so viel vom Euro profitiert. Und
    lebt in Frieden dank der EU. Und hat eine Stimme in der globalisierten Welt. Das hat eben seinen Preis. Dank an Draghi und an alle 50.000 EU-Beamten in Brüssel! Leider konnte
    man seinen Dank nur bei der Europawahl zum Ausdruck bringen. Im Grunde wäre ja ein
    Soli-Zuschlag nicht das verkehrteste, vielleicht kommt er ja noch, denkt er beruhigt.

  • Ergänzung:

    Die Niedrigzinsen und vielleicht sogar Negativzinsen bewirken eine völlig ungerechte Fehlallokation von Finzmitteln. Folge: Der Effekt, daß die reichen immer noch reicher werden, während die Mittel-und Unterschichten immer ärmer werden, wird durch die Zinspolitik der Notenbanken exponentiell verstärkt.

  • Berichtigung:

    Allein auf Deutschland bezogen, sind die Schulden gegenüber 2009 weiter gestiegen sind(grob geschätzt € 30 Mrd., ich müßte es genau nachschauen), der Zinsaufwand im Bundeshaushalt gegenüber 2009 ? jedoch um ca. € 20 Mrd. gefallen ist.

  • Die Geschichte wiederholt sich: Die Sparer werden enteignet, damit die Regierungen weiter Schulden machen können. Am Ende steht das böse Erwachen.

    http://www.wallstreet-online.de/nachricht/6801958-finanzmarktwelt-de-programmierte-crash

  • Allein auf Deutschland bezogen, die Schulden gegenüber 2009 weiter gestiegen sind(grob geschätzt € 30 Mrd., ich müßte es genau nachschauen), der Zinsaufwand im Bundeshaushalt gegenüber 2009 ? jedoch um ca. € 20 Mrd. gefallen ist. Die Niedrigverzinsung ist also eine versteckte Steuererhöhung, auf den ersten Blick - zur Freude der Politik - nicht zu erkennen.
    Allerdings haben auch private Schuldner heute geringere Zinsaufwendungen als noch vor ein paar Jahren. Privatpersonen ohne Schulden finanzieren also auch Privatpersonen mit Schulden, was jedem Gerechtigkeitsempfinden(das von den Politikern ja so oft strapaziert wird) widerspricht. Den Privatpersonen ohne Schulden kann nur entgegegnet werden: Ihr seid ja selbst schuld, wenn ihr keine (werthaltige und(oder) nicht werthaltige) Schulden habt. Mit den niedrigen Zinsen zu Lasten der Sparer wird zudem verhindert, daß weitere Banken in finanzielle Schieflage geraten. Geordnete Bankinsolvenzen gibt es ja immer noch nicht. Die Subventionierung des Bankenbereichs nach "too big to fail" findet somit weiterhin durch die niedrigen Zinsen zu Lasten des Sparers statt, was die Politik nach ihren Beteuerungen ja eigentlich verhindern will. Durch niedrige Zinsen für Sparer Bankenpleiten zu verhindern, ist natürlich der viel elegantere Weg als durch "Bail Ins" zu Lasten der Bankengläubiger und "Bail Outs" zu Lasten der Steuerzahles. Wie und durch wen kommen wir aus dieser Situation heraus?

  • "Die wirtschaftliche Situation im Euroraum erfordert nunmal niedrige Zinsen."

    Es geht einzig darum, den südlichen Ländern billiges Geld zur Verfügung zu stellen. Draghi nimmt sich hier die Homöopathie zu Hilfe: Gleiches mit Gleichem heilen. Die Krise entstand durch extreme Verschuldung aufgrund billigen Geldes. Nun will Draghi das Problem lösen, indem er dafür sorgt, daß sich die Länder weiterhin billigst verschulden können. Es kann ja sein, daß der homöopathische Grundsatz seit neuestem auch in der Wirtschaft greift.

  • Was soll dieses Gejammere über die Enteignung des deutschen Sparers. Als wenn es in Stein gemeißelt wäre, dass man 3% auf's Sparbuch bekommt. Mal unabhängig davon ob der Euro nun gut oder schlecht für Deutschland ist und ob unfähige Politiker oder Notenbanker an der momentanen Situation Schuld sind. In den 90er waren die Zinsen entsprechend hoch, risikolose Anlagen brachten erquickliche Renditen. Die wirtschaftliche Situation im Euroraum erfordert nunmal niedrige Zinsen. Das muß man nicht gut finden aber es ist wohl absehbar, dass dies noch eine ganze Weile so bleiben wird. EIne Leitzinssenkung auf 0,1 % hat doch ohnehin nur symbolischen Charakter, das ändert weder für den deutschen Sparer, noch für die Konjunktur etwas.
    Es ist aber völlig absurd davon zu sprechen dem deutschen entgehen jedes Jahr 15 Mrd. an Zinseinnahmen den es gibt kein Recht auf risikolose Zinsen von 3% und mehr. Jedem ist es möglich sich an der prosperierenden Wirtschaft in D. (oder anderen Ländern) zu beteiligen und sich zumindest ein kleines Stück vom Kuchen zu sichern. Niemand wird gezwungen sein Geld bei 0,5% auf dem Sparbuch versauern zu lassen. Also hört endlich auf zu Jammern!

  • @ Mazi: Vollkommen richtig. In Zukunft wird eine wichtige Säule der Altersvorsorge für alle Menschen, die nicht als Beamte und Politiker vom Steuerzahler alimentiert werden, darin bestehen, einen einigermaßen passablen Kapitalstock im Ausland in einer anderen Währung aufzubauen. Dies gefällt unserem Staat aber nun gar nicht. Daher werden die Nebelkerzen mit dem Steuerhinterziehungs-Bashing geworfen. Das Problem nur: Wenn Sie in Deutschland im Ausland erzielte Kapitalerträge ordnungsgemäß deklarieren, wird dennoch ermittelt, weil Ihnen keiner glaubt, dass da nicht noch mehr ist. Und der krebsartig wuchernde Staatsapparat steckt immer mehr Resourcen in die Überwachung seiner Bürger.

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