EZB-Zinsentscheid
Sparern drohen Milliardenverluste

Senkt die Europäische Zentralbank ihren Einlagenzins am Donnerstag unter null Prozent? Das ist sehr wahrscheinlich. Banken und Verbraucherschützer sehen Rücklagen für die Altersversorgung in Gefahr.
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BerlinKurz vor dem mit Spannung erwarteten Zinsentscheid der EZB wächst in der deutschen Industrie und Bankenbranche die Sorge vor negativen Folgen der lockeren Geldpolitik. Eine weitere Zinssenkung wäre für die deutsche Volkswirtschaft bedenklich, sagte der Chef der staatlichen KfW-Förderbank, Ulrich Schröder, am Mittwoch. Die Niedrigzinspolitik sei schon jetzt hochriskant und begünstige Preisblasen: "Das ist eine Gefahr, die ich sehe."

Der oberste Bankenaufseher Raimund Röseler befürchtet, dass niedrige Zinsen manche Geldhäuser zum Zocken verleiten könnte. Der Präsident der besonders unter der Nullzinspolitik leidenden Sparkassen, Georg Fahrenschon, sieht auch die Sparer als Verlierer: Sie würden praktisch enteignet. Vertreter von Einzelhandel und Industrie erwarten, dass eine Zinssenkung konjunkturell weitgehend verpuffen wird.

Der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes HDE, Stefan Genth, geht nicht davon aus, dass niedrigere Zinsen die Kaufbereitschaft der Verbraucher erhöhen. Auch die Vizepräsidentin des Industrieverbandes BDI, Ingeborg Neumann, rechnet nicht mit Impulsen: "Eine weitere Senkung wird nicht dazu anreizen, dass mehr investiert wird." Vorbehalte äußerten auch Handels- und Handwerksverbände.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will etwas gegen den Höhenflug des Euro unternehmen und die Gefahr eines Preisverfalls auf breiter Front abwenden. Die Notenbank entscheidet am Donnerstag über ihre weitere Geldpolitik. Die meisten Experten erwarten, dass der Leitzins von 0,25 auf ein Rekordtief von 0,1 Prozent gesenkt wird.

Zudem dürften die Währungshüter erstmals bei der EZB geparktes Geld mit einem Strafzins belegen, um so die Banken zur verstärkten Kreditvergabe anzuregen. Der Erfolg einer solchen Maßnahme ist jedoch nicht garantiert. In Dänemark beispielsweise hatten die Banken die Kosten eines solchen Strafzinses auf die Kunden abgewälzt.

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  • Macht Euch keine Sorgen denn Leute wie Draghi regeln das alles. Schließlich wollen ALLE Politiker nur das Beste für Land und Leute ..... oder ?

  • Ja, die EU will ja selbst eine eigene Steuer erheben.

  • Der deutsche Michel verzichtet doch gerne auf Vermögenszuwächse. Schließlich will er
    mit den armen Südländern solidarisch sein. Und er hat ja so viel vom Euro profitiert. Und
    lebt in Frieden dank der EU. Und hat eine Stimme in der globalisierten Welt. Das hat eben seinen Preis. Dank an Draghi und an alle 50.000 EU-Beamten in Brüssel! Leider konnte
    man seinen Dank nur bei der Europawahl zum Ausdruck bringen. Im Grunde wäre ja ein
    Soli-Zuschlag nicht das verkehrteste, vielleicht kommt er ja noch, denkt er beruhigt.

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