Fernwärme
Kunden zahlen zu viel

Fernwärme ist nach Erkenntnissen des Bundeskartellamtes vielerorts zu teuer. Bußverfahren gibt es nach dreijähriger Untersuchung aber immer noch keine. Nun sollen wenigstens bestimmte Fälle genauer geprüft werden.
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BonnViele Fernwärmekunden zahlen für Heizung und Warmwasser zu viel. Der Preisunterschied zwischen einzelnen Netzgebieten beträgt in einigen Fällen mehr als 100 Prozent. Das geht aus dem Abschlussbericht der Sektoruntersuchung Fernwärme hervor, den das Bundeskartellamt am Donnerstag in Bonn vorlegte. Es gebe klare Wettbewerbsdefizite. Die Gebiete, die die höchsten Gewinne abwerfen, sollen nun genauer unter die Lupe genommen werden. Die Untersuchung sei eine wichtige Grundlage, um möglichen Missbrauch von Marktmacht aufzudecken und gegebenenfalls Verfahren gegen besonders teure Versorger einzuleiten.

Dazu wird das Bundeskartellamt die für die 2009 eingeleitete Untersuchung genutzten Daten aktualisieren. Dann soll geklärt werden, inwieweit sich die teils erheblichen Preisunterschiede auf strukturelle Unterschiede zwischen den Versorgungsgebieten zurückführen lassen.

Die Untersuchung ergab ferner, dass die Preise dort tendenziell höher sind, wo die Kommunen den Anschluss an das Fernwärmenetz vorschreiben. Unterschiedlich waren die erzielten Gewinne auch in den einzelnen Bundesländern. Konkrete Fälle nennt die Behörde in ihrem Bericht nicht. Zur Stärkung des Wettbewerbs zwischen den Heizsystemen empfiehlt das Kartellamt, die Fernwärmepreise im Internet zu veröffentlichen. Zudem sollte es kürzere Laufzeiten bei Fernwärmeverträgen geben.

In ihrem jeweiligen regionalen Netzgebiet sind die etablierten Versorger laut Kartellamt konkurrenzlos. Die Kunden hätten keine Wechselmöglichkeit. Die Durchleitung von Fernwärme durch Dritte sei technisch und wirtschaftlich schwierig. Ein Wettbewerbsdruck lasse sich so nicht entfalten, heißt es. „Daher ist eine Netzregulierung in diesem Sektor nicht sinnvoll.“

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