Finanzbildung: Das böse Märchen vom Goldesel

Finanzbildung
Das böse Märchen vom Goldesel

Sie sind die Kunden und Anleger von morgen, doch von Finanzfragen haben viele Jugendliche keine Ahnung. Manche sind sogar schon verschuldet. Die Schulen scheinen überfordert – da braucht es Eigeninitiative der Eltern.
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Düsseldorf/BerlinMontagabend, 19 Uhr, ein Friseursalon in Berlin. Die Frisierstühle sind zu einem Kreis zusammengestellt. Scheren, Bürsten und Rasiermesser liegen im Regal. Heute Abend werden keine Haare geschnitten. Heute treffen sich sieben Väter und Mütter, um ein Tabu zu brechen: Sie reden über Geld. Eingeladen haben Kirstin Wulf und Andreas Roeske.

Die beiden sind weder Lehrer noch Psychologen. Sie arbeiten in der Kommunikationsbranche und sie sind Eltern. Zu ihrer Patchwork-Familie gehören vier Jungs im Alter von neun bis 13 Jahren. „Die Idee zu diesem Projekt kam uns in unserem eigenen Alltag, wie erkläre ich meinem Sohn, warum wir uns ein neues Sofa kaufen, er aber ein Spielzeug nicht haben darf? Wie viel Taschengeld ist angemessen? Und warum gebe ich ihm keinen Vorschuss auf sein Geburtstagsgeschenk?“ Schon die erste Umfrage im Bekanntenkreis zeigte: Bei solchen Fragen sind viele Eltern unsicher.

Bei Psychologen ist das Problem längst bekannt: „Die Anforderungen an Kinder und Eltern haben sich geändert“, sagt Annette Claar, die schon Mitte der 90er-Jahre den Ratgeber „Was kostet die Welt – wie Kinder lernen, mit Geld umzugehen“ geschrieben hat und als Kinderpsychologin in Aschaffenburg arbeitet. „Werbung zielt heute viel stärker auf Kinder ab, sie haben größeren Einfluss auf ihre Eltern und verfügen selbst über immer mehr Geld.“ Auch Verträge – vor allem Handy-Verträge – spielen viel früher eine Rolle und steigern die Gefahr, schon früh Schulden zu machen.

Geld zum Tabuthema zu machen sei gar nicht möglich und auch nicht zu empfehlen, sagt Claar. „Kinder sollten auf altersgemäße Weise in die Haushaltsplanung der Familie einbezogen werden, sonst verstehen sie nicht, warum man sich das eine leisten kann, aber bei anderem sparen muss. Wenn sie schon bei kleineren Beträgen keine Erfahrungen mit den Folgen wirtschaftlichen Handelns machen können, ist auch die Unsicherheit groß, wenn sie einmal selbst für ihren Unterhalt sorgen müssen.“

Die Berliner Kirstin Wulf und Andres Roeske haben Anfang dieses Jahres das Projekt Bricklebrit gegründet – angelehnt an den Zauberspruch für den Goldesel im Märchen der Brüder Grimm. In Seminaren und Gesprächskreisen wollen sie Eltern helfen, Geldthemen in den Alltag zu integrieren und ihren Kindern spielerisch Wissen und Werte zu vermitteln. „Für unsere Kinder wird die ganze Finanzwelt um ein Vielfaches komplizierter und virtueller als sie heute für uns schon ist“, sagt Roeske. „Geld ist nur noch selten sichtbar, umso wichtiger ist es, damit umgehen zu können und grundlegende wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen.“

Auf die Schulen können sich Eltern in puncto Verbraucher- und Finanzbildung bislang nicht verlassen. Ein Schulfach, das sich speziell mit praktischen Fragen rund ums Geldverdienen, Sparen und Konsumieren beschäftigt, gibt es erst in wenigen Bundesländern. Und so wundert es nicht, dass Studien regelmäßig große Wissenslücken zutage fördern. Für Aufregung sorgte etwa eine Forsa-Studie laut der nur jeder zweite Jugendliche weiß, was ein Girokonto ist.

Kommentare zu "Das böse Märchen vom Goldesel"

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  • Unverschämtheit, da sollen die Eltern ihrem inkarnierten Genschrott auch noch verantwortungsbewussten Umgang mit Geld beibringen. Am Ende gar noch hygienische und soziale Benutzung der Toilette, oder Essen mit Messer und Gabel. Wofür zahlen die Anderen denn Steuern, da kann sich der Staat doch nicht von allen ihm originären Erziehungaufgaben zurückziehen.

    Ich glaube langsam wirklich, wir leben im ultimativen Vollkaskobiotop

  • "Kinder und Jugendliche müssen Haushalten lernen" ... bieten die beiden vielleicht ein Seminar an, daß man unserem Finanzminister noch nachträglich zum Geburtstag schenken könnte??

  • DER EURPÄISCHE BRÜCKENSCHLAG!

    So ganz ohne Konsequenz für die deutsche Jugend wird es dann doch nicht gehen. Die immense Jugendarbeitslosigkeit Europas, das fundamentale Umherirren und -suchen nach generationentauglicher Arbeitsmöglickeit, die irrwitzigen Forderungen nach schicksalshafter mehrfacher Berufsausbildung ohne Hoffnung sein potentielles Präkariat verhindern zu können, zeigen auf, dass es einfach unabdingbar ist, Sicherheit und Vertrauen gerade eben auch in die eigenen finanziellen Entscheidungen beizubringen.

    Für die Zeit, wo Eltern nicht mehr existieren.

    Mit Velaub: Bei allen Netzwerken, Smartphones und Communities scheints mir,haben wir die einsamste Jugend aller Gesellschaftsformen.
    Die Menge übermittelter und ausgetauschter Daten stehen im krassen Gegensatz zu seiner Winzigkeit, den Charakter und die Sebsterkenntnis des Jugendlichen zu fördern.
    Das Blickfeld und der Horizont weiter Teile unserer Jugend mißt 10cm mal 10cm und ist gerade einmal 30cm von ihren Augen entfernt.
    Woher hierzulande die Sicherheit genommen wird, dass Jugendschicksale Südeuropas auch nicht im Heimatland möglich wären, ist unverständlich.
    Den eigenen Besitz mehren und verteidigen kann nur der, der sich getraut, der vermeinlichen Ohnmacht gegenüber übermächtiger Geldgeister Paroili zu bieten und somit zu entledigen. "Entmysthifizierung" würde ich das Schulfach nennen und zur Einführung daran erinnern, dass im Alten wie Neuen Testament das Wort "Geld" häufiger vorkommt, als das Wort "Gott".
    NOTENFREIE GESTALTUNG.

  • @ForzaEURO
    Ich meine nicht das Detailwissen das sie hier nennen z.B.woher das Geld kommt, wie es entsteht, wie es weich wird, wie es hart wird, was Geldmengen sind, was eine Börse ist, eine Aktie, warum Hedgegeschäfte existieren usw.. Da haben ja selbst die meissten Erwachsenen ja keine Ahnung von z.B. was ist ein Hedgegeschäft und warum gbt es sowas überhaupt, etc.. Das ist zwar interessant aber für ein normales Leben in normaler Sparsamkeit und ohne Schulden nicht zwingend erforderlich. Was ich meine ist das Verständniss das z.B. Geld nicht immer im Überfluss vorhanden ist, das es nicht auf Bäumen wächst, das man dafür (legal) Arbeiten muss, das die Bank nicht umsonst Geld verleiht, warum mant spart, warum es überhaupt Geld gibt, etc. Die elementaren Dinge eben im Bezug auf Geld welches jeder Erwachsene auch ohne Uni oder Banklehrenabschluss wissen sollte......oder haben ihre Kinder (wenn sie den welche haben) das Laufen, Sprechen, etc. auch erst in der KiTa oder 1. Klasse gelernt und nicht durch sie als Eltern....;-)

  • "Neulich haben wir das Sparbuch meines Sohnes aktualisiert und es gab für 200 Euro gerade mal 50 Cent Zinsen, da müssen wir dringend etwas ändern“

    Genau daran müss dringend etwas geändert werden! MEEEHR RENDITE ! IMMER MEHR!

    Und das den Kindern natürlich auch wieder so schön erklären :D, vielleicht verstehen sie dann das wir ALLE gierige *** sind.

    Probleme haben "wir" die gibts garnicht.

  • Da haben Sie vollkommen Recht. Ich habe mir die Lehrinhalte zum Matura in Österreich einmal für die Wirtschaftsthemen erklären lassen. Die sind da tatsächlich erstaunlich weltoffen.

    Nicht wenige Deutsche Schüler gehen nach Österreich, um dort ihr Matura zu machen.

    Wenn man sich mit diesen Schülern über Wirtschaftsfragen auseinandersetzt, da kommt wirklich sehr viel Wissen zurück und mich stimmt das dann auch versöhnlich.

    Aber in Deutschland? Leute, da muss was passieren! HIer sind ganz klar politische Ziele zu setzen und die Lehrer entsprechend zu motivieren.

  • @Goldesel
    Ich glaube Sie verwechseln etwas. Die Erziehung hat zuhause stattzufinden und es kann nicht Aufgabe der Lehrer sein, Erziehungsdefizite aufzuarbeiten.

    Die Lehre über das Geld halte ich aber für ein Elemantarwissen. Kinder müssen lernen, woher das Geld kommt, wie es entsteht, wie es weich wird, wie es hart wird, was Geldmengen sind, was eine Börse ist, eine Aktie, warum Hedgegeschäfte existieren usw.

    Dies ist ein Bereich, der definitiv zur Schulbildung gehört und mit dem sich die Lehrerschaft im Interesse unserer Kinder bitteschön konstruktiv (!!!) auseinandersetzen sollte.

    In unserem Land wird immer so getan, als wären wir so wahnsinnig fortschrittlich. Tatsächlich schaffen wir es frei über Homosexualität zu sprechen, die Aufklärung über AIDS zu leisten, über Rassismus zu reden, Ausländerfeindlichkeit zu entgegnen.

    Aber bei einigen Themen versagen wir Deutschen kläglich und dazu gehört die Frage über das Geld.

    Elementarwissen ist in der Schule zu vermitteln.

  • warum die eltern immer alles auf die KiTas und Schulen abwälzen wollen ist schon befremdlich. Eltern sein ist eben auch der Job seinen Kindern von klein auf selbst etwas beizubringen und nicht darauf zu warten das die Erziehung und das Wissen des lebens vollständig von staatlichen einrichtungen übernommen werden sollte.

  • +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

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  • Es ist schon traurig wenn solch banale Dinge erst in der Schule gelernt werden. Sei es weil die Eltern es selbst nicht wissen (und diejenigen, die es am nötigsten hätten wird dieses Angebot auch nicht erreichen) oder kein Interesse haben, das Geld kommt eh' vom Amt, ob sie was leisten oder nicht. Kinder saugen das Konsumverhalten mit der Muttermilch auf, die Schule kann dann höchstens noch korrigierend eingreifen. Falls die Lehrerschaft überhaupt gewillt ist sich mit der Materie zu befassen, Stichwort Fortbildung. Unser Gemeinschaftskundelehrer hat z.B. lieber zum hehren Klassenkampf und von der bösen Großindustrie referiert als sich mit den aktuellen Themen der Wirtschaft auseinanderzusetzen (dazu hätte er auch seine z.T. 20 Jahre alten Skripte überarbeiten müssen, was einem Lehrer nicht zuzumuten ist, man hat ja noch einen Nebenerwerb zu betreiben). Oft war das Problem schlicht dass manche Schüler mehr wussten und sich der Lehrer dann um das Thema drückte um sich keine Blöße zu geben, er ist schließlich allwissend. Aus diesem Grund fiel bei uns auch das Fach Informatik flach.

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