Finanzdienstleister
Infinus soll 25.000 Anleger betrogen haben

Die Finanzfirmengruppe Infinus soll Anleger im großen Stil betrogen haben. Bei Razzien wurde Beweismaterial sichergestellt und sechs Deutsche festgenommen. Bei den Vorwürfen geht es um ein Volumen von 400 Millionen Euro.
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DresdenDie Dresdner Finanzfirmengruppe Infinus steht im Verdacht, rund 25.000 Anleger betrogen zu haben. Wie das sächsische Landeskriminalamt am Mittwoch mitteilte, wird gegen insgesamt acht Mitarbeiter in Deutschland und Österreich wegen Betrugsverdachts ermittelt. Sie sollen bei der Ausgabe von Orderschuldverschreibungen falsche Angaben zur Vermögens- und Ertragslage von Emittenten gemacht haben. „Bei dem Vertrieb von Finanzprodukten soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein“, sagte Oberstaatsanwalt Lorenz Haase. Geldanlagen in Höhe von 400 Millionen Euro sollen betroffen sein. Wie hoch die Schadenssumme genau ist, steht derzeit aber noch nicht fest.

„Für Anleger heißt es nun, besonders aufmerksam die Entwicklung zu beobachten: Sie sollten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aufmerksam verfolgen und gegebenenfalls anwaltliche Beratung einholen“, sagt Klaus Nieding, Anwalt für Kapitalmarktrecht, gegenüber Handelsblatt Online.

Nach Angaben von Haase sei noch zu untersuchen, ob es sich um ein sogenanntes Schneeballsystem gehandelt habe. In seinem solchen System werden etwa Zahlungen an Anleger durch die Einlagen von Neukunden finanziert. Bei einer Oderschuldverschreibung verpflichtet sich der Schuldner, an einen namentlich genannten Gläubiger zu zahlen. Die Forderung ist übertragbar. Die Anlageform gilt als riskant, weil Anleger nicht durch ein Einlagensicherungssystem vor dem Totalverlust geschützt sind.

Bei den Untersuchungen seien sechs Deutsche verhaftet worden. Auch gegen zwei Österreicher werde ermittelt. Beamte der Staatsanwaltschaft Dresden und des Landeskriminalamtes Sachsen durchsuchten am Dienstag in Dresden, Stuttgart, in der Nähe von Köln, Frankfurt, Traunstein sowie in Salzburg die Geschäftsräume von rund 30 Firmen sowie die Privaträume der insgesamt acht Beschuldigten im Alter von 35 bis 55 Jahren. Bei den Razzien sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden. Bei dem Einsatz waren insgesamt mehr als 400 Beamte im Einsatz.

„Der Fall Infinus hat aber auch eine übergeordnete Komponente: Er zeigt einmal mehr deutlich die Missstände am so genannten grauen Kapitalmarkt. Der ist ein regelrechtes Eldorado für Anlagebetrüger. Gerade Privatanleger werden hier Jahr für Jahr konsequent übers Ohr gehauen und verlieren Milliardensummen. In vielen Bereichen des grauen Markts hat der Gesetzgeber viel zu lange weggeschaut“, sagt Anwalt Nieding. Infinus hatte die Vorwürfe bereits am Dienstag zurückgewiesen und die Durchsuchungen als unverständlich bezeichnet. „Aus unserer Sicht sind die Vorwürfe haltlos und durch nichts zu begründen“, teilte Infinus-Vorstandsmitglied Kewan Kadkhodai mit. In Zusammenarbeit mit den Behörden wolle man alles tun, „um schnell und unmissverständlich auf eine schnelle Aufklärung der Vorwürfe zu dringen".

Der Finanzdienstleister wurde 2002 in Dresden gegründet und ist im Bereich Vermögensverwaltung tätig. Das rasante Wachstum des Finanzdienstleisters hat in der Branche für Verwunderung gesorgt. Nach eigenen Angaben hat Infinus im Geschäftsjahr 2011/2012 einen Umsatz von knapp 22 Millionen Euro erzielt - das entspricht einem Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das verwaltete Vermögen stieg sogar um 47 Prozent auf 820 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Finanzdienstleister: Infinus soll 25.000 Anleger betrogen haben"

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  • Und jetzt müssen "Sie" uns nur noch verraten, warum "Sie" sich ausgerechnet dieses Thema so zwanghaft reinsaugen...

    Betroffener? Schwenkt Justizia bereits imaginät ihr Schwert vor "Ihren" Augen... Guter Rat: wer solche Anlagen verscheppert, hat immer und immer wieder Probleme und für dieses Risiko ist die Provision erbärmlich bemessen gewesen... wieso glauben "Sie" sehen die "Herren Vorstände wohl so gut genährt aus..."

    Wenn man zu den Anlegern noch die Vermittler hinzurechnet, die solche Anlagen vermittelt haben, werden es wohl 30 TSD Geschädigte werden. Die einen wurden geschädigt am Vermögen und die Anderen sind oder müssen geistig geschädigt sein wenn sie solchen Mist unters Volk gebracht haben!

    >> Liebe Geschädigte warum macht ihr immer und immer wieder die selben Fehler? <<

  • Also "wir" verstehen exakt was gemeint ist und was nun ermittlungstaktisch abläuft! Was glauben Sie warum die die U n t e r s u c h u n g s h a f t angeordnet wurde?

    Wie naiv können manche Zeitgeister und ewig Gestrige nur sein...

    DAS SPIEL IST AUS!

    Und die Untersuchungshaft endet für "den" als erstes, der das System und die Verfehlungen offenbart... `

    WETTEN DASS?

    PS: Wie naiv kann man nur sein, solchen Firmen sein gutes sauer verdientes (hoffentlich versteuertes) Geld anzuvertrauen? - Oder war alles nur Schwarzgeld, dem keiner hinterher weint? Unseriöses graues Gesindel...


  • Muss man in solch einer Bude seine Penunzen hinterlegen ?

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