Finanzexperte einmal anders
„Die Brutalität der Anlagebetrüger ist schockierend“

Auf der Pirsch mit dem Anlegeranwalt Klaus Nieding. Im Interview erklärt er, wovor sich Anleger derzeit besonders in Acht nehmen müssen und wie eine große Wildmetzgerei zu seinem zweiten Standbein wurde.
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Mit dem Geländewagen wartet Klaus Nieding, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und Mitgründer der Frankfurter Rechtsanwalts-AG Nieding + Barth, vor seiner Wildmetzgerei „Die Wildkammer Bad Sobernheim“. Im Kofferraum hechelt Deutsch-Drahthaar-Rüde „Lump vom Bandorfer Forst“. Entlang an Feldern und Weinbergen fahren wir durch Niedings Revier und erreichen schließlich einen Hochsitz. Jeden Moment könnte hier auf der Lichtung ein Reh erscheinen und Jäger Nieding hat das Gewehr schon im Anschlag.

Herr Nieding, eigentlich wäre es mir ganz recht, wenn Sie heute nichts erlegen, sondern berichten würden, wie Sie zu diesem Nebenjob gekommen sind.
Bis zu meinem Abitur wollte ich eigentlich nie Anwalt werden, sondern die forstliche Laufbahn einschlagen, da es dort zu meiner Zeit aber keine vernünftigen Arbeitsplätze gab, blieb mir nichts anderes übrig, als einen Beruf zu ergreifen, der mir auch viel Spaß machte, nämlich das professionelle Streiten für andere Leute. Heute verarbeite ich quasi mein „Jugendtrauma“, indem ich mir eine eigene Jagd leiste.

Nun haben Sie ja die Wildkammer gegründet und das Unternehmen wirft auch einen finanziellen Ertrag ab. Aber davon abgesehen, was bedeutet die Jagd für Sie?
Bei der Jagd finde ich Entspannung und Ruhe von dem sehr anstrengenden Hauptberuf. Auf dem Hochsitz habe ich die Möglichkeit, mal zwei, drei Stunden nicht zu telefonieren und meinen Gedanken nachzuhängen. Und natürlich habe ich auch Freude an der Jagd. Es ist schön, wenn man sich um ein Revier kümmern kann und es ist auch immer wieder gut, Beute zu machen. Denn davon lebt mein Betrieb, die Wildkammer.

Aber gerade der Spaßfaktor bei der Jagd ist ja etwas, das manche Menschen auch kritisieren. Was sagen Sie dazu?
Ich fühle mich sehr wohl mit dem, was ich tue, denn ethisch betrachtet ist es das hochwertigste Fleisch überhaupt. Die Tiere haben keinen Haltungs-, Transport- und Schlachtstress. Sie bekommen keine Medikamente oder Wachstumsförderer, sondern leben in ihrer natürlichen Umgebung, äsen ihr natürliches Futter. Sie leben unbeschwert bis zu dem Zeitpunkt wo sie zufällig auf eine Waldwiese treten, das richtige Alter haben und zufällig ein Jäger da ist. Der gute Schuss ist sofort tödlich und die Tiere haben so überhaupt keinen Stress.

Natürlich möchten Sie Werbung für Ihr Produkt machen, aber was würde denn passieren, wenn nicht gejagt würde?
Dann nähmen die Wildbestände überhand. Eine Population wird zu allererst durch das Fraßangebot beschränkt, aber das ist in Deutschland aufgrund der intensiven Landwirtschaft unbegrenzt. Hinzu kommt: Früher gab es nur alle sieben Jahre ein Mastjahr, mittlerweile haben wir aufgrund der Erwärmung alle zwei Jahre eines. Das heißt im Wald gibt es extrem viele Eicheln, Bucheckern und Kastanien. Die Wildtiere nehmen mehr pflanzliches Eiweiß auf, das erhöht die Fruchtbarkeit und die Population kann in solchen Jahren um 300 bis 450 Prozent wachsen. So viele Tiere würden enorme Schäden anrichten.

Wie gehen Sie bei der Jagd vor?
Jagd heißt nicht, dass ich mir das grüne Hütchen aufsetze, mich mit dem Gewehr auf den Hochsitz hocke und auf alles schieße, das sich bewegt und einigermaßen nach Wild aussieht. Nein, Jagd bedeutet Management, Nachhaltigkeit und Selektion. Man entnimmt nur ganz bestimmte Tiere. Wir haben auch klare Vorgaben von der unteren Jagdbehörde, 80 Prozent unserer Abschüsse beim Schwarzwild beispielsweise müssen wir in der Frischlings- und Überläuferklasse erbringen, also bei den bis Einjährigen und den Ein- bis Zweijährigen.

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  • Liebe Redaktion,

    das ist vielleicht ein ganz guter Artikel für eine Jagdzeitschrift, aber doch nicht fürs Handelsblatt.

    Herzlichst, Uli Berger

  • @Karma
    > Menschen mit Killer-Ambitionen, die ihre Entspannung finden, wenn sie der Kreatur den Tod bringen, sehen sich als ethisch an
    Klar. Wenn es schon notwendig ist, warum soll man sich da stressen? Der Puritanismus ist tot.

    Sie schicken ja auch keine Pazifisten in den Krieg oder Vegetarier in den Schlachthof.

    > ein Fleisch-Esser hat nicht die Bewusstseinsstufe
    Als Veganer mit ihrer einseitigen Mangelernährung ist es verständlich, dass sie ein Hirnproblem haben und daher auf Eso-Schwachsinn à la "Bewusstseinsstufen" hereinfallen.

    > Besonders wenn es um das intuitive Erfassen von Zusammenhängen geht
    Genau. Mit Denken haben Sie's ja nicht so, deshalb müssen Sie mit den evolutionär ältesten und primitivsten kognitiven Fähigkeiten auskommen, und daher natürlich oft genug (in der heutigen, komplexen Welt, praktisch regelmäßig) daneben liegen.

    Denn: Für jedes komplexe Problem gibt es mindestens eine einfache, "intuitiv" sofort einleuchtende - und grundfalsche Lösung.

    Aber von "Bewusstseinsstufen" faseln zu können, gibt einem natürlich ein schönes, warmes Elitegefühl, nicht? Was Sie offenbar nötig haben.

    Für alle anderen, die sich mal mit "Karma" d.h. der Lehre und ihren - äh - Kollateralschäden - beschäftigen wollen: Blind Sight (http://www.amazon.de/dp/B001DDP4XQ).

  • @Karma: meine volle Zustimmung haben Sie.

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