„Finanztest“-Bericht

Touristen-Falle Geldautomat

Wer außerhalb des Euroraumes Bargeld am Automaten abheben will, muss genau hinschauen – beim Umrechnungskurs ist eine Abzock-Masche verbreitet. Die Automatenbetreiber lassen dabei keine Tricks aus.
Die Umrechnung von bar abgehobenen Fremdwährungsbeträgen in Euro sollten Kunden ihrer Hausbank oder dem Kreditkarteninstitut überlassen. Quelle: Reuters
Geldautomat im Ausland

Die Umrechnung von bar abgehobenen Fremdwährungsbeträgen in Euro sollten Kunden ihrer Hausbank oder dem Kreditkarteninstitut überlassen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtEin Geldautomat in der polnischen Hafenstadt Stettin: Wer hier mit einer deutschen Giro- oder Kreditkarte Bargeld abheben möchte, dem erscheint eine kryptische Frage auf dem Monitor. „Lieber Kunde, die Kurse von Fremdwährungstransaktionen unterliegen stetigen Schwankungen.  Möchten Sie einen fixen Kurs wählen?“ Wer nun den vermeintlich sicheren Fixkurs wählt, hat einen teuren Fehler gemacht – und in diesem Fall knapp 10 Prozent zu viel fürs Abheben im Ausland bezahlt.

Die Verbraucherschützer von „Finanztest“ haben die Masche von Automatenbetreibern dokumentiert, die sich „Dynamic Currency Conversion“ (DCC) nennt. Dafür schickte  „Finanztest“ Testpersonen in 13 europäische Länder, die nicht Mitglied der Eurozone sind, darunter Großbritannien, Dänemark und die Schweiz.  In 11 Ländern wurde den Testern beim Abheben von Bargeld mit einer Giro- oder Kreditkarte eine direkte Umwandlung des abgehobenen Betrages von Fremdwährung in Euro angeboten.

Wie Sie im Urlaub flüssig bleiben
Armut - Illustration
1 von 10

Der Mix

Die Mischung macht’s. „Grundsätzlich sollte man sich im Urlaub nie auf ein einziges Zahlungsmittel verlassen“, rät Markus Feck, Rechtsanwalt und Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW.  Schließlich benötigt man noch eine Reserve, falls das Bargeld aufgebraucht ist oder eine Karte nicht akzeptiert wird.

huGO-BildID: 2221462 A man inserts euro bills in his purse in Bochum on Saturday Sept. 01, 2001. The leather-industry expects an increased demand for
2 von 10

Bargeld

Ohne Bargeld geht es nicht. Verbraucherschützer raten jedoch, nicht mehr als ein Viertel des geplanten Reisebudgets in Form von Bargeld mitzunehmen. Wer die Euro-Zone verlässt, sollte vorab bereits einen Teil des benötigten Bargelds in die Landeswährung tauschen. Sind auch Euro-Scheine im Gepäck, sollten sich Verbraucher über die Vorgaben zur Deviseneinfuhr im Urlaubsland erkundigen.

Hamburg will Rechtsanspruch auf Girokonto
3 von 10

Giro-Karte - Maestro

Was früher EC-Karte hieß, ist heute  die Girocard. Die meisten Girocards deutscher Banken tragen das Maestro-Zeichen, hier wird also mit Mastercard kooperiert. „Die Karten können in der Regel weltweit an Geldautomaten und an Kassen eingesetzt werden“, sagt Feck. Anders sieht es bei V-Pay-Karten aus…

Athen - Bank
4 von 10

Giro-Karte -V-Pay

Die Karten des Konkurrenten Visa sind nur in den EU-Ländern einsetzbar, außerdem in der Schweiz, der Türkei, Island, Kroatien und Norwegen.

Kreditkarten
5 von 10

Kreditkarten

Mit Kreditkarten von Mastercard und Visa können Kunden weltweit an Automaten Geld abheben und an der Kasse bezahlen. Dafür sollten sie sich aber auch ihre Geheimzahl merken.

EC-Karten
6 von 10

Postbank Sparcard

Eine Besonderheit bietet die Postbank Sparcard. Kunden können damit zehn Mal im Jahr kostenlos Bargeld an Automaten mit Visa- und mit Plus-Zeichen abheben. Bei anderen Karten gilt grundsätzlich: Häufig kleine Beträge abzuheben, ist meist teurer als seltener etwas mehr Geld am Automaten zu holen.

Ausspähen von Bankdaten stark rückläufig
7 von 10

Bankdaten schützen

Wie zu Hause gilt auch auf Reisen: Um die persönlichen Daten zu schützen, sollten Kunden immer darauf achten, dass sie ihre PIN verdeckt eingeben. „Zudem solle man Geldautomaten, die in Flughäfen aufgestellt oder außen an Gebäuden angebracht sind, meiden“, rät Feck. Zum einen könnten Betrüger solche Automaten leichter manipulieren. Zum anderen sei es für den Kunden teils schwierig herauszufinden, zu welchem Institut der Automat gehört. Das kann insbesondere dann problematisch sein, wenn der Automat den gewünschten Geldbetrag nicht ausspuckt. „Am besten nutzt man einen Automaten innerhalb einer Bank oder notfalls am Bankgebäude, rät der Verbraucherschützer.

DCC funktioniert so: Der Kunde kann wählen, ob sein Konto durch die Bargeldabhebung im Ausland in Fremdwährung oder in Euro belastet werden soll. Entscheidet er sich für die Belastung in ausländischer Währung, rechnet die Hausbank oder das Kreditkartenunternehmen den Betrag in Euro um, meist zu fairen Konditionen. Auf der Abrechnung sind dann der Betrag in ausländischer Währung, der Umrechnungskurs und der umgerechnete Euro-Betrag aufgeführt.

Entscheidet sich der Kunde für die direkte Umrechnung des abgehobenen Betrages, wird das Konto in Euro belastet. Die Umrechnung führt dann der Automatenbetreiber durch – zu deutlich schlechteren Konditionen wie „Finanztest“ zeigt. „Bei dieser Umrechnung bekommt man immer einen schlechteren Kurs“, so das Fazit der Verbraucherschützer. Der Verlust für Bankkunden liegt zwischen moderaten drei Prozent bei einer türkischen Bank bis zu 12 Prozent bei einem Automaten in Prag. Lohnen tut es sich jedoch nie.

Die Betreiber lassen keine Tricks aus, um Kunden zur teuren Direkt-Umrechnung zu bewegen.
Trügerische Anzeige auf einem Geldautomaten in Stettin

Die Betreiber lassen keine Tricks aus, um Kunden zur teuren Direkt-Umrechnung zu bewegen.

Die Automatenbetreiber gehen mitunter äußerst trickreich vor, um die Kunden zur teuren Direkt-Umrechnung zu bewegen. Anzeigen in krudem Deutsch, kaum lesbares Kleingedrucktes zu Gebühren und verwirrende Schaltflächen sind laut „Finanztest“ üblich.

Auch beim Bezahlen mit Giro- oder Kreditkarte in Geschäften ist die DCC-Masche verbreitet. Dort erfährt der Kunde meist erst auf der Quittung von dem saftigen Kursaufschlag.

Zudem zeigt „Finanztest“: Touristen aus Nicht-Euroländern riskieren auch in Deutschland, in die DCC-Falle zu tappen. Zwar verzichten Sparkassen, Volksbanken, Deutsche Bank oder Commerzbank auf die umstrittene Praxis. Doch Betreiber wie Euronet oder Reisebank, deren Automaten vor allem an Bahnhöfen und Flughäfen stehen, langen kräftig zu.

Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%