„Finanztest“-Studie
Schwere Beratungsfehler bei Ratenkrediten

Die Zeitschrift „Finanztest“ hat die Kreditberatungen von Banken getestet – mit erschreckendem Ergebnis: Keine Bank erfüllte ihre Aufgabe. Oft wurden den Kunden sogar gesetzlich vorgeschriebenen Infos vorenthalten.
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BerlinDie Kreditberatung bei vielen Filialbanken ist laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest katastrophal. Filialbanken behinderten Kunden beim Kreditvergleich und schädigten häufig ihre Kreditwürdigkeit, erklärten die Verbraucherexperten am Dienstag in Berlin. Keine der zwölf getesteten Filialbanken erfüllte demnach ihre Aufgabe. Zehn fielen komplett durch, zwei Filialbanken erhielten lediglich die Note „ausreichend“.

Für die Zeitschrift „Finanztest“ (Juni-Ausgabe) wurden insgesamt 85 Kreditangebote in Höhe von 4000 Euro bei zwölf Filial- und fünf Direktbanken getestet. Das Ergebnis ist nach Angaben der Tester „niederschmetternd“. Den Kreditangeboten der Filialbanken fehlten demnach oft die gesetzlich vorgeschriebenen Informationen, die dem Kunden einen Vergleich verschiedener Angebote ermöglichen. Stattdessen seien Tester im Einzelfall mit dem Hinweis abgefertigt worden, die neue Software könne die Angebote leider nicht ausdrucken oder die Ausdrucke seien gar verboten.

Außerdem beschädigten einige Bankberater laut Warentest die Kreditwürdigkeit der Kunden durch falsche Anfragen bei der Schufa, der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung. Als Folge davon wird es für den Betroffenen entweder deutlich teurer, Geld zu leihen oder er erhält gar kein Kreditangebot mehr.

Einige Banken im Test beharrten darüber hinaus auf dem Abschluss einer Restschuldversicherung, die bei der geringen Kreditsumme laut "Finanztest" allerdings verzichtbar ist. Durch eine solche Versicherung habe sich zum Beispiel in einem Fall der Zins von 9,99 Prozent auf satte 19,33 Prozent erhöht.

Ein Lichtblick sind laut Warentest dagegen die Direktbanken: Vier von fünf getesteten Instituten schnitten „sehr gut“ ab. Eines war „ausreichend“. Die Direktbanken haben das Erstellen von Kreditangeboten in der Regel automatisiert.

„Finanztest“-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen bezeichnete das Testergebnis als „Katastrophe“. So hätten Filialbanken in vielen Fällen nicht nur Gesetze missachtet, unnötig Zinsen hochgeschraubt und die Kreditwürdigkeit von Kunden geschädigt. Die Banken hätten zugleich dokumentiert, „dass sie die Information ihrer Kunden nicht ernst nehmen“, erklärte Tenhagen.

Dies aber sei ein wesentlicher Eckpfeiler des Verbraucherschutzes auf den Finanzmärkten. Er warf den Banken vor, die politischen Bemühungen, durch mehr und bessere Informationen das Vertrauen der Kunden in das Finanzsystem wieder herzustellen, zu untergraben.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband meldet sich ebenfalls zu Wort. „Die Banken setzen darauf, dass keiner hinschaut. Die Regierung muss die Finanzaufsicht in die Lage versetzen, den Unternehmen auf die Finger zu hauen“, fordert vzbv-Vorstand Gerd Billen. Seit Sommer 2010 hätten Verbraucher einen Anspruch darauf, vor einem Vertragsschluss über das potenzielle Kreditprodukt individuell informiert zu werden, um Angebote vergleichen zu können. Die Bundesregierung müssen dafür endlich Sorge tragen. Der Verband plant, die EU-Kommission über Mängel in diesem Bereich offiziell informieren.

Die ersten Banken kündigen Konsequenzen an. Ein Sprecher der ING-Diba teilte mit: „Wir sind von dem schlechten Ergebnis überrascht. Unsere Prozesse sind klar strukturiert. Wir werden kurzfristig prüfen, wo es gehakt hat und den Fehler beseitigen.“ In dem Test erhielt die Kreditberatung der ING-Diba nur die Note „ausreichend“. Die vier anderen Internetbanken im Test schnitten mit der Bestnote „sehr gut“ ab. Die ING-Diba geht nach
einer ersten Prüfung von einem individuellen Fehler aus: Angeblich wurde der Kredit bei der Kreditauskunftei Schufa gemeldet, obwohl er nicht ausgezahlt worden war.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Hallo, Danke für diesen Artikel, der nicht oft genug veröffentlicht werden kann. Anscheinend hat noch keiner der hier kommentierenden User eine Ahnung, wie vernichtend das ganze System sein kann. Für mich ist es sehr traurig, dass sich immer noch keine deutlichen Verbesserungen bei den Banken durchgesetzt haben, war doch das Thema schon vor Jahren sehr aktuell...doch dann kam die Lehmanpleite und das Unglück der vielen Anleger, die z.T. auch von den Banken falsch beraten wurden, war interessanter. Dass jemand nur durch Falschmeldungen von Banken an die Schufa in den Ruin getrieben werden kann, haben wir selber erlebt, bzw. erleben wir immer noch. Dieses perfide System wurde anscheinend nur eingeführt, um den Banken immer höhere Zinsen in die Kassen zu spülen. Bei uns war es die Citibank (heute Targobank) die falsch gespielt hat. Und nicht nur bei uns, Tausende wurden von der Citibank durch überhöhte Zinsberechnungen plus überteuerter Versicherungen abgezockt. Ein tolles Spielzeug für die Banken ist das Scoring. Die Banken liefern die Daten und die Schufa übernimmt diese ungeprüft für ihr Scoring, dieses widerum ist die Basis für die Höhe der Kreditzinsen.
    Auch wenn die Schufa immer betont, dass sie mit anerkannten
    Programmen arbeitet, es ist witzlos, wenn die Einmeldungen getürkt sind.

  • Hallo! Ich wollte die Targo-Bank nicht diskreditieren, es war nur eben die erste Bank die mir in den Sinn gekommen ist beim Gedanken an den aktiven und teilweise agressiven Vertrieb von Ratenkrediten. Andere Großbanken sind da sicherlich nicht besser. Und das muss ich mit meiner langen Erfahrung schon sagen: Kunden, die wir abgelehnt haben, haben bei der Targo- bzw. ehemaligen Citibank noch jeden Kredit bekommen. Das liegt ganz einfach an der Vertriebsstrategie, lieber einen Kredit mehr an den Mann/die Frau gebracht, vorne das Zinsergebnis gepushed und hinten übers Bewertungsergebnis Kredit wieder ausgebucht als eine schlechtere CIR ausweisen. Übrigens halte ich persönlich den EasyCredit der VR-Banken genauso verwerflich und unseriös, ist aber nur meine persönliche Meinung.

    MfG,
    der Spielverderber

  • Ich muss der ersten Aussage in diesem Beitrag absolut recht geben - dem letzten Teil muss ich als aktiver Targo Mitarbeiter widersprechen. Ich finde es absolut katastrophal was hier behauptet wird und würde mir wünschen, dass die Ergebnisse in Noten veröffentlicht werden um (mal wieder) zu belegen, dass es bei uns eben nicht so aussieht wie beschrieben.
    Bei jeder Bank gibt es schwarze Schafe - so durfte ich mir schon Verträge von der Sparkasse angucken bei deinen ein altes Ehepaar eine Rentenversicherung i.H.v. 230€ mtl abschließen mussten und als wäre dies nicht genug, musste diese natürlich auch noch abgetreten werden damit bloß nicht verändert werden konnte - die Kunden waren sehr froh als sie nach der Ablösung endlich den Beitrag senken konnten. Den Vorteil den die ach so tollen Sparkassen und Volksbank haben?
    Meinen Sie nicht, dass sich die ein oder andere Zeitung nicht fragt..."Beiße nicht die Hand die dich füttert"...Schonmal drüber nachgedacht?

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