Fintech: Number26-Chef verteidigt Girokonto-Kündigungen

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Number26-Chef verteidigt Girokonto-Kündigungen

In sozialen Netzwerken beschweren sich Kunden des Girokonten-Anbieters Number26. Das Unternehmen kündigte Girokonten ohne Begründung. Der Chef kann darin nichts Außergewöhnliches erkennen.

Frankfurt/DüsseldorfAufgebrachte Nutzer der Online-Bank Number26 beklagen sich über Kündigungen ihrer Girokonten ohne Begründung. Mehrere Kunden des für Smartphone-Nutzung optimierten Angebots haben Kündigungen zum 1. August 2016 erhalten. Rechtlich ist es möglich, dass Banken ohne Angabe von Gründen Kontobeziehungen beenden. Weshalb die Bank die Kontoverbindungen kündigt, ist nicht bekannt. Das Guthaben kann auf andere Konten transferiert werden.

Firmenchef Valentin Stalf verteidigte die Entscheidung am Mittwochabend per Kurznachrichtendienst Twitter. Die Kündigungen erfolgten nicht „abrupt“, jeder könne die Konten noch zwei Monate nutzen. Es handele sich auch nicht um Massenkündigungen, es seien nur wenige Nutzer betroffen. Am Nachmittag hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass die „aktuellen ordentlichen Kündigungen (...) wenige Hundert Konten“ beträfen. Im Verhältnis zum Wachstum der Firma sei die Anzahl der Kontokündigungen „unwesentlich“. Jede Kündigung habe einen Grund, über die jedoch „aus datenschutzrechtlichen Gründen“ nicht eingegangen werden könne.

Einige Kunden haben Antwortmails von Number26 veröffentlicht, in denen die Bank auf die rechtliche Möglichkeit der Kündigung verweist. Darüberhinaus sei die Entscheidung „endgültig“. Number26 ist eines der prominentesten Start-ups im Finanzbereich („Fintech“). Für die Dienste nutzt das Berliner Unternehmen die Banklizenz der Wirecard Bank.

Number26 hatte am Mittwoch zudem mit technischen Problemen zu kämpfen – Transaktionen mit Maestro- und Mastercard-Karten funktionierten zeitweise nicht, wurden jedoch nach Firmenangaben bis zum frühen Abend wieder behoben.

In der Vergangenheit sind bereits Fälle spontaner Kontokündigungen auch bei anderen Geldhäusern bekannt geworden. Meist handelte es sich dabei um Fälle, in denen Nutzer Begriffe in den Verwendungszweck geschrieben haben, der bei automatischen Prüfungen nach verdächtigen Worten aufgefallen waren. So hatte die Comdirect Kontobeziehungen beendet, wenn die Kunden aus Jux „waffenfähiges Plutonium“ bei Überweisungen angegeben hatten. Der Verdacht liegt, dass in diesem Fall System zur Geldwäsche-Bekämpfung angeschlagen hatten.

Über die Kündigungen bei Number26 hatte zunächst mobiFlip berichtet. Nutzer berichten zudem über Schufa-Anfragen, die von der Bank gestellt würden – auch bei bestehenden Kontoverbindungen. Ob das im Zusammenhang mit den Kündigungen steht, ist nicht bekannt. Andere Kunden spekulieren, dass die Zahl der Bargeld-Abhebungen für Kündigungen maßgeblich gewesen sein könnten. Number26 wirbt mit kostenloser Bargeldversorgung, die anfallenden Kosten werden vom Unternehmen übernommen. Zu viele Transaktionen könnten daher das Budget der Firma zu stark belasten.

Number26-Chef Valentin Stalf ging auf solche Spekulationen nicht ein. Die Konto-Kündigungen seien „nichts Außergewöhnliches“. Es müssten jeden Tag Konten gekündigt werden.

Martin Dowideit, Ressortleiter Unternehmen & Märkte bei Handelsblatt Online.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Deskchef Finanzzeitung
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