Flowtex-Affäre
Geldwäsche-Prozess zieht sich weiter hin

Die Flowtex-Affäre gehört zu den dunkelsten Kapiteln der deutschen Börsengeschichte. Das Unternehmen produzierte zu Zeiten des Neuen Marktes mit Luftuchungen nicht vorhandener Bohrsysteme einen Schaden von mehr als zwei Mrd. Euro. Vor Gericht muss sich dafür jetzt noch die Ex-Frau eines Flowtex-Chefs verantworten.
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HB KARLSRUHE. Neue Beweisanträge haben am Dienstag den Geldwäsche-Prozess gegen die Ex-Frau eines Flowtex-Chefs verlängert. Eigentlich war mit einem Urteil das Landgerichts Karlsruhe gegen die 63-Jährige gerechnet worden, die vor neun Jahren Millionen von Schweizer Franken und D-Mark aus dem Betrug mit Bohrmaschinen gewaschen haben soll. Ihre Verteidiger wollen mit den Anträgen belegen, dass die in der Schweiz lebende Frau zu diesem Zeitpunkt über ein erhebliches eigenes Vermögen verfügte.

Die Anklage wirft ihr vor, sie habe nach dem Auffliegen des Milliarden-Betrugs um Flowtex im Februar 2000 von einem Finanzberater fünf Mio. Schweizer Franken in bar bei einer Bank abheben lassen. Zudem habe sie später ein Marc-Chagall- Gemälde als Sicherheit bei einem Anwalt hinterlegt, um von ihm ein Darlehen über 200 000 D-Mark zu bekommen. Das Bild sei von ihrem damaligen Mann mit Geldern aus dem Flowtex-Schwindel gekauft worden.

Die Anklagevorwürfe waren im Laufe des Verfahrens unter anderem von dem Finanzberater als Hauptbelastungszeugen in Zweifel gezogen worden. Er hatte sich in Widersprüche verstrickt und konnte sich nach eigenen Angaben nicht mehr genau an die Umstände erinnern, unter denen er das Bargeld damals abgehoben habe. Die Verteidigung hält den ehemaligen Vermögensverwalter des Paares aus dem Skiort St. Moritz aufgrund seiner zum Teil widersprüchlichen Aussage für unglaubwürdig.

Nun wollen die Anwälte der 63-Jährigen unter anderem mit Kontoauszügen belegen, dass ihre Mandantin 2000 das Chagall-Gemälde zwar als Sicherheit benutzt habe. Es sei jedoch nicht klar zu belegen, dass das Bild mit dem "inkriminierten" Geld ihres Ex-Manns gekauft worden sei. Der hatte Anfang September bekundet, er bereue sein früheres Luxus-Leben heute zutiefst.

Der Prozess ist ein Nachfolge-Verfahren des Flowtex-Skandals, bei dem die Firma aus Ettlingen (Kreis Karlsruhe) Luftgeschäfte mit nicht vorhandenen Bohrsystemen gemacht hatte - der Schaden betrug mehr als zwei Mrd. Euro. Der Prozess wird am 3. Dezember fortgesetzt, dann soll auch ein Urteil fallen.

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