Frikadellen-Kündigung:
Arbeitgeber macht Rückzieher

Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen: Weil sie vom Firmen-Buffet genascht hatte, kündigte der Bauverband Westfalen eine Sekretärin nach 34 Dienstjahren fristlos. Nach dem Medienrummel der vergangenen Tage macht der Verband nun einen Rückzieher und sucht nach einem Vergleich. Die Kündigung hat allerdings Bestand.
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HB DORTMUND. Nach der Kündigung einer Sekretärin wegen zwei halber Brötchen und einer Frikadelle hat sich der Chef bei der Frau entschuldigt. In einem offenen Brief an die 59-Jährige schrieb der Hauptgeschäftsführer des Bauverbandes Westfalen, Hermann Schulte- Hiltrop: "Meine Reaktion darauf war menschlich zu hart." Das Schreiben lag dpa am Montag in redaktioneller Fassung vor. "Dafür entschuldige ich mich öffentlich, ich bedaure dies sehr.... ", hieß es darin weiter.

Der Verband versuche nun, "außergerichtlich eine gütliche Einigung zu erzielen." Laut "stern.de" sucht Schulte-Hiltrop nach einer Lösung, dass die Frau "in den Ruhestand kommen kann". Nach 34 Dienstjahren bei dem Bauverband in Dortmund wurde der Sekretärin fristlos gekündigt, weil sie zwei halbe Brötchen und eine Frikadelle von einem Buffet für Sachverständige gegessen hatte. In Medienberichten hieß es am Wochenende, dass die Kündigung zurückgezogen wurde. "Das ist falsch. Es wird eine außergerichtliche Einigung angestrebt. Die Kündigung wurde aber nicht zurückgezogen", stellte der Sprecher des Bauverbandes, Andreas Seepe, klar.

Der Anwalt der Sekretärin, Wolfgang Pinkepank, begrüßte die Entschuldigung des Bauverbandes. "Der Arbeitgeber hat überreagiert." Ende Oktober wolle man sich mit der Gegenpartei zusammensetzen und weiterverhandeln. Eine Abfindungslösung halte seine Mandantin für inakzeptabel, betonte der Anwalt. "Bisher ist das Ziel meiner Mandantin, wieder das Arbeitsverhältnis fortzusetzen." Zwar sei das Gerichtsverfahren für sie eine Belastung, aber: "Die Sorgen meiner Mandantin, keine Arbeit zu finden und in Hartz IV abzurutschen, sind für sie eine noch größere Belastung." Ob die Sekretärin die Entschuldigung angenommen hat, konnte Pinkepank nicht sagen. Ihre Kündigung ist beim Verband kein Einzelfall: Eine Kollegin mit 20 Dienstjahren ist ebenfalls vor Gericht gezogen - auch sie hatte ihren Hunger auf der Arbeit gestillt.

In Nordrhein-Westfalen ist dies der zweite Brötchen-Prozess in kurzer Zeit: Im Frühjahr hatte ein Bäcker vom Arbeitsgericht Dortmund Recht bekommen. Er hatte in der Backstube für ein selbst gekauftes Brötchen "Hirtenfladen"-Aufstrich aus der Produktion für unter zehn Cent genommen. Die deshalb ausgesprochene Kündigung erklärte das Gericht für ungültig.

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