Gefälligkeitsdienst
"Haus-Sitter" müssen für Schäden nicht haften

Wer sein Haus im Urlaub Verwandten oder Freunden anvertraut, sollte genau aufpassen, wen er sich ins Heim holt. Denn wenn ein „Haus-Sitter“ in dieser Zeit versehentlich etwas beschädigt, muss er dafür nicht haften.
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Düsseldorf/BerlinDie ersten Urlauber sind wieder aus den Ferien zurück. Und schon ist die schöne Erholung dahin, weil der nette Nachbar, Verwandte oder Freund dummerweise beim „Haus-Sitting“ gepatzt hat: Mal ist das teure Parkett aufgequollen oder der Fernseher ist geflutet, weil beim Gießen viel daneben ging. Mal hat die wertvolle Bodenvase einen Sprung, die Ledercouch hässliche Wasserflecken, der Schrank einen neuen Kratzer oder der Rasenmäher den Geist aufgegeben. Was dann? Wer zahlt für folgenreiche Missgeschicke von Urlaubshelfern, die doch eigentlich nur nach dem Rechten sehen sollten?

„Das bleibt klar am Urlauber hängen“, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Er kann den Helfer, der beim Freundschaftsdienst aus Versehen patzte und nicht etwa grob fahrlässig handelte, jedenfalls nicht zu Schadenersatz verdonnern, wie auch Karin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) betont. Dem Wohnungsbesitzer hätte rein theoretisch das gleiche Missgeschick beim Blumengießen oder Lüften passieren können.

Grundsätzlich steht im Bürgerlichen Gesetzbuch zwar, dass zu Schadenersatz verpflichtet ist, wer anderen vorsätzlich oder fahrlässig Schaden zufügt. Bei Gefälligkeitsdiensten, zu denen auch das Kümmern um Haus und Garten in der Ferienzeit gehört, gibt es jedoch eine abweichende Rechtsprechung, wie Weidenbach betont. Und die stellt uneigennützige Helfer aus dem Nachbars-, Freundes- oder Verwandtenkreis von der Haftung frei. „Das ist das Gleiche wie beim Umzugshelfer, der aus Unachtsamkeit Schäden verursacht“, sagt die Versicherungsexpertin.

Gerichte gehen in solchen Fällen von einem „stillschweigenden Haftungsausschluss“ aus – zwischen dem, der um Hilfe bat, und dem, der in seiner Freizeit netterweise half. Danach sind die Helfer bei Unachtsamkeiten aus dem Schneider. „Eigentlich ja auch ganz plausibel“, sagt Rüter de Escobar. Niemand würde sonst mehr nach dem Rechten sehen oder bei Umzügen mit anpacken. Der Helfer kann immer aufatmen. Pech für den Urlauber.

Bei Schäden nach Gefälligkeitsdiensten springe in der Regel auch keine Versicherung ein, sagt die GdV-Sprecherin. Das Angebot des Unglücksraben, seine private Haftpflichtversicherung einzuschalten, nutze bei dieser Konstellation auch nichts. Typische Gefälligkeitsschäden sind durch Standardpolicen nicht abgedeckt. Nur die wenigsten Haftpflichtverträge enthalten einen Zusatzschutz gegen Schäden bei Freundschaftsdiensten.

Richtig knifflig kann es werden, wenn der Heimkehrer einen riesigen Schaden am Hals hat. Beispielsweise dann, wenn der Helfer aus Versehen Haustür oder Fenster offen ließ und Einbrecher anschließend die Wohnung ausräumten. Dann greife auch die Hausratversicherung des Urlaubers nicht, erläutert die GdV-Expertin. Solche Probleme müssten dann im Einzelfall vor Gericht geklärt werden.

Wer netterweise ein „Haus-Sitting“ übernimmt und sich für den Ernstfall absichern will, sollte schon vor der Abreise des Nachbarn oder Freundes über mögliche Schadensfragen reden, rät Weidenbach. Dann fällt eine gütliche Einigung hinterher leicht. Alternative: Den Urlauber bitten, ihn von vornherein von jeglicher Haftung bei Missgeschicken in Haus und Garten freizustellen. Für den kleinen Vertrag unter Freunden reicht schon ein formloser Zettel. Der schützt zwar auch nicht vor Schäden, erspart aber vielleicht eine Menge Streit.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Freitag, 101.08.2012
    Gibt es das heute denn noch?

    Gibt es noch Haushalte, die keine private Haftpflicht haben? Es scheint so, denn sonst wäre dieser Artikel nur eine "Luft-Nummer". Wenn private Haftpflicht, dann ist die Frage erlaubt, welchen Inhalt hat sie und wäre nicht vor einer Übernahme von Gefälligkeitsdiensten ein Blick auf die Versicherungsbedingungen sinnvoll? Moderne Inhalte versichern andere "Baustellen" als solche, die vor vielen Jahren abgeschlossen wurden.

    Nun bin ich als Geschäftsführer einer Firma natürlich daran interessiert, dass solche Dienste die mit Haushüter umschrieben sind (Beschreibung zur Marke 307 17 893) auch von uns durchgeführt werden. Denn wir versichern seit über 25 Jahren unsere Mitarbeiter, die die Dienste ausführen, ausreichend und umfangreich, wie im Netz zu finden ist.

    Da alles seinen Preis hat, kann nicht jeder unsere Dienste in Anspruch nehmen, aber viele, die eine sachliche Nutzen-Abwägung durchführen schon. Es ist eben alles eine Rechenaufgabe. Wir sind ansprechbar, auch wenn es hinterher keinen Auftrag gibt.

    Klaus Adam
    Geschäftsführer der Firma
    Haushüter GAD-altos
    Inh. Gabriele Adam e. K.

  • Herr Reiss hat Recht. Die Verantwortung für Haus und Hof an einen professionellen Haushüter zu übergeben ist die beste Lösung, wenn dieser denn, wie es zu der Dienstleistung gehört, rund um die Uhr im Objekt wohnt (wenigstens 20 von 24 Stunden).

    Über andere, auch privat organisierte Lösungen hat am 11.07. Stern-TV berichtet. Hierzu war im Studio als Fachberater Klaus Adam, Geschäftsführer der Haushüter GAD-altos, Inh. Gabriele Adam e. K. anwesend um neben den filmbegleitenden Kommentaren auch direkt Rede und Antwort zu stehen. Die Fragen nach der Suche und der Handhabung bei privaten Lösungen wurden auch hier gestellt. Adamm gab Handlungshilfen und stellte diese am Folgetag auch ausführlich in einer Pressemitteilung dar. [...]

    Es bleibt jedoch dabei: Besser ist der professionelle Haushüter. Nebenbei eben auch weil er die Haustiere betreut oder in Einzelfällen auch die im Haushalt zurück bleibende(n) Senioren.

    Klaus Adam Geschäftsführer der Firma
    Haushüter GAD-altos
    Inh. Gabriele Adam e. K.

  • Wann werden endlich die falschen Berichte zur Gefälligkeitshaftung aufhören? Die Rechtsprechung bestätigt die Aussage, bei Gefälligkeit gelte ein stillschweigender Haftungsausschluss nicht:
    OLG Stuttgart Urteil vom 8.5.2008, 13 U 223/07

    "... Eine derartige (stillschweigende) Haftungsbeschränkung kann im Wege der ergänzenden Vertragsauslegung auf der Grundlage des § 242 BGB nur ganz ausnahmsweise angenommen werden; sie stellt eine künstliche Rechtskonstruktion aufgrund einer Willensfiktion dar, da sie von einem Haftungsverzicht ausgeht, an den beim Abschluß der Vereinbarung niemand gedacht hat (vgl. BGHZ 34, 355, 361; 41, 79, 81; 43, 72, 76; Senatsurteil vom 9. Juni 1992 - VI ZR 49/91 - VersR 1992, 1145, 1147). .... Gerade dort, wo der Schädiger gegen Haftpflicht versichert ist,..., entspricht es ... noch dem Willen der Beteiligten, durch (letztlich fingierte) Verzichtsabreden den Haftpflichtversicherer zu entlasten (vgl. BGHZ 39, 156, 158; Senatsurteile vom 26. Oktober 1965 - VI ZR 102/64 - VersR 1966, 40, 41 und vom 9. Juni 1992 - VI ZR 49/91 - aaO). Deshalb spricht das Bestehen eines Haftpflichtversicherungsschutzes für den Schädiger in aller Regel gegen eine stillschweigende Haftungsbeschränkung (vgl. BGHZ 63, 51, 59; Senatsurteil vom 15. Januar 1980 - VI ZR 191/78 - aaO)...."

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