Gerichtsurteil: Der verbotene Vermögensverwalter-Vergleich

Gerichtsurteil
Der verbotene Vermögensverwalter-Vergleich

Viele Kunden richten sich nach Leistungsvergleichen. Nicht alle halten aber der gerichtlichen Überprüfung stand. Ein Urteil stellt einem Tester von Vermögensverwaltern jetzt ein schlechtes Zeugnis aus.
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Vergleichstests sind in Deutschland beliebt. Neben den klassischen Instituten wie Stiftung Warentest, Zeitungen und Zeitschriften oder dem Tüv tummeln sich dutzende weitere Anbieter im Testmarkt. Viele Unternehmen sprechen mittlerweile von einem regelrechten Vergleichsfieber, angetrieben von zahlreichen Portalen im Netz und klassischen Medien. Nicht alle Tests taugen aber, viele schlecht bewertete Probanden ziehen gegen die Testate vors Gericht.

Ein Hintergrund der Testschwemme: Die Ergebnisse lassen sich vielfach lukrativ vermarkten. Auch vermeintlich schwer vergleichbare Dienstleistungen geraten ins Visier der zahlreichen Tester.
Die Wirtschaftsmagazine Focus Money und Euro küren die beste Bank, Fernsehsender RTL nimmt regelmäßig die Sauberkeit von Urlaubshotels unter die Lupe und Nachrichtensender NTV lässt die Servicequalität von KFZ-Versicherern oder Baumärkten analysieren. Warum also nicht auch die Qualität von Vermögensverwaltern testen?

Der Anlegerbrief Fuchs-Briefe bietet einen Vergleich an, der zeigen soll, welcher Verwalter etwas taugt. Regelmäßig vergleicht die Redaktion und der Partner Institut für Qualitätssicherung und Prüfung von Finanzdienstleistungen knapp hundert Verwalter. Die Tester bewerten die Vermögensstrategie, das Beratungsgespräch, die Transparenz sowie „variable Bestandteile“.

Die Ausgabe des „TOPs 2011 Vermögensmanagement im Test - Wer kann nachhaltig“, darf der Verlag aber nicht mehr ungeschwärzt vertreiben. In einem rechtskräftigen Urteil verbietet das Kammergericht Berlin dem Verlag die Verbreitung der Bewertung des Münchener Vermögensverwalters Best Advice. Bei Zuwiderhandlung drohen dem Verlag ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro oder Ordnungshaft eines der Geschäftsführers (Kammergericht Berlin 10 U 136/11).

Das Urteil im Wortlaut

Was war geschehen? Die Fuchs-Briefe schrieben dem Honorarberater von Advice die Äußerung zu, dass sie bislang „keine Erfahrung mit Umweltinvestitionen“ hätte. In der Urteilsbegründung erklärten die Richter diese Aussage sei unwahr. „Unrichtige Information ist unter dem Blickwinkel der Meinungsfreiheit kein schützenswertes Gut“. Die „untergeschobene Äußerung“ sei für die Vermögensverwalterin im Wettbewerb mit vermeintlich besseren Verwaltern nachteilig.

Fuchs-Briefe-Chefredakteur Ralf Vielhaber widerspricht dem Urteilstext: „Unser Tester hat als Zeuge vor Gericht bestätigt, das die Äußerung im Beratungsgespräch gemacht wurde “. Die Fuchsbriefe konnten ihrer Beweislast aber nicht nachkommen. „Wir haben durch das Verfahren dazugelernt, wie wir in solchen Fällen dokumentieren müssen“.

Das Gericht bestätigte ein Urteil der Vorinstanz in den zentralen Punkten. Der Verlag hatte Berufung eingelegt und nach einem Artikel der Internetseite „Das Investment“ auch juristische Schritte gegen die Berichterstattung des Handelsblattes wegen angeblich „falscher Behauptungen“ erwogen. Das Handelsblatt kooperiert mit dem Fuchsbrief-Konkurrenten Elite Report bei Vergleichen von Vermögensverwaltern.

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„Grenze bei weitem überschritten“

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