Geständnis im S&K-Prozess
„Ich bin ein Verdrängungskünstler“

In der Hauptverhandlung gegen die Gründer der Immobiliengruppe S&K und vier weitere Angeklagte gibt es das erste Geständnis. Dass der reuige Sünder sprechen durfte, bringt nun aber das gesamte Verfahren in Gefahr.

FrankfurtAnfangs war er vom Geschäftsmodell der Immobiliengruppe S&K begeistert, später bemerkte er den Betrug, doch eingeschritten ist er nicht. Etwa so lässt sich das Geständnis zusammenfassen, das der Hamburger Unternehmer Thomas G. vor dem Frankfurter Landgericht abgegeben hat. Bereits seit September vergangenen Jahres läuft dort der Prozess gegen die beiden S&K-Gründer und vier weitere Angeklagte. Ihnen wird schwerer gewerbs- und bandenmäßiger Betrug und ebensolche Untreue vorgeworfen, sie sollen Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben.

G. war unter anderem Geschäftsführer des Fondsemissionshauses United Investors, das S&K-Fonds aufgelegt hat. Zudem saß er im Aufsichtsrat einer S&K-Gesellschaft. „Ich war begeistert von dem Geschäftsmodell“, sagte er am Freitag. Das Konzept Immobilien bei Zwangsversteigerungen zu erwerben und später mit Gewinn zu verkaufen habe er im Jahr 2008 als „sehr tragfähig“ eingeschätzt. Außerdem habe die Mannschaft bei S&K einen „sehr akribischen und fleißigen Eindruck“ gemacht.

Bereits Ende 2010 oder Anfang 2011 – das Erinnern an den genauen Zeitpunkt falle ihm schwer – habe er jedoch Investitionen beobachtet, die nichts mit Immobilienhandel zu tun gehabt hätten. Anlegergelder seien zweckwidrig verwendet worden. Zwischenzeitlich habe er auch gemerkt, dass an Anleger ausgezahlte Gelder nicht aus erwirtschafteten Gewinnen stammten, sondern aus neu eingeworbenem Fondskapital. Doch er habe es billigend in Kauf genommen, dass Anleger getäuscht und geschädigt worden seien. „Ich bin ein Verdrängungskünstler“, sagte er.


Ab Mitte 2011 sei es zwischen seinem Geschäftspartner Hauke B. und S&K immer wieder zu Streit gekommen, etwa weil S&K Fragen nicht beantwortet habe. „Ich habe B. stets beruhigt, hatte Angst um United Investors und meine eigene Zukunft und wollte nicht wahrhaben, dass das Kind bereits in den Brunnen gefallen war“, so die Erklärung des Angeklagten.

Thomas G. hat in diesem Verfahren als erster Angeklagter ein Geständnis abgelegt. Besonders überraschend ist der Zeitpunkt, denn gerade hatte S&K-Gründer Jonas Köller das Wort und trug seine mehrere hundert Seiten umfassende Einlassung vor, mit der er sich verteidigt. Auf deren Ende wollte der Hamburger Unternehmer aber wohl nicht warten und bat darum, sein 55-seitiges Geständnis sofort verlesen zu dürfen.

Die Zustimmung des Gerichts kam bei den Verteidigern der anderen Angeklagten allerdings nicht gut an. Sie stellten Befangenheitsanträge gegen die Kammer und werden den Richtern vor, dass sie eine geständige Einlassung gegenüber einer bestreitenden bevorzugten. Über die Anträge muss nun eine andere Kammer des Gerichts entscheiden. Am kommenden Mittwoch soll die Verhandlung fortgesetzt werden.

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