Girocard & Co.: Keine zusätzlichen Kosten für Verbraucher

Girocard & Co.
Verbraucher verwirrt über neue Auswahl bei Kartenzahlung

Keine zusätzlichen Kosten für Verbraucher

Profitieren die Verbraucher von der Wahlfreiheit?

Für Kunden in Deutschland macht es keinen Unterschied, ob sie per Girocard, über Maestro oder VPay bezahlen. Denn zusätzliche Kosten entstehen für Verbraucher nicht – egal welche dieser Bezahlarten sie nutzen. Auch das Verfahren ist identisch: Karte ins Lesegerät stecken, Zahlung per vierstelliger Geheimnummer (PIN) freigeben – fertig. Allerdings funktioniert das mit der Girocard nur in Deutschland, VPay funktioniert in vielen Ländern Europas, Maestro sogar weltweit. Bei Esso sind die bisherigen Erfahrungen durchwachsen: „Am 9. Juni hatten wir alle Tankstellen einsatzbereit, wir sind da gesetzeskonform“, sagt eine Sprecherin des Mineralölkonzerns ExxonMobil. „Die Mehrheit der Kunden empfindet das als lästig, weil die Kunden nicht verstehen, warum sie das in anderen Geschäften derzeit noch nicht machen müssen.“

Warum gibt es die neue EU-Regelung überhaupt?

In manchen Ländern, zum Beispiel in Frankreich, gibt es Zahlungskarten, die zugleich Debit- und Kreditkarte sind. Der Kunde hat dann beim Einkaufen also durchaus die Wahl, ob sein Konto sofort belastet wird oder erst mit Zeitverzögerung. Solche Karten gibt es in Deutschland bislang nicht.

Was bedeutet die Neuregelung für den Handel?

Geschäfte und Tankstellen könnten drauflegen müssen. Denn die Gebühren für das Kreditkartenverfahren sind deutlich höher, weil eine zusätzliche Bank dazwischengeschaltet ist. Bei der Zahlung mit der Girocard belaufen sich die Kosten auf 0,2 Prozent des Umsatzes plus die Kosten für den Netzbetrieb. „VPay und Maestro kosten den Handel mindestens das Doppelte“, sagt HDE-Experte Binnebößel. Er betont: „Händler sind nicht verpflichtet, Maestro und VPay anzubieten.“ Viele machten das nur wegen der Touristen aus dem Ausland.

Wer könnte von der Neuregelung profitieren?

Eine Chance ist das Auswahlverfahren an der Kasse für Kreditkartenanbieter wie Mastercard und Visa. Zumindest können die US-Kartenriesen darauf hoffen, in Deutschland bekannter zu werden – und vielleicht doch den einen oder anderen Kunden auf ihre Plattformen zu locken. Bei Mastercard will man zunächst abwarten, wie die EU-Regelung in Deutschland umgesetzt wird. Visa Deutschland erklärt, Händler sollten „die Lösung verwenden, die unter den gegebenen Bedingungen am besten funktioniert“: „Sie sollten die nötige Transparenz gewährleisten, um Kunden zu signalisieren, dass eine Auswahl möglich ist.“ Bislang waren Maestro und VPay für die heimische Kreditwirtschaft keine wirkliche Konkurrenz. Nach einer Studie des Handelsinstituts EHI für das Jahr 2015 wurden 23,2 Prozent der gesamten Umsätze im Einzelhandel in Deutschland per Girocard-Verfahren beglichen, Maestro und VPay kamen zusammen gerade einmal auf einen Anteil von 0,8 Prozent.

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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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